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Hückelhoven
Interessengemeinschaft: Bergbau-Tradition lebendig halten

Hückelhoven: Interessengemeinschaft: Bergbau-Tradition lebendig halten
Linda Liebetrau (hinten) aus Gelsenkirchen macht Neues aus alter Bergmannskleidung. Ihr Mann Markus präsentiert gerade eine Tasche. FOTO: J. Laaser
Hückelhoven. Bergbaufreunde aus ganz NRW kamen am Wochenende nach Hückelhoven. Es war ein Tag des Wiedersehens und Kennenlernens ehemaliger Kumpels "über Tage". Der Vorplatz der St. Barbarakirche hatte sich in einen kleinen Bergbaumarkt verwandelt. Von Jessica Balleer

Man fühlte sich zurückversetzt in die Zeit, in der noch Kohlestaub in der Luft der Arbeitersiedlung lag und Fanfaren das Steigerlied durch Hückelhoven bliesen. Beim "2. Internationalen Treffen der Geocacher und Bergleute" kamen Franzosen, Belgier, Niederländer und Deutsche zusammen, die die gemeinsame Vergangenheit in der Zeche verband. "Die Kohle ist gegangen, aber Ehre und Stolz sind geblieben", sagte Organisator Stefan Grates von der Interessensgemeinschaft "Glück auf - Bergbau und Geocaching im Aachener Revier", die Kinder und Erwachsene, Tradition und Moderne zusammenbringt. Erst im Januar wurde die Interessengemeinschaft gegründet.

Fast 1000 Besucher seien über den Tag verteilt in Hückelhoven eingetroffen, sagte Grates. Sie kamen, um das vielfältige Programm zu nutzen. "Über 250 Geocacher haben bei der GPS-Schatzsuche mitgemacht", sagte Grates. "Zur Kinder-Rallye sind etwa 75 Teilnehmer gestartet." Die Taktik, Geocaching-Routen in die Gebiete des "Aachener Reviers" zu legen, in denen Bergbaumuseen und alte Zechen nicht fern sind, ging auf: "Die Kinder kommen so den Kumpels, unseren Vätern und Großvätern auf die Spur." Bergbau zum Anfassen boten die aus dem Ruhrgebiet angereisten Händler. An ihren Ständen waren Mineralien, Fossilien, alte Zechenliteratur zu finden. Wolfgang Dudak aus Gelsenkirchen hatte Originallampen dabei: "Ohne Wasser und Essen konnte man eine Zeit unter Tage sein. Ohne Licht, war man verloren." Neben Dudak hatte das Ehepaar Liebetrau seine Tuch- und Taschenkollektion "Grubenwear und Ruhrpottrockabilly" ausgebreitet.

Während an St. Barbara die Händler standen, Geocacher von der Tour zurückkehrten und Goldwäscher Hartwig von Hoym einigen Kindern seine Kunst zeigte, führte der "Förderverein Schacht 3" die Gäste durch den Stollen. "Unter Tage waren alle gleich, da hat man zusammengestanden", sagte der Belgier Julien Smolders (61). Der Gelsenkirchener Norbert Nowitzki, in beigefarbenen "Püttklamotten" unterwegs, sah das ähnlich. "Die haben so gearbeitet wie wir, sind unten gestorben, wie Kumpels hier." Auch im Gedenken an sie stießen die Freunde zum Abschluss des Wiedersehens an. Beim Konzert mit "Graf Hotte" klang dann die alte Hymne an: "Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt!" Weniger nostalgisch, als rockig, aber in dem Wissen, das 2017 die letzte Zeche in Deutschland stillgelegt wird.

Quelle: RP
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