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Hückelhoven
Über die Arbeit im All - ein Astronaut erzählt

Hückelhoven: Über die Arbeit im All - ein Astronaut erzählt
Die Aufnahme der NASA (oben) zeigt die Astronauten-Crew bei Arbeiten in der US-Raumfähre "Columbia"; im Vordergrund der deutsche Wissenschaftsastronaut Ulf Merbold. Die "Columbia" brachte am 28. November 1983 das europäische Weltraumlabor "Spacelab" zum ersten Mal in den Weltraum. Jetzt konnte Merbold in Hückelhoven von Bürgermeister Bernd Jansen begrüßt werden. FOTO: dpa/RP-Foto: Laaser
Hückelhoven. Der erste westdeutsche Astronaut, Dr. Ulf Merbold, erklärte in Hückelhoven, warum er im All erkannt hat, dass Menschen sich keine Kriege oder Umweltverschmutzung leisten können. Von Willi Spichartz

Ein Hückelhovener auf dem Mars? Utopie? In jedem Fall aber holte sich ein Hückelhovener Abiturient jetzt beim Unternehmertreffen der Stadt Hückelhoven Informationen aus allererster Hand für den Weg dorthin: Nach einem äußerst informativen Vortrag gab Dr. Ulf Merbold, der erste westdeutsche Astronaut, dem jungen Mann Tipps für den Ausbildungsweg dorthin.

"Luft- und Raumfahrt ist sicher gut, Physik oder Informatik bieten aber auch gute Grundlagen", nahm der Abiturient, der sich bereits bei allen einschlägigen Hochschulen nach Studiengängen erkundigt hatte, mit.

Es ist allerdings ein sehr langer Weg bis zum noch längeren Weg zum Mars, wie der promovierte Physiker Ulf Merbold in seinem mehr als einstündigen Vortrag und einer anschließenden Fragerunde vor den gut 300 ortsansässigen Unternehmern kurzweilig erkennen ließ.

Bürgermeister Bernd Jansen hatte die Interessenten in der gymnasialen Aula begrüßt, wo das Wirtschaftsförderungsamt zum "Get-together" nach dem Vortrag einen Imbiss und Getränke vorbereitet hatte, bei dem der äußerst umgängliche, schwäbelnde Wahl-Stuttgarter, 1941 in Thüringen geboren, den Besuchern zu weiteren Fragen zur Verfügung stand.

"Wissenschaft im Weltraum und die Sicht von oben" war der Vortrag benannt, dem der Wissenschaftler dann auch voll gerecht wurde, dabei den Alltag eines Astronauten in auch humorigen Schlenkern schilderte. Dass beispielsweise die Raumanzüge noch unbequemer sind, als sie schon aussehen, dabei noch quietschen. "Meine Kollegen und ich haben vor der ersten US-Mission gedacht 'wenn die gesamte Technik wie die der Raumanzüge ist...'!" Den Kopf konnte man auch in den russischen Raumanzügen nicht drehen, Merbold erzählte in Hückelhoven launig: "Wenn man die bildhübsche Kollegin Jelena Kondakowa betrachten wollte, hat das jeder mitbekommen, weil man sich ganz zu ihr drehen musste."

Überhaupt die Technik: "Die Amis haben überall fünf Computer, nötig ist nur einer. Haben die kein Vertrauen in die eigene Software?" Spaßig ein kleiner Teil seiner russischen "Sojus"-Mission 1994: Ohne jegliche Rücksicht auf Hygiene-Quarantäne bespritzte ein orthodoxer Pope die Astronauten vor dem Start mit Weihwasser.

Ulf Merbold stellte die wissenschaftlichen Gewinne der Raumfahrt heraus, die sich auch auszahlten. Die Apollo-Mission habe beispielsweise die Mikro-Chips für die Elektronik hervorgebracht, mit denen habe die US-Finanzbehörde dreimal mehr Steuern akquirieren können als die Apollo-Mission gekostet hat.

Die Sicht von oben: Wunderschön sei die Erde aus dem All gesehen, die Nord- und Südlichter wirkten zauberhaft, die Sterne funkelten im dunklen All nicht, sie strahlten ganz direkt. Irdische Landschaften zeigten sich wie ein aufgeschlagenes Buch, Grenzen zwischen Staaten sehe man nicht, außer der ehemaligen deutsch-deutschen: "Die Felder in der ehemaligen DDR sind viel größer als die in der früheren Bundesrepublik."

Existenziell wichtig: "Aus dem All sieht man die Erde als Raumschiff in einer lebensfeindlichen Umwelt, das man nicht verlassen kann. Gerade darum können wir Menschen uns keine Kriege und keine Umweltverschmutzung leisten!"

Quelle: RP
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