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Hückelhoven
In Eintracht singende Korbmacher 1892

Hückelhoven: In Eintracht singende Korbmacher 1892
Die Gründerväter waren Korbmacher, später arbeiteten viele Sänger bei Sophia-Jacoba. Der Zeche widmeten sie ein Lied. Heute wird in Chorgemeinschaft mit dem MGV Borussia Baal gesungen. FOTO: MGV
Hückelhoven. Hilfarther Männergesangverein feiert 125-jähriges Bestehen mit Jubiläumskonzert am 29. Oktober in der Kirche. Von Daniela Giess

Sie sangen schon gemeinsam mit den Wildecker Herzbuben, traten im Vorprogramm von Roberto Blanco im Festsaal Sodekamp-Dohmen auf. Jetzt blicken die Mitglieder des Hilfarther Männergesangvereins Eintracht auf 125 Jahre zurück. Zum großen Jubiläumskonzert laden die Hobbysänger mit ihrem Chorleiter Heribert "Herry" Vierboom und ihrem Vorsitzenden Detlef Albrecht für Sonntag, 29. Oktober, 18 Uhr, in die Hilfarther Pfarrkirche St. Leonhard ein. Dazu erwarten die Gastgeber stimmgewaltige Gäste - aus Erkelenz den Folklorechor "Rjabinuschka" unter der Leitung von Nadeschda Reder, aus Hückelhoven die Gospelchöre "Klangfarben" und "One of us", die von Georg Pusch geführt werden.

Die 17 Aktiven - seit fünf Jahren bilden die Eintracht-Sänger eine Chorgemeinschaft mit dem MGV Borussia Baal - freuen sich schon auf ihren Geburtstagsauftritt im Gotteshaus. Das anspruchsvolle Programm wird zurzeit eifrig geprobt in der Gaststätte Sodekamp-Dohmen, das Vereinslokal des Männergesangvereins.

Anno 1892: Einige sangesfreudige Korbmacher um Wilhelm Vieten alias "Juone Wilke" gründen den MGV und geben ihm den Namen "Eintracht". Vorsitzender Detlef Albrecht: "Je nach Vermögen leistete jeder einen finanziellen Beitrag, und schon bald konnte eine Geige gekauft werden." Das Saiteninstrument sei dem ersten Dirigenten Franz Smeets zur Verfügung gestellt worden.

Aus der ersten Vorstandswahl seien Peter Adam Königs als Präsident und Vorsitzender, Theodor Rick als Kassierer sowie Wilhelm Vieten als Schriftführer hervorgegangen. Schon damals sei die Wirtschaft Sodekamp das Vereinslokal der Hilfarther Hobbysänger gewesen.

Frühjahr 1893: Beim Sängerfest in Linnich machen die MGVler Eindruck, drei Jahre später das erste eigene Gesangsfest, verbunden mit einer traditionellen Fahnenweihe. Sechs Sangesbrüder fallen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer, sieben dem Zweiten Weltkrieg. Das Vereinslokal Sodekamp wird völlig zerstört, auch Notenblätter, Instrumente und die Fahne gehen verloren. Doch der MGV lässt sich nicht unterkriegen, weicht erstmal in die damalige Gaststätte Pütz aus.

"Der Wiederaufbau nach dem Krieg war sehr schwierig", berichtet Detlef Albrecht. "Aber die Liebe zum Gesang und die Freundschaft führten Ende Mai 1946 die aus der Evakuierung und Gefangenschaft Heimgekehrten wieder zusammen." Erster Dirigent nach dem Krieg wurde Johann Schröder, Vorsitzender Heinrich Jansen, der sich stark machte für die Wiederbelebung des beliebten Chors. Hermann Dohmen führte den Verein von 1955 bis 1967.

Als der MGV 1967 auf 75 erfolgreiche Jahre zurückblickte, war Theo Rick Vorsitzender. Als Heinz Thomas aus Brachelen im Mai 1977 zum neuen Dirigenten berufen wurde, ahnte noch niemand, dass er ihn 26 Jahre bis zu seinem Tod leiten würde und damit als der bis dato am längsten verantwortliche Chorleiter in die Geschichte des Vereins eingehen würde.

Auch der jetzige Vorsitzende Detlef Albrecht schrieb "Eintracht"-Geschichte: Seit er 1980 jüngster Vorsitzender wurde, bekleidet er dieses Amt nun schon seit 37 Jahren. Immer wieder verpflichtete der Männergesangverein namhafte Künstler. Einer Einladung an die Rurbrücke folgten unter anderem Die Blauen Jungs aus Bremerhaven (1984 und 1985), Heino (1985), Die Westfälischen Nachtigallen (1986), 1988 das Salonorchester Hartmann und 1989 das Glenn-Miller-Revival-Orchester.

"Erinnerungen" heißt die erste CD, die die Sänger 1992 im Saal Sodekamp-Dohmen vorstellten. Weitere Liedersammlungen mit Titeln wie "Fernweh" (1996) und "Schlagersouvenirs" (1998) folgten. Als Hommage an das stillgelegte Bergwerk nahmen die Männer 1996 ihr beliebtes Zechenlied "Glück auf, Sophia-Jacoba" mit dem Solisten Peter Peters auf - ein Verkaufsschlager. "Viele von uns waren bei Sophia-Jacoba beschäftigt", so Albrecht, "deshalb darf dieses Lied bei keinem unserer Auftritte fehlen."

Quelle: RP
 
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