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Hückelhoven
Kirche sucht Käufer: Wehmut um St. Barbara

Hückelhoven. 16 Flüchtlinge im Pfarrhaus. Eine letzte Barbarafeier in der Kirche der Kumpel. Gruppen möchten bleiben. "Wir wollen nicht runter ins Dorf." Von Daniela Giess

Eine Kirche, für die der Antrag auf Entwidmung bereits gestellt ist, ein marodes Pfarrhaus, Gruppen, die bald nicht mehr wissen, wo sie sich treffen: St. Barbara steuert auf eine ungewisse Zukunft zu. In der Pfarrversammlung machten Pfarr-Administrator Pfarrer Winfried Müller sowie Wolfgang Emondts als stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands deutlich, dass es künftig nicht mehr möglich sein werde, zwei Kirchen in der ehemaligen Zechenstadt zu unterhalten. "Auf Dauer kann nur St. Lambertus aufrecht erhalten werden", sagte Müller vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage. In St. Barbara werde in jedem Jahr eine hohe Unterbilanz erreicht. Ihm sei bewusst, "dass viel Herzblut an St. Barbara hängt und dass jede Änderung Schmerzen mit sich bringt", betonte Müller.

Für viel Aufruhr in der Gemeinde hatte eine Veröffentlichung gesorgt, dass Kirche und Nebengebäude verkauft werden sollen. Im Pfarrsaal von St. Barbara, wo rund 60 Interessierte saßen, wollte man sich mit dem Angebot, Gruppenstunden und Treffen genauso gut in St. Lambertus stattfinden zu lassen, nicht zufrieden geben. Vertreter der spanischen Gemeinde, die einmal im Monat einen Gottesdienst in spanischer Sprache in St. Barbara feiert, brachten es auf den Punkt: "Wir wollen St. Barbara behalten." Im Wechsel zu St. Lambertus sehen viele den Verlust der eigenen Identität. "Wir sind hier oben, wir wollen nicht immer runter ins Dorf", sagte eine Teilnehmerin. Eine Entwidmung ohne Notwendigkeit, eine Flüchtlingsunterkunft einzurichten, ohne einen Investor halten viele Gemeindemitglieder für verfrüht. Barbara Knubben, die sich in St. Lambertus engagiert, gab zu bedenken, das Pfarrzentrum Burg werde oft an Auswärtige vermietet, so kämen die eigenen Gruppen jetzt schon nicht unter.

Die Idee, Räume in St. Barbara zur Aufnahme für Flüchtlinge zu nutzen, wird laut Wolfgang Emondts nicht weiter verfolgt. Die Stadt habe mit einem großen Ansturm gerechnet, der ausgeblieben sei, zudem habe sich herausgestellt, dass die Räume "ziemlich ungeeignet" seien, so der Architekt. Im Pfarrhaus wohnen 16 Flüchtlinge. Emondts: "Das sind sehr ordentliche Leute, die alles in Ordnung halten."

Dennoch: Müller und Emondts erläuterten, dass das alte Pfarrhaus dringend sanierungsbedürftig sei. Deshalb befinde es sich - wie die unter Denkmalschutz stehende Barbarakirche - auf der "Roten Liste" des Bistums: Für diese Gebäude fließen keine Zuschüsse mehr.

Pfarreirats-Sprecher Hans-Jürgen Knubben versicherte, eine Nutzung der Gebäude sei im nächsten halben Jahr wohl noch möglich, obwohl der Antrag auf Entwidmung des Gotteshauses beim Bistum gestellt sei und man nach einem Käufer suche. Die katholischen Frauen, als Barbaranerinnen bekannt, können ein letztes Mal im Pfarrsaal Karneval feiern. Auch die Barbarafeier werde ein letztes Mal in der Kirche stattfinden, versprach Knubben.

Einen Sparkurs will man laut Administrator Müller auch bei Personalkosten fahren. "Veränderungen ohne Entlassungen" sollen 20.000 Euro pro Jahr einsparen, frei werdende Stellen etwa würden nicht neu besetzt. Der Bischof habe ihn nach Hückelhoven entsandt, um ein neues pastorales Team aufzubauen, obwohl er in Geilenkirchen voll eingebunden sei. Müller: "Ich bete jeden Tag dafür, dass ein Pfarrer gefunden wird, der hier wohnt und die Gesamtleitung der Gemeinschaft der Gemeinden übernimmt." Es sei einfacher, jemanden zu finden, wenn das Aufgabenfeld leichter sei. Daher sei eine Fusion der richtige Weg: "Eine Pfarre mit vielen Gemeinden, ein Kirchenvorstand, ein Pfarrgemeinderat."

Quelle: RP
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