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Hückelhoven
Pfarrerin macht sich auf gen Norden

Hückelhoven: Pfarrerin macht sich auf gen Norden
In der Schaufenberger Kirche, die heute zum Verkauf steht, hielt Pfarrerin Irene Schlawin ihren ersten Gottesdienst. "Hier habe ich die ersten Schritte gemacht, und die Kirche habe ich verabschieden müssen samt Glocken", sagt sie. FOTO: JÜRGEN LAASER (ARCHIV)
Hückelhoven. Pfarrerin Irene Schlawin wird die Kirchengemeinde Hückelhoven verlassen. Verabschiedet wird sie - nach dem Konfirmationsgottesdienst - am 24. April. Am 1. Mai ist ihr erster Arbeitstag in der Gemeinde Ganderkesee. Von Gabi Laue

Der Norden. Das Meer. Da zu leben, war schon lange ihr Traum. Und den kann sich Pfarrerin Irene Schlawin jetzt erfüllen. Mit ihrem Mann Thomas Görlich wird die 54-Jährige in die Nähe von Bremen ziehen und in Ganderkesee, drei Kilometer vor Delmenhorst, am 1. Mai eine Pfarrerstelle antreten. "Uns treibt nichts von hier weg", stellt sie im Gespräch mit der RP klar. "Ich liebe meine Kirchengemeinde. Aber neu anzufangen nach 28 Jahren, das ist schon toll."

Die Zeit war einfach günstig für Bewerbungen. Der Sohn (29) lebt in Aachen, die über 80-jährige Mutter ist vor drei Jahren gestorben. "Wir beide können uns nun auf den Weg machen", sagt die Pfarrerin mit einem erwartungsfrohen Lachen. Und der führt in den Norden, wo das Paar immer seinen Urlaub verbracht hat. In Ganderkesee - 324 Kilometer von Haustür zu Haustür - wird Pfarrerin Schlawin mit ihrem Mann zur Miete ins Pfarrhaus ziehen, dort herrscht Residenzpflicht. Von den rund 30.000 Einwohnern der Gemeinde sind etwa 14.000 evangelisch. Die Seelsorge teilen sich drei Pfarrer und zwei Pfarrerinnen. Ihren Probegottesdienst hat Irene Schlawin in der neuen Kirche am zweiten Advent gefeiert, und die Kirchengemeinde hat sie gewählt. Heiligabend hat sie im Gottesdienst ihren Weggang offiziell verkündet.

Irene Schlawin ist in Erkelenz geboren und aufgewachsen, wurde von Pfarrer Pfeifer getauft und konfirmiert, besuchte die evangelische Grundschule und das Mädchengymnasium. Theologie studierte sie in Bonn, Münster und Wuppertal. In Hückelhoven begann sie 1988 bei Pfarrer Wegmann das Vikariat, 1991 zog sie nach Hilfarth, wurde ordiniert und 1992 auf die erste Pfarrstelle in Hückelhoven gewählt.

Seit Beginn war sie für die Kinder- und Jugendarbeit zuständig, saß daher auch im Jugendhilfeausschuss im Rathaus. Die Themen Kinderarmut und Chancengleichheit waren ihr eine Herzensangelegenheit, ebenso der Konfirmandenunterricht. Von ihren ersten Konfirmanden hat sie die ersten bereits getraut, deren Kinder getauft und konfirmiert, und auch die ersten aus diesen Jahrgängen haben ihr wieder Kinder gebracht. "Total schön anzusehen", findet Irene Schlawin. "Das ist etwas, das kriegt man in unserem Beruf geschenkt." Familien hat sie über Generationen begleitet mit Taufen, Geburtstagsbesuchen, Beerdigungen. Die aktuellen Konfirmanden begleitet die Pfarrerin noch bis April. "Mittendrin aufhören, das kann man nicht machen. Wir leben doch von Beziehungen und Seelsorge", betont sie. Auch Gottesdienste und Predigten sind jetzt schon bis 28. August geregelt.

Konfirmation ist am 23. April in Hilfarth und am 24. April in Hückelhoven, wo dann um 15 Uhr auch ihre Verabschiedung ist. Am 25. April beginnt eine Woche Resturlaub, dann werden Kisten gepackt. "Wir sind ja noch jung", sagt Irene Schlawin, und wieder blitzt die Freude in ihrem Lächeln. "Ich gehe hin mit Erfahrung, Wissen und Vorfreude und kann alle neuen Aufgaben mit diesem Rucksack beginnen." Noch ist eine ganze Menge zu tun. "Was ich kann, werde ich noch regeln. Zum Beispiel einen Antrag auf Genehmigung für die Ausmalung des Sternenhimmels in der Denkmalkirche in die Wege leiten." Das "Paket zu Ende schnüren".

Im Gemeindebrief ihrer neuen Heimat gibt es eine Plattdüütsch-Rubrik (was noch zu lernen wäre). Die vom Jahresbeginn passt zum Aufbruch Schlawins: "Diene Ogen sünd vull neie Indrücke. Wat du to hörn kriegst is en Spraak, de di frömd is. Wat mit 'nanner maaken hett al veele Minschen tosaamen bröcht. - Na denn man tau!

Quelle: RP
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