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Hückelhoven
Helfende Hände für Kranke in Lourdes

Hückelhoven: Helfende Hände für Kranke in Lourdes
Max Freiherrr Spies von Büllesheim koordiniert die Ehrenamtlichen bei ihrem Einsatz bei der Krankenwallfahrt der Malteser in Lourdes, er ist Ansprechpartner in der Diözese Essen. Wenn nötig, legt er auch selbst mit Hand an und gehört somit zum Team der vielen helfenden Hände. FOTO: SIMON
Hückelhoven. Max von Spies begleitet im Herbst wieder eine Pilgerreise des Malteser-Lourdes-Krankendienstes in der Diözese Essen in die Pyrenäen. Interessierte - gehandicapt oder gesund - können sich auf Haus Hall in Ratheim anmelden. Von Gabi Laue

Pilger erzählen von wundervollen Begegnungen, wunderschönen Erlebnissen, wunderbar funktionierenden Ehrenamtler-Teams, wundersamen Entwicklungen bei Kranken - Wunder gibt es viele in Lourdes. Wer einmal dort war, das wird oft erzählt, will auf jeden Fall wiederkehren zu der Grotte, an der ab dem 11. Februar 1858 der damals 14-jährigen Bernadette Soubirous eine "weiße Dame" erschienen ist. Zu den stetig Wiederkehrenden gehören auch Max Freiherr von Spies und der Kempener Walter Simon. Beide begleiten vom 4. bis zum 10. September den Pilgerzug einer Gruppe gesunder und kranker Menschen nach Lourdes, in Haus Hall werden Anmeldungen und Organisation koordiniert.

Dass Max von Spies die Reise des Malteser-Lourdes-Krankendienstes in der Diözese Essen begleitet, hat Familientradition. Sein Vater, Adolf Freiherr Spies von Büllesheim, organisierte 1987 erstmals eine Pilgerreise, die damals in Essen startete. Als Mitglied des Malteser-Ordens ist es nun auch dem Sohn Verpflichtung, "ein katholisches Leben zu führen und sich in den Werken der Malteser zu engagieren". Ziel ist es, Alten, Kranken und Armen das Pilgern nach Lourdes zu ermöglichen. Pflegebedürftige werden von Helferinnen und Helfern des Pflegeteams, examinierten Krankenschwestern und Ärzten betreut. "Das war schon Ziel des Ordens vor tausend Jahren, den kranken Pilgern, die auf dem Weg ins Heilige Land waren, und den Armen Schutz zu bieten", erinnert Max von Spies an die Historie.

Max von Spies reist mit nach Lourdes, so oft es seine Zeit erlaubt. Walter Simon (72, re.) begleitet die Kranken seit 30 Jahren. FOTO: JÜRGEN LAASER

Der Ratheimer hat weitere persönliche Beziehungen zu den Malteser-Krankenwallfahrten. Urheber im Jahr 1958 - es wurden 100 Jahre der Erscheinung der Gottesmutter gefeiert - war sein Patenonkel Philipp Freiherr von Boeselager, einer der besten Freunde seines Vaters. Der Baron, einer der wenigen Überlebenden des Hitler-Attentats vom 20. Juni 1944, gehörte mit zu den Gründern des Malteser Hilfsdienstes und war lange Jahre Lourdes-Kommissar des Ordens. Die Deutsche Hospitalité Notre Dame de Lourdes mit Sitz in Weeze, deren Ehrenamtliche sich um die Krankenstation in Lourdes kümmern, Flure putzen und Essen kochen, leitet als Präsidentin Antoinette Freifrau von Elverfeldt-Ulm, die Schwester von Max von Spies.

Den Ratheimer Baron begeistert der Umgang miteinander in Lourdes. "Da haben die behinderten Menschen Vorfahrt vor allen anderen. Die Leute haben es oft so schwer im Leben, und sie sollen am normalen Leben teilhaben." Es sei toll zu sehen, wie Menschen, die sonst am Rande leben, im Mittelpunkt stehen. Ein Pfarrer, der selbst behindert ist und weiß, wovon er spricht, erlebe das gleiche in Lourdes, ergänzt Walter Simon und zitiert den Probst: "Hier bin ich wirklich Mensch, so wie ich bin." Ein ehrenamtliches Team betreut die kranken und behinderten Pilger, kümmert sich um Pflege und Spaziergänge. Die Gruppe kommt möglichst einmal am Tag zusammen, Familienmitglieder fahren schon mal in die Pyrenäen. Max von Spies: "Wir bieten den Leuten ein Rundum-sorglos-Paket. Das bedeutet nicht nur Kirche, sondern auch Gemeinschaft mit vielen lustigen Leuten."

30.000 nicht erklärliche Heilungen soll es schon gegeben haben, 6000 sind dokumentiert, 2000 gelten als "medizinisch unerklärlich". Offiziell hat die Kirche (zuletzt im Februar) 70 Wunder anerkannt. Eines der vielen "kleinen Wunder" steht lebhaft in der Erinnerung des Ratheimers - einer der für ihn schönsten Momente der vorletzten Fahrt. Max von Spies erzählt von einer relativ jungen Frau Ende 20, Anfang 30, schwer krank mit Autoimmunstörung. Als im Bistrowagen des Zuges Leute zu tanzen begannen, habe sie ein Mikro ergriffen und gesungen: "I will survive". "Wenn ich daran denke, habe ich immer Tränen in den Augen", so Max von Spies. Überlebt hat sie, und nicht nur das: Im nächsten Jahr bekam sie ein Kind. "Lourdes hat sie so befreit, dass sie ihre Sorgen an der Grotte ablegen konnte." Ihre kleine Tochter trägt auch Bernadette im Namen. Auch Walter Simon kann manches von beeindruckenden Erlebnissen an den Bädern und berührenden Begegnungen erzählen. Und er ist überzeugt: "Was da entstanden ist aus den Begegnungen, wird man sonst nicht erleben." Nicht jeder hofft auf Heilung. Zu Simon haben schon viele Teilnehmer gesagt: "Diese Wallfahrt bringt mir so viel Kraft, um das ganze Jahr gut mit meiner Behinderung zu leben."

Für die Pilgerreise der Malteser im Herbst steht das Team schon. Pilger oder Kranke können sich noch anmelden, Interessierte wenden sich an das Büro in Haus Hall. Max von Spies: "Jeder mehr ist schön."

Quelle: RP
 
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