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Hückelhoven
Tommy Engel, der kölsche Tausendsassa

Hückelhoven: Tommy Engel, der kölsche Tausendsassa
Tommy Engel (Mitte) konnte sich in der Aula erneut auf eine erstklassige Band verlassen - so auf Schlagzeuger Alex Vesper und Gitarrist Pit Hupperten (l.), der sogar eine sehr ausdrucksstarke und witzige Solonummer kredenzte. FOTO: JÜRGEN LAASER
Hückelhoven. Wiedersehen macht Freude - zumindest mit Tommy Engel. Zum zweiten Mal nach 2013 brillierte die kölsche Institution in der Aula, sang Lieder aus über vier Jahrzehnten mit viel Witz, Tiefgang, Herz und Gefühl - darunter fünf Fööss-Songs. Von Mario Emonds

Es ist schlichtweg unmöglich, mit nur einem oder zwei Begriffen den Künstler Tommy Engel zu erklären - dafür agiert der 66-Jährige auf der Bühne viel zu facettenreich. Sänger, früherer Frontman der Bläck Fööss - das fällt wohl jedem als Erstes zu diesem kölschen Urgestein ein. Doch Engel ist noch viel mehr - definitiv auch Geschichtenerzähler, Schauspieler, Clown, Parodist, Menschenfänger und kölscher Muttersprachapostel.

Von all dem durften sich nun auch wieder rund 500 Besucher in der Aula überzeugen. Dort gastierte Engel mit seiner fantastischen Band zum zweiten Mal. Und nimmt man seinen Open-Air-Auftritt beim Cityfest 2014 dazu, so war er binnen drei Jahren nun zum dritten Mal in Hückelhoven. Engel ist dort mittlerweile also ein guter Bekannter.

Was auch umgekehrt gilt. So begrüßt er den im Publikum sitzenden Bürgermeister Bernd Jansen und plaudert dabei aus dem Nähkästchen: "Die Bürgermeister, die ich sonst so kenne, fragen im Vorfeld eines Auftritts gerne bei meiner Agentur an, ob sie dafür nicht fünf, sechs Freikarten haben könnten. Euer Bürgermeister dagegen hat für heute Abend 20 Karten gekauft."

Danach begibt sich Engel auf Zeitreise durch sein mittlerweile schon gut 45 Jahre währendes musikalisches Schaffen. Wie beim Auftritt 2013 sind darunter fünf Fööss-Songs: zum einen die nur selten gespielte Songperle "Pötze Hein", zum anderen die Klassiker "Ming eetste Fründin", "Katrin", "En unserem Veedel" und "Drink doch ene met". Letzteren freilich in anderem Gewand, arrangiert als Reggae, wozu Engel den Zulu-Tanzbären mimt - eine gelungene Selbstverulkung.

Überhaupt nimmt sich Engel selbst nicht zu ernst. Man spürt, dass da auf der Bühne ein tiefenentspannter Mann steht, der mit sich selbst völlig im Reinen ist, niemandem mehr etwas beweisen muss und einfach Freude an seinem Tun hat - nicht nur bei den Songs selbst, sondern auch beim Dialog mit Band und Publikum. Wie er da so leutselig schwadroniert (freilich fernab von jeglicher "Humba, humba, täterä"-Attitüde) und speziell vom Alltag und Sorgen einfacher Leute mit viel Wärme und Einfühlungsvermögen erzählt, da flutet sehr viel Herzlichkeit durch die Aula, vermittelt Engel ein tiefes Gefühl der Geborgenheit - das bekommen nicht viele Künstler so authentisch hin.

Dieses Gefühl bringt Engel natürlich erst recht in seinen Liedern rüber. Einige davon hat "Bandchef" Jürgen Fritz geschrieben. So "Du bes Kölle", bei dem Engel und Band zu absoluter Hochform auflaufen - zweifellos ein Höhepunkt des an Glanzlichtern ohnehin reichen gut zweieinhalbstündigen Konzerts. Dazu zählen auch Songs aus seiner LSE-Zeit - so "Leck ens am Arsch", zu dem Engel süffisant anmerkt: "Das lässt sich gut singen, was?"

Ebenso launig bezeichnet er den großen Jupp Schmitz, einen seiner Vorbilder, als "joot bestusst", während er - mundarttechnisch - die nachrückende Generation Kölsch singender Bands skeptisch beurteilt: "Die singen zwar Kölsch, können es aber nicht mehr sprechen."

Paradoxerweise hält sich Engel damit aber auch selbst ein wenig zurück. Was ihm in der Pause einen kleinen Rüffel eines aus Köln angereisten Besuchers einbringt: "Tommy Engel ist klasse - aber warum redet der heute so viel Hochdeutsch?" Ansonsten gilt uneingeschränkt: ein großer Abend.

Quelle: RP
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