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Hückelhoven
Leid mindern: 958 Kastrationen in 26 Tagen

Hückelhoven: Leid mindern: 958 Kastrationen in 26 Tagen
Um das Leid der Straßenkatzen zu lindern, reicht Füttern alleine nicht. Helfer des Doverener Vereins fangen im türkischen Kusadasi Tiere ein, lassen sie in der Tierklinik kastrieren und setzen sie am gewohnten Platz wieder aus. Der türkische Tierarzt nahm täglich Stapel von Transportboxen entgegen. FOTO: Sunnydays for animals
Hückelhoven. In der größten Aktion bislang haben Helfer des in Doveren beheimateten Vereins "Sunnydays for Animals" in der Türkei dafür gesorgt, dass 570 Katzen, 357 Kater, 24 Hündinnen und sieben Rüden kastriert wurden. Von Gabi Laue

Eine Mammutaktion hat der Tierschutzverein Sunnydays for Animals in der Türkei gestemmt: 958 Kastrationen in nur 26 Tagen. "Beifang" waren 134 kranke oder verunglückte Tiere, die ebenfalls in die Tierklinik zur Behandlung gebracht wurden. "Die Not heimatloser Tiere war in diesem Jahr immer noch sehr groß. Täglich kämpfen Straßentiere gegen tödliche Gefahren wie Hunger, Gewalt und Krankheiten", berichtet die vor einem Jahr nach Doveren umgezogene Vorsitzende Petra Schmidt, "und jetzt haben es durch die beginnende Regenzeit und die Kälte die Tiere noch viel schwerer, zu überleben."

Das ganze Jahr hindurch führt der Verein mit örtlichen Helfern in Kusadasi und Umgebung, einem Ort an der türkischen Westküste, Kastrationen durch, um das Leid der Tiere auf den Straßen gar nicht erst entstehen zu lassen. Hoch zufrieden zieht Petra Schmidt nach der Aktion im Oktober Bilanz: 570 Katzen, 357 Kater, 24 Hündinnen und sieben Rüden sind kastriert. Die Gesamtkosten der Aktion beliefen sich auf 19.790 Euro. Was Schmidt besonders freute: "Die meisten Tiere wurden von den Einheimischen in die Tierklinik gebracht. Sie übernahmen sowohl das Einfangen sowie die Nachsorge und brachten die Tiere an ihren angestammten Platz zurück, wo sie die Tiere auch weiterhin betreuen." In Kusadasi hätten die Menschen begriffen, wie wichtig Kastrationen sind. In vielen deutschen Städten, auch in Hückelhoven, sei dies leider nicht der Fall. Im Januar 2016 hatte die Stadt einen Bürgerantrag für eine "Katzenschutzverordnung" mit Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen abgelehnt.

Nachdem im März nur wenige Kastrationen möglich waren, wurden in den Folgemonaten fleißig Spenden zusammengetragen. In der Türkei hatte eine deutsche Tierschützerin die Aktion gründlich vorbereitet, Anfragen notiert, alle angerufen, und über Facebook informiert. Auftakt zum Einfangen war auf einer Vogelinsel, wo sich die Katzenkolonie extrem vermehrt hatte. Rasch waren die ersten 24 Boxen gefüllt, sechs wurden an einem Restaurant eingesammelt, und der türkische Tierarzt Dr. Nevzat Yildizli empfing seine ersten 30 tobenden und mauzenden Patienten. An der Klinik entdeckte ein Zeitungsreporter die vielen Boxen und verfasste einen Bericht über die Kastrationen. Bei der deutschen Helferin schliefen die Fellnasen ihren Rausch aus, wurden dann in ihr heimisches Revier zurückgebracht. Boxen reinigen, desinfizieren, nächste Tour. Drei weitere Helfer reisten aus Deutschland an, im Gepäck Leckerchen, Kittenmilch und Sardinen in Dosen - Anreiz für die scheuen Straßentiger, in die "Falle" zu gehen. Die Tierschützer nutzten die Gelegenheit, über Katzenelend und die Notwendigkeit der Kastration aufzuklären, verteilten dreisprachige Flyer, sprachen mit Hotelmanagern, Touristen und Einheimischen.

Ein an der Straße hockender Kater mit gebrochenen Hinterläufen und nur einem Auge wurde operiert. Einem Kater mit altem Bruch wurde das baumelnde Bein amputiert. Eine "Glückskatze" - Dreifarbigkeit soll's nur bei Kätzinnen geben - entpuppte sich als Kater. Für den Tierarzt eine Rarität, die er fotografierte. Manchen Tieren sanierte er entzündete Zähne. Spitzenwert: 72 kastrierte Tiere an einem Samstag.

Für die Ehrenamtliche vor Ort, Angelika Hoffmann-Cigdem, ist 958 persönlicher Rekord in 26 Jahren Tierschutz in der Türkei: "Ich bin begeistert und danke allen Helfern für das fantastische Ergebnis, mit dem wir das Tierleid im Winter deutlich reduzieren konnten." Um wie viel reduziert, lässt sich nur erahnen. Der deutsche Tierschutzbund rechnet: eine Katze, zwei Würfe pro Jahr, drei Welpen pro Wurf, die sich vermehren - macht bei einem Paar nach fünf Jahren 20.000, nach zehn Jahren rund 200 Millionen Katzen.

Quelle: RP
 
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