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Brauchtum in Hückelhoven
Erster weiblicher St. Martin wird für die Kinder reiten

Hückeswagen: Erster weiblicher St. Martin 2017 wird für die Kinder reiten
Denise Rattinger (22) übernimmt von ihrem Vater Frank den Helm und die Rolle des barmherzigen Soldaten. Das Gewand stammt vom früheren Pastor Anton Heffels. FOTO: JÜRGEN LAASER
Hückelhoven. Denise Rattinger tritt in Schaufenberg die Nachfolge ihres Vaters und Opas an. Die 22-Jährige ist der erste weibliche St. Martin. Von Daniela Giess

Sie freut sich darauf, hoch zu Ross in Schaufenbergs Straßen unterwegs zu sein. Auf die vielen Kinder, deren Augen mit den farbenprächtigen Laternen um die Wette leuchten werden. Und auf das traditionelle Verteilen der Weckmänner, das genauso dazu gehört wie die Szene, in der St. Martin seinen Mantel mit dem armen Bettler teilt. Wenn sich der feierliche Martinszug am 14. November um 18.30 Uhr in Bewegung setzt, tritt Denise Rattinger (22) in die Fußstapfen ihres Vaters Frank Rattinger und ihres Opas Max Peter Tetz.

Die Geschichte des freigiebigen römischen Soldaten, die seit Jahrhunderten Kinder fasziniert, ist in Schaufenberg schon lange Familiensache. Erstmals wird es diesmal aber einen weiblichen St. Martin in der Region Heinsberg geben. Das historische Gewand aus Samt, Leinen und Leder gehört dem Bürgerverein, der die Martinsfeier organisiert.

Aufbewahrt wird es bei Familie Rattinger. Mutter Britta übernimmt das Bügeln. "Das ist ganz schön viel Arbeit", verrät die 46-Jährige schmunzelnd. Die begeisterte Pferdenärrin - die Rattingers halten drei eigene Pferde auf ihrem Grundstück an der Hochstraße - wird Tochter Denise bei ihrem großen Auftritt begleiten, neben ihr und dem Pferd gehen, um im Falle eines Falles sofort eingreifen zu können.

Davon geht aber auch Denise nicht aus. "Wir leihen einen Kaltblüter, ein Kutschenpferd. Die sind ganz ruhig und kommen mit der Situation gut zurecht", erzählt die Auszubildende zur Kauffrau im Büromanagement. Besitzer ist Johannes Thelen vom Doverener Gut Kleinkünkel. Die eigenen Pferde seien dafür nicht geeignet, so Mutter Britta.

Als der Schaufenberger Bürgerverein anno 1971 plötzlich ohne St.- Martin-Darsteller dastand, fiel diese Rolle Opa Max Peter Tetz zu. Das war sehr praktisch, denn der heute 69-Jährige hatte eigene Pferde, konnte gut reiten und stellte in seiner Backstube die Weckmänner her, die heute Bäckermeister Marcel Schmitz aus Kleingladbach liefert.

Bis 1985 stand Tetz einmal im Jahr als St. Martin in den Diensten des Bürgervereins. 1990 war Schluss mit der eigenen Bäckerei. In der umgebauten Backstube wohnen heute Tochter Britta, Schwiegersohn Frank und die beiden Enkelinnen Denise und Pia (drei).

In der Honigmann-Grundschule und im Kindergarten hat man sich auf den festlichen Umzug durch Weiherstraße, Jägerstraße und Bonifatiusweg, wo auf dem Platz hinter der Kirche das Feuer entfacht wird, gründlich vorbereitet. "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne", "Ich geh' mit meiner Laterne" und die anderen bekannten Martinslieder werden eifrig eingeübt. Pia hat im Kindergarten eine fantasievolle Laterne mit Katzenmotiv gebastelt.

Als Opa Max Peter sich die Hand brach, trat Frank Rattinger die Nachfolge seines Schwiegervaters an. In der Zeit von 1986 bis 2016 war der gelernte Betonbauer (50) im Einsatz. In der Mehrzweckhalle an der Hochstraße werden die Martinstüten mit Weckmann und vielen süßen Leckereien ausgegeben.

Insgesamt 300 werden es in diesem Jahr sein, wie Sophia Heymes, die Vorsitzende des Bürgervereins, verrät. In die Rolle des Bettlers schlüpft Caroline Goosmann (22) aus Ratheim. Denise Rattinger spannte dafür ihre beste Freundin ein, deren einjähriges Söhnchen Fabrizio zum ersten Mal am Martinszug teilnehmen wird. Aus dunklen Lumpen entsteht ihr Kostüm.

"Ich kenne die Strecke gut, war selbst als Kind immer dabei", meint der erste weibliche St. Martin der Region. Lampenfieber wird es deshalb bei Denise Rattinger nicht geben.

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Quelle: RP
 
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