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Hückelhoven
Laufend die Stimmung verbessern

Hückelhoven: Laufend die Stimmung verbessern
Marlies Trapp (l.), Leiterin der Beratungsstelle, mit den Referenten Professor Dr. Johannes Michalak (2 v. l.), Professor Dr. Alexander Weber (2. v.r.) und Paul Seewald (3. v.r.) und den Lauftherapeutinnen Elke Coenen und Silke Gilljam (r.). FOTO: CARITAS
Hückelhoven. Das neunte Hückelhovener Suchtforum im Gemeindezentrum befasste sich mit dem Einfluss von körperlicher Aktivität und Achtsamkeit auf Körper und Psyche. Die Beratungsstelle für Suchtfragen will ein Bewegungsangebot vorhalten. Von Eva Weingärtner

"Wir tragen uns mit dem Gedanken, ein kostenloses Bewegungsangebot für suchtkranke oder psychisch kranke Menschen anzubieten", sagte Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen. Für sie war es logische Konsequenz aus dem 9. Hückelhovener Suchtforum im ev. Gemeindezentrum. Eingeladen hatte die Beratungsstelle in Trägerschaft des Caritasverbandes in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich unter anderem Teilnehmer aus der Eingliederungshilfe, Betreutem Wohnen, Fachberatungsstellen, Kliniken, Wohngruppen und Arztpraxen. Das Thema: "Können wir unser Verhalten ändern? Einfluss von körperlicher Aktivität und Achtsamkeit auf Körper und Psyche".

Man wolle etwas Einfaches ohne hohe Anforderung zunächst in Hückelhoven anbieten, erklärte Trapp. Sie habe Lauftherapeutin Elke Coenen gewinnen können, ab Frühjahr ehrenamtlich das Angebot zu leiten. "Wenn Sie mit Klienten arbeiten und denken, dass Bewegung für sie richtig wäre, sollten Sie mit uns Kontakt aufnehmen", ermunterte Trapp die Teilnehmer. Zuvor war sehr deutlich geworden, dass Aktivitäten wie Laufen eine positive Wirkung auf die Psyche haben und eine erhöhte Achtsamkeit sich selbst gegenüber innere Prozesse fördert.

Einführend hatte Trapp erklärt, dass gerade, wenn sich jemand entschieden habe, sein Suchtverhalten zu ändern, neue Wege beschritten werden müssten, um mit den Empfindungen, die zu Tage treten, umgehen zu können. Häufig bringe ein längerer Suchtmittelkonsum Inaktivität mit sich, erklärte sie.

Einen Weg, wie man Zustände und Empfindungen, die durch Suchtmittel manipuliert wurden, nüchtern aushalten kann und dem Gefühl der Leere begegnet, zeigte Professor Dr. Alexander Weber, Leiter des Deutschen Lauftherapiezentrums in Bad Lippspringe, auf. Er sprach von der Lauftherapie als Katalysator für eine Veränderung der Lebensweise. Wissenschaftlich belegt sei, dass die Patienten, die laufen und eine Psychotherapie machen, dieselben Fortschritte erzielten wie die Patienten, die Medikamente einnehmen. Ohne chemische Beeinflussung könne Laufen die Stimmung verändern. Seinen Ausführungen zufolge wird durch Laufen das seelische Gleichgewicht hergestellt, die Gesundheit gefördert, Bewegungsmangel entgegengewirkt und die Lebensfreude gesteigert. Menschen als "Gewohnheitstiere" hätten Schwierigkeiten, alte Gewohnheiten abzulegen und neue zu erlernen. Er riet, sich einen Plan zu machen, eine Entscheidung zu treffen und in kleinen Schritten loszulegen: sofort beginnen, erst einmal 20 Minuten gehen, nach und nach ins Laufen übergehen. "Nach zwölf Wochen kann das Ziel, 30 Minuten am Stück zu laufen, erreicht werden", berichtete er. Professor Dr. Johannes Michalak von der Privaten Uni Witten/Herdecke richtete den Fokus auf die Achtsamkeit: sich auf sich selbst, den Körper und die Psyche im gegenwärtigen Augenblick konzentrieren, ohne gedanklich abzuschweifen. Er stellte achtsamkeitsbedingte Ansätze in der Psychotherapie vor. Um einen Rückfall bei Sucht oder Depression zu vermeiden, erklärte er, müsse man die Gedanken selbst nicht ändern, sondern die Haltung ihnen gegenüber: "Gedanken und Gefühle sind mentale Ereignisse, keine Abbildung der Realität." Durch Achtsamkeit erkenne man Frühwarnzeichen zum Beispiel bei einer Depression. Paul Seewald, Drogenhilfe Köln, unterstrich aus Erfahrungen mit der Sporttherapie im Kontext einer stationären Entwöhnung, dass Bewegung die Körperwahrnehmung und Leistungsfähigkeit verbessert, das seelische Wohlbefinden steigert und die soziale Kompetenz erhöht.

Quelle: RP
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