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Hückelhoven
Mode zog aus, Flüchtlinge ziehen ein

Hückelhoven: Mode zog aus, Flüchtlinge ziehen ein
Mit Plan und Erstausstattungs-Kisten (v.l.): Ralf und Monika Eichenauer (Tafel-Depot Baal), Bürgermeister Bernd Jansen, Kämmerer Helmut Holländer und Sozialamtsleiter Thorsten de Haas. FOTO: Jürgen Laaser
Hückelhoven. In Baal baut die Stadt Hückelhoven eine Gewerbehalle in eine Unterkunft für 60 bis 70 Flüchtlinge um. Sie kann auf bis zu 140 Plätze erweitert werden. Gute Nachricht aus Köln: Bis Ende März werden keine Neuankömmlinge zugewiesen. Von Gabi Laue

Ortstermin mit dem Sozialausschuss in Baal: Die Kommunalpolitiker sollen mit eigenen Augen sehen, wie derzeit ein früher bekanntes Geschäft für Braut- und Festmoden mit Karnevals-Kostümverleih zur Flüchtlingsunterkunft umgerüstet wird. Neue Plätze werden gebraucht, denn aus zwei Provisorien - dem Jugendzeltplatz des Kreises Heinsberg und einem kurzfristig mietfrei zur Verfügung gestellten frei gewordenen Fitnessstudio - sollen Flüchtlinge umziehen.

In der Halle liegt noch immer der Duft von Stoffen und bauschigen Roben. Verlassen an den Wänden die Umkleidekabinen und Spiegel, vor denen sich einst angehende Bräute drehten. Hier soll bald ganz anderes Leben einziehen. Die Stadt hat den Komplex im Gewerbegebiet nach sechs Monaten Verhandlungen mit der Familie, die das Geschäft aus Altersgründen am 30. Mai 2015 geschlossen hat, gekauft - Inventar inbegriffen. Die Vitrinen und Regale, Dekoration und kartonweise Kleiderbügel kommen nun der Tafel zugute, die hier ein Depot für Sachen des täglichen Bedarfs eingerichtet hat, während sie am Friedrichplatz nur noch Lebensmittel ausgibt. Sozialdezernent Helmut Holländer breitet einen Übersichtsplan aus, der den Ausschussmitgliedern einen Überblick über die künftige Nutzung bietet. "Es fehlt nur noch der letzte Schliff", so der Beigeordnete. "Dann haben wir die Möglichkeit, hier sehr ansprechend Flüchtlinge unterzubringen."

Gleichzeitig hatte Holländer eine gute Nachricht von der Bezirksregierung Köln mitgebracht: "Innenminister Jäger hat zugesagt, dass Städte, die ihr Soll erfüllt haben, bis Ende März keine neuen Flüchtlinge bekommen werden." So könne Hückelhoven "in den Normalmodus zurückschrauben", erklärte Holländer in der anschließenden Sozialausschusssitzung im Rathaus. Das Jahr 2015 sei "für alle Beteiligten ein Krisenjahr gewesen", Höchststand der Zuweisungen seien 63 in einer Woche gewesen. Dagegen kamen seit dem 1. Januar erst 25 Asylsuchende in Hückelhoven an.

Ende März sollen Flüchtlinge aus den Unterkünften auf Zeit in Brachelen und im Zentrum - hier hatte Familie Heinrichs aus Heinsberg das alte "Super 2000" der Stadt kostenfrei überlassen - nach Baal einquartiert werden. Teuerster Faktor in der Gewerbehalle sind die Anschlüsse für die nach Geschlecht getrennten Nasszellen mit Duschen, wobei Fliesenarbeiten nicht nötig waren. Drei Waschmaschinen gehörten zum Inventar, es gibt auch ein Lager für neue "weiße Ware", von der Stadt teils "im Zehnerpack" gekauft. In die große Halle für Brautmoden haben Trockenbauer Zimmerwände eingezogen, Fenster für Wohnräume mussten hergestellt werden. Pro Zimmer sollen drei bis vier Personen einziehen, die Betten warten schon. Gleich hinter dem Eingang wird ein Gemeinschaftsraum mit Glaskuppel im Dach abgeteilt. Dieser zentrale Bereich bildet auch eine "Pufferzone" für den Fall, dass wegen erneut heftig ansteigender Zuweisungszahlen schnell weitere Plätze benötigt werden. Hier könnte das Raumangebot auf bis zu 140 Plätze ausgeweitet werden.

Im Anschluss an die Wohnräume hat das Tafel-Team seit Januar das städtische Möbellager eingerichtet. Seit einer Woche ist das "Tafel-Depot" in Betrieb. Das ist schon ein kleines Kaufhaus - mit meterlangen Regalen, gefüllt mit Geschirr, Bettwäsche und Badtextilien, Vasen und Dekofiguren. Empfänger von Sozialleistungen und Flüchtlinge können hier für wenig Geld einkaufen. Drei Frauen betreuen das "Kinderparadies" mit Kleidung, Schühchen, Plüschtieren und Spielzeug. Für Erwachsene gibt es ein riesiges Angebot an Bekleidung und Schuhen, getrennt nach Herren/Men und Damen/Women, beschriftet auch auf Arabisch. Der neue Tafel-Vorsitzende Heinz-Josef Schmitz ist stolz auf die zehn bis 15 Ehrenamtler, die hier "gearbeitet haben wie die Jecken": "Damit können wir uns als kleine Stadt mit anderen messen!"

Quelle: RP
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