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Hückelhoven
Offenheit statt Abschottung

Hückelhoven: Offenheit statt Abschottung
Die Kindertanzgruppe des Vereins "Kolorit" eröffnete den Abend mit einem Showtanz. FOTO: Jürgen Laaser
Hückelhoven. Beim Abend der Kulturen im Rahmen der Interkulturellen Woche berichteten Jugendliche über ihre Flucht aus Syrien und ihre Hoffnungen für die Zukunft. Außerdem sorgten internationale Musik und Tänze für Unterhaltung. Von Philipp Schaffranek

Von Afghanistan mit dem Bus in den Irak. Dann zu Fuß weiter in die Türkei und mit dem Boot nach Griechenland. Schließlich wieder zu Fuß, hunderte Kilometer über die Balkanroute nach Deutschland. Jetzt stehen die Geschwister Pary und Hamid Rahimi beim Abend der Kulturen, der Teil der Interkulturellen Woche ist, auf der Bühne in der Hückelhovener Aula und erzählen von ihrer Flucht, den Gründen dafür und ihren ersten Monaten in Deutschland. Das Thema des Abends: "Von der Flucht zur Integration."

Birgit Fluhr-Leithoff, die den Arbeitskreis für die Interkulturelle Woche leitet, freute sich "ganz besonders, die Leute begrüßen zu dürfen, die einen langen und beschwerlichen Weg auf sich genommen haben". An diesem Abend könnten sich Menschen mit unterschiedlicher Herkunft begegnen, sagt Andrea Kardis, Integrationsbeauftragte der Stadt Hückelhoven. "Für eine erfolgreiche Integration gibt es kein allgemeingültiges Rezept", sagt sie, aber eine respektvolle Begegnung sei der erste Schritt. Für den Schirmherrn, Landrat Stephan Pusch, macht der Abend "einen großen Sinn". Er zeige das interkulturelle Zusammenleben und sei ein Gegenentwurf zu den Gedanken der Menschen, die von Abschottung reden.

Pary und Hamid kommen aus Kundus, einer Stadt im Norden Afghanistans. Immer wieder kommt es dort zu Auseinandersetzungen mit der Taliban. Oft hätten die Taliban versucht, ihn zu rekrutieren, erzählt Hamid. "Wenn man als Junge auf die Straße ging, kamen die Taliban." Die beiden Jugendlichen durften nicht zur Schule gehen. Im letzten Jahr flohen sie dann gemeinsam mit ihren Eltern. Pary vermisse vor allem den Teil der Familie, der in Afghanistan geblieben sei. Doch zurück wollen beide am liebsten nicht mehr. "Hier gibt es Rechte, die für alle gleich sind", sagt Pary. "Hier habe ich keine Angst mehr", fügt Hamid hinzu.

Neben Pary und Hamid kamen auch Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak zu Wort. Es war das Thema Flucht, das sie vorstellten. Das andere Thema des Abends war die Integration. Hierfür hatten verschiedene Menschen und Gruppen ein buntes Programm vorbereitet.

Die Kindertanzgruppe des Vereins "Kolorit" eröffnete den Abend mit einem modernen Showtanz. Auch mit dabei die Afrikanerin Fatima Deckers, die seit 24 Jahren in Deutschland lebt, die mit ihrer Trommeleinlage die ganze Aula in Schwung brachte. Oder der Erkelenzer Folklorechor "Rjabinuschka", der russische und deutsche Volkslieder sang.

Während diese Gruppen zeigten, wie Integration gelingen kann, kamen auch Menschen zu Wort, die sich für Integration einsetzen. Ulrike Minkenberg etwa, die in Hückelhoven die Flüchtlingspatenschaften ins Leben gerufen hat und von dem Projekt berichtete.

Damit deckte der Abend der Kulturen alles ab. Die Themen Flucht und Integration, mit einem bunten, unterhaltsamen und informativem Programm.

Quelle: RP
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