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Hückelhoven
Noch Hoffnung nach Jago-Crash

Hückelhoven: Noch Hoffnung nach Jago-Crash
Das Distributionszentrum mit Hauptmieter Jago bietet 120.000 Quadratmeter Logistikfläche im Industriepark Rurtal am Rande des Hückelhovener Ortsteils Ratheim. Es ist eines der größten Projekte dieser Art in Deutschland. Links hinten ist die Kohlenwäsche zu sehen. FOTO: Uwe Heldens
Hückelhoven. Der Insolvenzantrag des Internethändlers überraschte die Branche ebenso wie die Stadt Hückelhoven. Baldiges Ergebnis bei Vermietung von Hallenflächen? Teillösung für Logistikhallen am Ratheimer Zechenring in Sicht. Von Gabi Laue

"Augenreiben allerorten", schreibt das "Property Magazine". Weder die etablierten Handels- oder Finanzmedien noch Fachmedien der Startup- und E-Commerce-Szene hätten bislang Gründe ausmachen können, so heißt es in dem Bericht weiter, warum die Jago AG "völlig überraschend" beim Amtsgericht Stuttgart Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt hat. Nicht anders ist die Gefühlslage im Hückelhovener Rathaus, wo die Nachricht am Montag die Stadtspitzen kalt erwischte. "Wir hatten zuvor keine Gründe, an dem Unternehmen zu zweifeln", bekräftigte Technischer Beigeordneter Dr. Achim Ortmanns auf Nachfrage. Für die 120.000 Quadratmeter große Immobilie in Ratheim sieht die Stadt notfalls auch ohne Jago Vermarktungschancen.

Der Onlineshop wollte von den insgesamt fünf Lagerstandorten Eschwege, Dassel, Mühlheim, Hilden und Gittelde Ware sukzessive an den neuen Standort Ratheim verlagern. Der Spatenstich für das Jago-Distributionszentrum erfolgte im August 2015, der Einzug war für März 2016 geplant. Vor Baubeginn hatten sich führende Vertreter von Projektentwickler Panattoni Europe im Stadtrat vorgestellt, erinnerte Beigeordneter Ortmanns im Gespräch mit der Redaktion. "Bei dieser Vorstellung hat man uns mündlich in Aussicht gestellt, dass die Immobilie im August 2017 fertiggestellt sei und in der Endausbauphase 800 Arbeitsplätze entstehen." Vorstand und Gründer Goran Jakovac, der als Geschäftsführer auch für mehrere Zweigunternehmen zeichnet, ist seit Wochen weder für die Stadt Hückelhoven noch für Medien erreichbar. Eine von Panattoni für Mittwoch angekündigte Presseerklärung blieb aus. Der Insolvenzverwalter äußert sich nicht.

Bei aller Enttäuschung kann sich Ortmanns die Entwicklung auch nicht erklären. Die Bilanzen der Jago AG waren vielversprechend, wiesen 2014/15 noch einen Gewinn von rund 638.000 Euro aus. "Jago war über viele Jahre sehr erfolgreich", so der Beigeordnete. Ende 2016 habe er sich bei einem Ortstermin am Ratheimer Zechenring alle Hallen zeigen lassen. Von den zwölf gleich großen Einheiten seien sieben oder acht in Benutzung gewesen: "Da standen Kartons von Jago drin." Ihm gegenüber habe man von 75 Beschäftigten gesprochen, übers Internet wurden damals weitere Lagerverwalterhelfer gesucht.

Gekauft hatte das 200.000 Quadratmeter große ehemalige Zechengelände, von dem 10.000 Quadratmeter auf Wassenberger Stadtgebiet liegen, die auf Logistikimmobilien spezialisierte Panattoni Europe. Der Entwickler des gigantischen Hallenbaus soll den Besitz an einen Immobilienfonds übereignet haben und jetzt als Verwalter (Ortmanns: "Kümmerer vor Ort") tätig sein. So ist die Stadtverwaltung "nicht erfreut" vom Jago-Insolvenzantrag, aber froh darüber, "wenigstens einen kompetenten Ansprechpartner zu haben, der vom Eigentümer legitimiert ist, zu handeln". Nun gelte es abzuwarten, ob Jago in einigen Monaten die Hallen räumt oder das Unternehmen noch zu retten ist. Seit Monaten werden in diversen Immobilien-Portalen Hallen-Teilflächen bis zu 40.000 Quadratmeter zur Vermietung feilgeboten. "In einem Problem liegt immer auch eine Chance", blickt Dr. Achim Ortmanns zuversichtlich nach vorn. Er hofft auf Teillösungen für das in zwölf Einheiten abteilbare Gebäude, für das in der boomenden Logistikbranche großes Interesse bestehe. Vielleicht könne man "demnächst perfekte Ergebnisse liefern".

Quelle: RP
 
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