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Hückelhoven
Triste Stimmung in der Barbara-Kirche

Hückelhoven. Das Ende für St. Barbara hat der Diözesanrat des Bistums Aachen beschlossen. Ein letztes "Glückauf" bei der sonntäglichen Festmesse zu Ehren der Pfarrpatronin. Für den Sommer ist der Entwidmungs-Gottesdienst geplant. Von Willi Spichartz

Die Taschentücher blieben noch trocken, die werden voraussichtlich im Juni/Juli gebraucht, denn für diesen Zeitraum etwa wird der Schlussgottesdienst zur Entwidmung der Barbara-Kirche, weithin auf dem Wadenberg sichtbar, angesetzt werden. Ein Gefühl dafür kam aber schon am gestrigen Morgen beim letzten Festgottesdienst zu Ehren der Pfarrpatronin St. Barbara auf. In einer Predigt ging Markus Netten, Leiter der Wortgottesdienste, auch sehr persönlich auf die Kirche und ihre Geschichte, auf seine Geschichte mit der Kirche ein, die bald nur noch Geschichte sein wird.

Heinz-Jürgen Knubben vom Pfarreirat der Gemeinde St. Lambertus und Barbara hatte die Begrüßung zum Patrozinium, an dem auch Bürgermeister Bernd Jansen teilnahm, mit dem Glückauf-Gruß vorgenommen, das auch der letzte in der vor 82 Jahren, Heiligabend 1933, festlich geweihten Pfarrkirche sein wird. Heinz-Jürgen Knubben legte dar, dass das Ende für St. Barbara vom Diözesanrat des Bistums Aachen beschlossen worden sei.

Mess-Zelebrant Pater Anton Steinberger, assistiert durch Diakon Manfred Kappertz, freute sich eingangs über die starke Beteiligung am Gottesdienst, besonders über die musikalische Gestaltung durch die Bergkapelle Sophia-Jacoba mit Dirigent Rolf Deckers, den Knappenverein St. Barbara Hilfarth-Hückelhoven und die Schützenbruderschaft, die mit ihren Bergkitteln und Uniformen Akzente setzten. Dazu auch der Kirchenchor unter Leitung von Georg Pusch. Markus Netten bekannte, dass ihn wie auch viele der Gemeindemitglieder von St. Barbara nicht viele "frohe Gedanken" in die Adventszeit, die Zeit des Wartens auf den Heiligen Abend begleiteten. Man habe den Schließungsentscheid nicht nachvollziehen können. Seit 1974 engagiere er sich im Ehrenamt in der Barbarapfarre, er habe wohl so viel Zeit in der weißen Kirche auf dem Wadenberg verbracht wie kaum jemand sonst.

Netten erinnerte an die "Wirtschaftsflüchtlinge", die vor mehr als 80, 90 Jahren nach Hückelhoven in die Bergmanns-Siedlungen gekommen waren und von den Dörflern als "Kolonisten" geschmäht worden seien. Die Barbara-Gemeinde bekomme durch die Schließungsbeschlüsse ihre kirchliche Heimat genommen, in ihr herrsche eine Stimmung wie um den Schließungsbeschluss für die Zeche Sophia-Jacoba im November 1991 - regelrechte Depression.

Markus Netten ließ keinen Zweifel daran, dass der Zusammenlegungsprozess der beiden Einzelpfarren ein schwieriger sei - man könne aber eine Geschichtsentwicklung nicht stoppen, von daher rief er die "Dorfgemeinde" St. Lambertus dazu auf, "uns ihre Türen und Herzen zu öffnen". Anhaltender Beifall zeigte, dass er den Nerv der Gemeinde getroffen hatte.

Quelle: RP
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