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Hückelhoven
Nazi-Opfer Mokwa und Dinstühler

Hückelhoven: Nazi-Opfer Mokwa und Dinstühler
Die Friedenstour mit Gerda Boisten startet zwischen Rathaus, Aula und Gymnasium am Friedenspfahl, der dort vor 25 Jahren aufgestellt wurde. Die "Nachtwächterin" erzählt Kapitel der Stadtgeschichte aus der Nazizeit. FOTO: JÜRGEN LAASER
Hückelhoven. "Friedenstour - Route gegen das Vergessen" mit Nachtwächterin Gerda Boisten. 1983 Mahntafel der "arbeitenden und lernenden Jugend von Hückelhoven" im Gedenken an Ernst Mokwa. Zechen-Notbelegschaft unter Kriegs-Bedingungen. Von Willi Spichartz

"Möge Frieden auf Erden sein!" In zwölf Sprachen steht dieser dringende Appell auf dem Friedenspfahl zwischen dem Hückelhovener Gymnasium und der Aula, der vor genau 25 Jahren aufgestellt worden ist. Dort startete nun die "Friedenstour - Route gegen das Vergessen", die "Nachtwächterin" Gerda Boisten, die unter anderem Führungen durch Alt-Hückelhoven anbietet, künftig organisiert. Drehte sich ein Großteil der fast zweistündigen Tour über mehrere Stationen in der Innenstadt um die Opfer des Nationalsozialismus', bereiteten dem halben Dutzend Teilnehmer der ersten Führung einige Elemente der aktuellen Weltpolitik, "Korea, USA, Türkei", große Sorgen: "Die Kriegsgefahr war noch nie so groß!"

Zweite Station der Tour gegen das Vergessen war die Mokwastraße, deren Name allein schon eine Mahnung gegen den Nationalsozialismus darstellt, wie Gerda Boisten erläuterte. Ernst Mokwa war vor Beginn der Nazizeit Betriebsratsvorsitzender der Zeche Sophia-Jacoba und SPD-Politiker gewesen, im Dezember 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet, Anfang 1944 mit zahlreichen Mitgefangenen in einer Kölner Messehalle mit einer Benzinspritze ermordet.

An gleicher Stelle erinnerte Gerda Boisten an den katholischen Pfarrer von St. Lambertus Hückelhoven, Friedrich Dinstühler, der am 18. Dezember 1944 verhaftet und ins SA-Lager auf dem Zechengelände gebracht wurde. Von dort wurde er über Köln ins Konzentrationslager Buchenwald (Thüringen) und schließlich in dessen Außenlager Ohrdruf gebracht, wo er im März 1945 durch unmenschliche Arbeitsanforderungen umgebracht wurde. An die Schandtaten der Nazis erinnert in der Mokwastraße seit 1983 eine Mahntafel der "arbeitenden und lernenden Jugend von Hückelhoven" mit einem Spruch von Bert Brecht. Nach einem Hinweis des die Führung veranstaltenden Arbeitskreises Hückelhoven im Heimatverein der Erkelenzer Lande wurde angeregt, dass in der Mokwastraße und der Dinstühlerstraße sogenannte Stolpersteine gegen das Vergessen in den Boden eingelassen werden könnten.

Die Mokwastraße, früher Hansberger Straße, war auch Wohn- und Geschäftsstandort einiger jüdischer Familien, die beruflich zumeist als Einzelhändler tätig waren, wie Wolfermann und Hermanns, die enteignet wurden. Julius Hermanns wurde im KZ Auschwitz umgebracht, dessen Frau und Tochter sowie seine Schwester verschwanden spurlos auf den Wegen der Deportation, sie wurden entweder umgebracht oder starben an den Strapazen.

Weiterhin erinnerte Gerda Boisten in der Bergmannssiedlung und auf dem Zechengelände an die Zwangsarbeiter mehrerer Nationen, in erster Linie kriegsgefangene Russen, die in der Grube schwerste Arbeiten verrichten mussten, schlecht ernährt und schlecht behandelt wurden. Eine Totenzahl unter den Zwangsarbeitern ist nicht festgestellt worden.

Die "Nachtwächterin" stellte auch die Notbelegschaft von Sophia-Jacoba heraus, die ab 1944 unter schwierigsten Nazi-Kriegs-Bedingungen das Bergwerk in Betrieb hielten, vor allem die Energieversorgung und das Abpumpen des Grubenwassers sicherstellten, damit die Untertagebaue nicht "absoffen", was zum Ende der Mine geführt hätte. Zuletzt waren es elf Mann, die die rund 4000-köpfige Belegschaft "ersetzten", aber auch sie mussten für 18 Tage die Zeche verlassen, der Untertagebereich lief bis zur dritten Sohle voll. Mit riesigem Arbeits- und Technik-Aufwand mussten die Folgen des Nazisystems beseitigt werden - sie sollen nicht vergessen werden. Das ist das Anliegen von Gerda Boisten und des Arbeitskreises.

Quelle: RP
 
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