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Hückelhoven
Sternwarte im Nebel versunken

Hückelhoven. Neblig und trüb ist es, als sich die Astro-AG des Gymnasiums Hückelhoven versammelt hat, um dem spektakulären Ereignis beizuwohnen, dem man schon seit Wochen erwartungsvoll entgegensieht: der Sonnenfinsternis. Von Judith Rixen

Eine schmale Wendeltreppe führt vom darunterliegenden Gebäude in die Sternwarte. Robert Lebek, der die Astro-AG gemeinsam mit Wilfried Reiners ehrenamtlich leitet, öffnet die Kuppel und richtet den entstandenen Spalt gegen die Sonne. Doch die ist vom Nebel verdeckt. Weiter unten warten die aufgeregten Schüler, unter ihnen auch die Fünftklässlerin Moa Storms (10). Sie weiß genau, was am Himmel geschehen soll, und warum: "Die Erde umkreist die Sonne und der Mond die Erde. Wenn Sonne und Mond auf einer Linie stehen, wirft der Mond seinen Schatten auf die Sonne. Heute liegt der Schatten bei ungefähr 80 Prozent." Fisnik Zejnullahu (15), erklärt, dass es sich daher nur um eine partielle Sonnenfinsternis handelt, "die nächste vollständige ist erst 2081".

Zwar ist die AG mit 25 Schutzbrillen und vier Teleskopen gut ausgerüstet, doch zeigen will sich die Sonne einfach nicht. Eine große Enttäuschung für die AG: Bereits bei der letzten totalen Sonnenfinsternis 1999 fuhr sie nach Süddeutschland, um die bestmögliche Sicht zu haben, und wurde dort von einem Wolkenbruch überrascht, der erst endete, als die Sonnenfinsternis vorüber war. "Wir haben nichts gesehen", bedauert Lebek.

"Mit dem Cassegrain-Teleskop können wir die Mondoberfläche, Planeten und sogar ferne Galaxien sichtbar machen - wenn keine Wolken da sind", sagt Lebek. So muss dann doch zu anderen technischen Mitteln gegriffen werden, per Live-Stream aus Bayern kann man das Ereignis zumindest am Computer verfolgen. Dennoch stehen die Schülergruppen Schlange, um das Observatorium zu besichtigen. Lebek erläutert derweil das Geschehen: "Der erste Kontakt war etwa um 9.30 Uhr. Der Mond schiebt sich langsam vor, bis um 10.30 Uhr Vollkontakt besteht, danach baut das bis etwa 12 Uhr wieder ab." Zum Zeitpunkt der größten Überschneidung wirkt die Sonne in der Übertragung wie eine blasse Mondsichel.

Dennoch: "Bei 80-prozentiger Überdeckung wird es nicht dunkel, die Sonne ist zu stark", sagt Lebek. Immerhin bietet die Akustik der Kuppel ein physikalisches Erlebnis anderer Art, das die Schüler begeistert austesten: Wer exakt in der Mitte steht, hört die eigene Stimme von allen Seiten reflektiert. "Auch die Sternwarte zu besichtigen, ist für viele Schüler ein Erlebnis", sagt Ganztagskoordinatorin Birgit Fluhr-Leithoff. Schließlich lohnt sich das lange Warten aber doch: Gegen 11.30 Uhr gelingt es den AG-Mitgliedern noch, durch die Wolken ein paar Blicke auf die verdunkelte Sonne zu erhaschen. Schutzbrillen sind dazu jedoch nicht vonnöten, und auch Fotos gelingen nicht. Bis zur nächsten Gelegenheit muss man sich laut Reiners allerdings gedulden: "Die nächste partielle Sonnenfinsternis ist erst in sieben Jahren".

Quelle: RP
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