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Hückelhoven
Jeder Betrachter kann Neues entdecken

Hückelhoven: Jeder Betrachter kann Neues entdecken
Heinz-Marin Kuß erreicht durch Makrofotografie verblüffend neue Wirkungen natürlicher Oberflächen etwa von Blütenblättern. FOTO: Jürgen Laaser
Hückelhoven. Ausschnitts-Aufnahmen von Glasobjekten oder natürlichen Materialien machen einen Schwerpunkt in Heinz-Martin Kuß' Kunstfotografie aus. Er erreicht durch Unschärfe malerische Wirkung. Von Nicole Peters

Der Reiz liegt für Fotografen Heinz-Martin Kuß darin, in Objekten ein direktes Motiv zu finden. Bei Glasschalen, -vasen und weiteren Gegenständen sind es beispielsweise Einschlüsse wie Blasen, interessante, durch Schmelzprozesse entstandene Farbverläufe oder die Oberflächenbeschaffenheit, die für ihn ein aussagekräftiges Bild ergeben. Mit Makroobjektiv in möglichst großer Auflösung abgelichtet, druckt er die Aufnahmen zuhause aus oder lässt diese Arbeit ausführen. Farbintensive, fantastische Kompositionen sind die Ergebnisse, von denen er einige bei der Gemeinschafts-Ausstellung mit dem Titel "Scheinbar" im "atelier.k" in Heinsberg zeigt.

Beispiele für weitere größere Welten, in denen er eigene kleinere findet, sind dabei Blütenblätter einer Tulpe oder Federn. Die Wahrnehmung des Schauenden anzuregen, der jeweils eigene Bezugspunkte findet, stellt für Kuß eine wichtige Motivation dar. Und er fügt beim Besuch der RP an: "Wichtig bei allen Bildern ist es, dass sie nachhaltig sind. Der Betrachter sollte immer etwas Neues in ihnen entdecken können." Das Besondere festzuhalten und darzustellen sind seine Ziele. "Das Bild soll etwas hergeben und die Möglichkeit bieten, dass man sich hineinbegeben kann."

So assoziiert ein Betrachter möglicherweise mit einer leicht körnig strukturierten, rötlichen Oberfläche sandiges Gelände, während sich ein anderer an Gebirgslandschaften erinnert fühlt. Dass es zwei in Licht getauchte Blütenblätter der Tulpe sind, die diese Form- und Farbvielfalt aufweisen, ist eine verblüffende Erkenntnis. Dem Fotokünstler geht es dabei aber in erster Linie um die Aussagekraft des Bildes an sich.

Schleierverhangen wirkt die Teilaufnahme von Federn - erneut spielen Licht und Schatten für die Bildaussage eine wichtige Rolle. Ebenso eine leichte Unschärfe. Neben dem Stilmittel "Ausschnitt" - angewandt bei natürlichen oder Glasobjekten - stellt die "Unschärfe" ein weiteres bedeutendes Mittel für den pensionierten Chemiker dar, der unter anderem eine Professoren-Stelle für Analytische Chemie an der Universität zu Duisburg-Essen innehatte. Durch Bewegung mit der Kamera erhält er unscharfe, beinahe malerische Wald- oder Meeresansichten. Licht und Schatten geben ihnen Tiefe und bewirken, dass Farben ineinanderfließen.

Ebenso erweitern der Abstand des Anschauenden zum Werk sowie der herrschende Lichteinfall die Aussage. Oder die Fotografien entfalten durch die Präsentation auf dünnen Dibond-Platten mit aufgebrachten matten oder glänzenden Lacken oder Folien sowie Acryl- oder Glasscheiben ihre jeweils eigene, ganz unterschiedliche Ausstrahlung.

Heinz-Martin Kuß ist seit 50 Jahren fotografisch aktiv. Mit der Kunstfotografie begann er intensiv, als er pensioniert wurde. Seit dem Jahr 2007 stellt er regelmäßig aus.

Quelle: RP
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