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Hückelhoven
Reiten in schnellen Gangarten auf Doverener Mönchswiesen

Hückelhoven: Reiten in schnellen Gangarten auf Doverener Mönchswiesen
Die Polizeiverordnung "zur Verhütung von Unglück und zur Aufrechterhaltung der Ordnung" für das Pferderennen 1911. FOTO: Heimatkalender 1990
Hückelhoven. In Doveren eher Trabrennen als in Mönchengladbach - durch Unternehmer Bresges. Im Neubaugebiet tragen praktisch alle Straßen Namen mit Bezug zur früheren Pferderennbahn. Von Willi Spichartz

"Am Sattelplatz", eine Straße in Doverheide. Dass das etwas mit Pferden zu tun hat, ist wohl den meisten Menschen klar, dass hier bis vor 90 Jahren schon mal der Wettbewerb "Schnellsatteln" ablief, sicher fast niemandem. 125 Jahre feiert die Trabrennbahn Mönchengladbach derzeit (unsere Zeitung berichtete), Pferderennen in Doveren fanden vor bereits 141 Jahren statt. Galopp, Trab, "Herrenreiten". Trab also auch schon 16 Jahre eher als in Mönchengladbach. Geschicklichkeitswettbewerbe und andere Sparten nahmen in den "Mönchsbenden" zwischen der heutigen Provinzialstraße, L 117, und dem Rittergut "Grittern" ab 1876 gehörigen Raum ein.

Bis in die 1970-er Jahre hinein waren die Doverener Reiterspiele, die 1927 endeten, Gesprächsthema vor allem unter älteren Landwirten, die die Hauptgruppe der Pferdebesitzer in der Region über ihre Berufsarbeit bis zur flächendeckenden Arbeit mit Traktoren stellten.

Der Doverener Geschichtsforscher Frank Körfer hat die Historie der donnernden Hufe recherchiert. Rennen fanden zunächst auf den Wiesen von Grittern statt, mit einer starken Verbindung nach Rheydt durch den dortigen Unternehmer Johann Wilhelm Bresges, der Grittern gekauft hatte, im Pferdesport verwurzelt war, dessen Nachkommen Besitzer des Gestüts Zoppenbroich bei Rheydt wurden, das viele Galopp-Derbysieger hervorbrachte.

Die Gritterner Rennwiesen wurden im Volksmund noch "Mönchsbenden" genannt, weil sie zuvor dem Kloster Hohenbusch bei Hetzerath gehört hatten. Auch die Polizeiverwaltung in Person des Doverener Bürgermeisters Carl Corsten gab eine Polizei-Verordnung am 30. August 1911 der Reminiszenz ans Kloster heraus, die Mobilitätsbeschränkungen um die "Wettrennen in den sog. Münchenbenden bei Doveren" verfügt. "Das Reiten in schnellen Gangarten" außerhalb der Rennbahn "ist strengstens verboten". "An allen Straßenstrecken [...] müssen die Wagenführer (auch Kraftfahrzeuge) die Bremsvorrichtung in Anwendung bringen", lauteten die Vorschriften. Die "Kraftfahrzeuge" waren 1911 offenbar noch die Ausnahme, rasende Reiter und Kutschen wohl der Normalfall. Die Doverener Reiterspiele wurden ordnungsgemäß von einem Verein ausgerichtet, dem Doverener Reiterverein, am 12. Juli 1880 gegründet, geleitet vom Gutsverwalter von Bresges-Grittern, Eduard Huppertz.

Beim letzten Pferderennen, dem "prunkvollsten", so Frank Körfer, am 29. August 1927 war einer der Programmpunkte ein Wettbewerb, bei dem die Reiter ohne Sattel und Rock aufstiegen, 200 Meter ritten, dort ihre Sättel und Röcke fanden, den Untersatz auflegten, sich bekleideten und die 200 Meter zurückjagten, der Schnellste gewann einen der üblichen opulenten Preise.

Die Vereinsgründung lenkte die Rennen in geordnete Bahnen, nachdem in den ersten Jahren eher spontan und ohne große Vorbereitungen galoppiert wurde. Das erste offizielle Rennen am 5. September 1880, ein Sonntag, erlebte schon eine Eintritts-Kasse, 50 Pfennige zahlten Nichtmitglieder, für die Tribüne eine Mark. Geboten wurde dafür ein Flachrennen über 3500 Meter, es winkten 200 Mark Prämie. Ein Trabwettbewerb war attraktiv durch den Siegpreis in Form eines englischen Sattels sowie Zaumzeug. 300 Mark standen für Pferd und Reiter bereit, die den 3500 Meter langen Parcours mit Hindernissen als erste beendeten, hat Frank Körfer ermittelt.

Die Rennbahn führte von der Chaussee (heute L 117) bis Gut Grittern, gebildet von Wiesen und Feldern, die im August/September abgeerntet waren, in den Hochzeiten fanden sich zur Freude der örtlichen Wirte tausende von Zuschauern ein, Privatleute vermieteten Zimmer. Unter den Mitgliedern des Vereins ein Graf von Bismarck, Freiherren und der Aachener Industrielle Henry Suermondt, bedeutender Pferdezüchter und Herrenreiter, was man heute mit Dressur bezeichnen könnte, auf eigenen Pferden. Zum bunten Treiben mit teils kuriosen Wettbewerben auf dem Mönchsgelände an Gut Grittern schrieb eine Zeitung am 20. Mai 1927: "Bei einem einigermaßen günstigen Wetter ist mit Rücksicht auf die sportlich hochstehende diesjährige Darbietung mit einem Massenbesuch zu rechnen." Dass es die letzte Darbietung war, ahnte das sich selbst als gut informiert sehende Blatt offensichtlich nicht.

Quelle: RP
 
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