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Hückelhoven
Thema Heimat "stark rübergebracht"

Hückelhoven: Thema Heimat "stark rübergebracht"
Mit unterschiedlichen Interpretationen setzten 15 Künstlerinnen und Künstler das Thema "Heem und Heimat" um. Das Bild links ist von Theo Heinen, die Plastik ein Werk von Michael Borgulat. FOTO: JÜRGEN LAASER
Hückelhoven. Eine Ausstellung von Canthe-Künstlern und Gästen unterstrich die Beziehung zur Kreissparkasse Heinsberg. Von Willi Spichartz

"Als wir die Stiftung 'zur Förderung der internationalen Gesinnung, des Völkerverständigungsgedankens und der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur im Kreis' vor 25 Jahren ins Leben gerufen haben, hatten wir nichts als Geld, fünf Millionen D-Mark", erinnerte Dr. Richard Nouvertné bei der Vernissage im Alten Rathaus in Ratheim. "Darum haben wir auf bewährte Strukturen zurückgegriffen - dazu gehört der Kunstverein 'Canthe'". Die Eröffnung der eigens zum Jubiläum zusammengestellten Kunst-Ausstellung "Heem - Daheim, zu Hause" nutzte das Kreissparkassen-Vorstandsmitglied, um auf 25 Jahre fruchtbare Zusammenarbeit hinzuweisen, die auch mit dieser Ausstellung von elf Canthe- und vier niederländischen Künstlern aus Bingelrade bei Sittard bestätigt werde.

Malerei, Fotografien, Objekte und Installationen füllen in breiter Vielfalt Foyer und Räume des Alten Rathauses am Ratheimer Markt, in denen Canthe-Vorsitzender Dr. Hans Latour rund 60 an Kunst und "Begegnungen", an "Heem und Heimat" - so der Titel der Ausstellung - Interessierte begrüßen konnte, in Deutsch und Niederländisch. Gerade Kunst und Musik hätten, so Dr. Latour, immer schon Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammengeführt. Er begrüßte damit Professor Hubert Minkenberg, der mit Saxophon, Klarinette und einem "Looper", einem elektronischen Aufnahme- und Wiedergabegerät, sich live selbst begleitete. Begleitet von Sohn Jakob mit einem "Cajon", einem lateinamerikanischen Schlaginstrument.

Der Aachener Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke, in Hückelhoven kein Unbekannter, führte mit der Frage nach der Betrachtung von Heimat fachlich in die Ausstellung ein. Die zumindest geografisch extremste Form des Heimkommens hätten die Astronauten zu bieten, sie kehrten auf die Erdkugel als Heimat zurück. Er bescheinigte allen Künstlerinnen und Künstlern, das gestellte Thema "stark rübergebracht zu haben", mit teils gegensätzlichen Intentionen; ein Sofa mit Menschen in den Wolken stehe für "Home, sweet Home" (Heim, süßes Heim), Zeichnungen zum derzeitigen Abriss einer historischen Zechensiedlung in Hückelhoven und des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler stünden für den Verlust der Heimat.

Einem aus knorrigem Altholz geschaffenen Vogel Strauß bescheinigte Dr. Tölke, Geborgenheit zu beziehen aus der dem Vogel zugesprochenen Taktik, den Kopf in den Sand zu stecken. Aus der Heimat bezöge man Geborgenheit, insofern sei auch ein Sonnenuntergang Heimat, auch ein knackiger Winter beschreibe das Gefühl von Heimat und Geborgenheit gegenüber anderen Weltregionen. Sogar ein Foto eines Obdachlosen unter einer Bingener Brücke mit Polstermöbeln und farblich passendem Graffiti vermittle einen Geborgenheitsbegriff.

"My Home is my Castle", die englische These, (mein Heim ist meine Burg) ausgedrückt durch ein Carrée von Mauersteinen, lasse die Heimat/das Heim als Festung erscheinen. Wie die Festung Europa gegen die zahlreichen Flüchtlinge.

Quelle: RP
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