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Todesfall auf Zechengelände in Hückelhoven
"Niemand hätte gedacht, dass so etwas passieren könnte"

Kleiner Junge stirbt bei Unglück auf Zechengelände
Kleiner Junge stirbt bei Unglück auf Zechengelände FOTO: Uwe Heldens
Hückelhoven. Nach dem schrecklichen Unglück ist der Vorstand des Fördervereins Schacht 3 bestürzt über den Tod eines fast Zweijährigen auf dem ehemaligen Zechengelände in Hückelhoven im Kreis Heinsberg. Der Junge gehört zu einer Artistenfamilie.  Von Gabi Laue

"Die Kipplore steht seit 18 Jahren vor dem Maschinenhaus. Niemand hätte gedacht, dass einmal so etwas passieren könnte", sagte Ludwig Gurniak, zweiter Vorsitzender des Vereins, der an der Sophiastraße das Besucherbergwerk betreibt.

Am Wochenende fanden keine Führungen statt, vom Verein war niemand auf dem Gelände, auf dem am vergangenen Montag ein Zirkus sein Zelt aufgeschlagen hatte. Ludwig Gurniak erfuhr per Zufall von dem Unfall, als er am Sonntagmorgen Material für einen Auftritt des Schachtchores aus dem Maschinenhaus holen wollte und unversehens vor einer Polizeiabsperrung stand. Kinder erzählten ihm von dem Tod des Kleinen am Samstagnachmittag.

Der Junge entstammte nach Recherchen unserer Redaktion einer Artistenfamilie, die gelegentlich in dem Zirkus auftritt. Wie das Kleinkind unter der Lore mit dem aufwärts abgewinkelten Ende eingeklemmt werden konnte, kann sich Gurniak kaum vorstellen. "Ein Erwachsener kann die schwere Lore kaum anheben", meinte er. Sie lässt sich allerdings bewegen und muss unter dem Gewicht mehrerer spielender Kinder ins Schwanken gekommen sein. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hat sich zu diesem Zeitpunkt der Junge unter dem Ausstellungsstück befunden und wurde eingeklemmt.

Das Gelände rund um den Förderturm von Schacht 3 ist immer frei zugänglich. An einer gelben Grubenlok vor dem Maschinenhaus warnt ein Schild "Das Klettern oben auf der Lokomotive ist verboten! Aufenthalt nur im Führerstand auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder.". Der Verein plant nach Auskunft von Ludwig Gurniak, demnächst alle Ausstellungsstücke aus dem ehemaligen Untertagebetrieb von Sophia-Jacoba mit Warnschildern auszustatten.

Die gelbe Gruben-Doppellok, die Ende August von der Autobahnabfahrt Ratheim an den Schacht geholt wurde, und ihre tonnenschweren Großraum-Kohlewagen sind mit den Schienen verschweißt. An den übrigen Ausstellungsstücken ist noch nie ein Unfall passiert. Dass hier ein Kleinkind beim Spielen zu Tode kam, ist für Gurniak sehr traurig. Und er ist entschlossen, die Kipplore zusätzlich zu sichern: "Sobald sie freigegeben wird, werden wir sie festschweißen", erklärte er.

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