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Hückelhoven
Sanft funkelnde Klang-Gespinste

Hückelhoven. Florian Noack - junges Ausnahmetalent am Flügel bei "con brio" in der Hückelhovener Aula. Von Angela Wilms-Adrians

Der Flügel in der Aula des Gymnasiums war im Auftrag der Stadt gerade erst überarbeitet worden und somit das Feld bestens bereitet für ein herrliches Klavierkonzert. Mit dem Belgier Florian Noack gastierte auf Einladung des Vereins "con brio - Freunde der Kammermusik" ein vielversprechender Pianist, der - noch jung an Jahren - mit Brillanz und großer musikalischer Reife in Staunen versetzte.

Der Spross einer Musikerfamilie wurde bereits mit zwölf Jahren in ein Ausbildungsprogramm für herausragend Begabte an der Chapelle Musicale Reine Elisabeth in Belgien aufgenommen. Für seine Debüt-CD erhielt der 1990 geborene Künstler den Nachwuchs-ECHO Klassik und wurde für einen International Classical Music Award nominiert. In Hückelhoven begeisterte er mit einer eigenen Transkription von Johann Sebastian Bachs Concerto für vier Cembalos in a-Moll BWV 1065 sowie Werken von Schumann, Brahms und dem russischen Komponisten Sergei Lyapunov.

In sein Spiel weiß Noack unendlich viele Klangfarben und Schattierungen bei nahezu selbstverständlich anmutender Virtuosität zu legen. Hier bewies er eine faszinierende Spielfreude, berührte mit großartiger Sensibilität und großem Können. Den Dank dafür nahm er aber in nobler Zurückhaltung an. Neben dem Flügel mag der Künstler offensichtlich kein Aufsehen um seine Person machen, sondern überlässt voll und ganz der Musik den Vortritt.

Im zeitlichen Brückenschlag vom Barock zur Moderne gestaltete Noack das Auftaktwerk wunderbar klar und hoch konzentriert als eindrucksvolles Beispiel seiner Klasse. Reiche Vielfalt bestimmte seine Interpretation von Robert Schumanns Sechs Intermezzi Opus 4. Der Pianist entlockte dem Instrument eine herrlich differenzierte Dynamik mit unendlich warm klingender Fülle, kristallin leuchtenden und sanft funkelnden Klang-Gespinsten und kraftvollen Kontrasten.

Zu Johannes Brahms' Acht Klavierstücken Opus 96 erkundete er im sensibel austarierten Spiel Zwischenreiche, die etwa im feinsten Pianissimo ätherisch entrückt schienen. Kapriziös und wie jeder Schwerkraft enthoben nahmen die komplex verwobenen Staccati des Capriccio h-Moll zum Beispiel unter seinen Händen tausendfache Nuancen an.

Für das Programmende hatte der Interpret drei Etüden aus Sergei Lyapunovs fast vergessenem Werk ausgewählt. Das Programm verriet, dass der 1924 verstorbene Komponist 12 Etudes d'Exécution transcendentale als große Hommage an Liszt schrieb. Auch hier meisterte der Interpret die spieltechnischen Herausforderungen mit Bravour und schenkte in der unglaublich filigranen und feinsinnigen Ausgestaltung der "Berceuse" (Wiegenlied) prickelndes Gänsehautgefühl.

Noack zauberte Klangbilder, die überirdisch anmutende Lichter über poetisch sanften Nuancen funkeln ließen. Wunderbar quirlig kontrastierte er damit die Etüde "Ronde des fantomes" (Geisterreigen). Mit dem "Tempete" sollte das Programm stürmisch enden. Doch mit anhaltendem Beifall sicherten sich die Musikfreunde zwei grandiose Zugaben.

Quelle: RP
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