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Hückelhoven
Tänzerische Erotik im Alten Rathaus

Hückelhoven: Tänzerische Erotik im Alten Rathaus
Kunsthistorikerin Christine Vogt bei der Ausstellungseröffnung im Gespräch mit dem Canthe-Vorsitzenden Helmut Neußer. FOTO: Renate Resch
Hückelhoven. Eine Kurzausstellung von Canthe zeigte Grafik des Expressionismus. Thema: "Tanz - Akt & Erotik". Von Willi Spichartz

"Herr Neußer, Sie haben eine schöne Auswahl getroffen!" Mit diesem Schlusssatz beendete die Kunsthistorikerin Dr. Christine Vogt ihre Einführung in die jüngste Ausstellung des Kunstvereins Canthe - per Beifall stimmten die gut 60 Interessenten der bekannten Expertin zu. Die Werke zum Thema "Tanz - Akt & Erotik" hatte der Canthe-Vorsitzende ausgesucht - Grafik des Expressionismus vom Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte der Verein im Alten Rathaus Ratheim.

Helmut Neußer riss in seiner Begrüßung das gesellschaftliche Umfeld an, das die Ausstellung in einer Zeitreise 100 Jahre zurückverfolgte, dem wilhelminischen Kaiserreich, das wirtschaftlich äußerst erfolgreich war, gleichzeitig dominiert wurde vom Militarismus und Großbürgertum. Dem widersetzten sich Künstler wie die Expressionisten der Gruppe "Brücke" in Lebensstil wie in der Kunst. Vogt, nach ihrer Tätigkeit im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum seit 2008 Chefin der Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen, erläuterte die 20 Werke von Ernst-Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Christian Rohlfs, Georg Tappert, Otto Müller, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Emil Nolde und Egon Schiele, die teils als Mitglieder der Dresdener Künstlergruppe "Brücke" ab 1905 als Wegbereiter des Expressionismus bis dahin nicht gekannte Ausdrucksformen von Erotik in die Kunst brachten. Geleitet von der Hinwendung zu Natur und Natürlichkeit, Tänzerinnen und Tänzer als Motive wählend, die schon in ihrem Genre die Körperlichkeit sind, und die die Erotik nackt unverstellt auszudrücken in der Lage waren. Oft in Holzschnitt, Lithografie oder Radierung. Die Kunsthistorikerin zeichnete die Experimente der Expressionisten auf ihrem Weg weg von den gesellschaftlichen Konventionen nach. Entsprechende Themen bieten Varieté, Cabarét oder Zirkus.

Den Künstlern sei es um ein anderes Menschenbild gegangen, dem durch teils experimentelle Techniken Ausdruck gegeben werden sollte. Badende, Tanzende, Ruhende in der Natur - in feinen und drastischen Darstellungen setzten sie ihre Themen ins Bild. Nicht zufällig erinnern Werke an Ausdrucksformen von Völkern aus dem pazifischen Inselraum. Natürlichkeit, Nacktheit verdichten sich zur Erotik-Exotik, wie sie im erstarrten Militarismus und formellen Großbürgerturm als beherrschenden Gesellschaftsschichten nicht gekannt wurde. Kunst als Wegbereiterin auch der gesellschaftlichen Moderne.

Quelle: RP
 
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