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Hückelhoven
Unruhe wegen Flüchtlings-Haus und "Problem-Jugendlichen"

Hückelhoven: Unruhe wegen Flüchtlings-Haus und "Problem-Jugendlichen"
Gottfried Küppers, Geschäftsführer des Caritasverbandes. FOTO: ewl (Archiv)
Hückelhoven. Rund 60 Hilfarther kamen zur Bauausschusssitzung. Lebhaft diskutiert wurde vor der Tür - eine ungeplante "Bürgerversammlung". Investorplan vom Tisch. Von Gabi Laue

"Flüchtlingshäuser in Brachelen und Hilfarth" lautete eine Überschrift am 12. Dezember in der RP. Im Hauptausschuss war mitgeteilt worden, ein Investor wolle auf dem Grundstück Korbmacherstraße 9 ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohneinheiten bauen. Das sorgte für erheblichen Unmut bei Anwohnern. Zweite Sorge: Die Caritas plant an der Gerbergasse ein Haus für eine betreute Wohngruppe Jugendlicher. Das seien "schwer Erziehbare", so die Nachbarschaft, die will man ebenfalls nicht vor der Tür.

Heinz-Josef Kreutzer, CDU-Fraktionsvorsitzender. FOTO: JL (Archiv)

Rund 60 Hilfarther aus dem Wohngebiet Kapbusch erschienen Dienstagabend zur Bauausschusssitzung. Doch gleich zu Beginn setzte der Ausschuss das Thema von der Tagesordnung ab. CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz-Josef Kreutzer machte vor den Türen des Ratssaals den Anwohnern klar: Das Thema Mehrfamilienhaus für Flüchtlinge auf dem Eckgrundstück Korbmacher-/Weberstraße ist - zumindest für diesen Standort - erledigt.

Proteste waren bis zur Verwaltung gedrungen, wo der Bauantrag auf dem Tisch lag. Der Privatinvestor wollte zehn 45 bis 62 Quadratmeter große Wohnungen errichten, wovon die Stadt, die immer mehr Flüchtlinge unterbringen muss, zunächst angetan war. Zulässig wäre in einem Baufenster von 16 Metern eine zweigeschossige Bauweise, aber mit maximal zwei Wohneinheiten pro Grundstück. Weil der Investor zweieinhalbgeschossig und mehr Wohnungen bauen wollte, hätte das Vorhaben von den textlichen Festsetzungen im Bebauungsplan befreit werden müssen. Das aber ist jetzt vom Tisch. "Nachdem die Unruhe übers Wochenende gewachsen ist, hat die Verwaltungskonferenz am Montagmorgen vorgeschlagen, das Thema im Bauausschuss abzusetzen", erklärte Stadtsprecher Holger Loogen.

Heinz-Josef Kreutzer und Thomas Schnelle hatten sich den vielen Bürgern, die unverrichteter Dinge aus der Sitzung abzogen, als Gesprächspartner zur Verfügung gestellt. Die Anwohner argumentierten teils sachlich, teils emotional. Wobei einige deutlich sicht- oder hörbar selbst keine Wurzeln im Umland der Rur haben. Zehn Flüchtlingsfamilien vor der Tür? "Wir haben in unsere Grundstücke viel Geld investiert", klagte ein Eigentümer. Kreutzer stimmte Bedenken zu. "Das würde eine Konzentration bringen, die wir nicht wollen. Uns hat auch der Plan nicht überzeugt. Das findet politisch keine Unterstützung", stellte er klar. Schnelle wies auf die Situation der Stadt: "Bei so vielen Flüchtlingen suchen wir händeringend Wohnraum." Der Kleingladbacher betonte, dass die Nachbarn in seinem Ort keine Probleme mit Flüchtlingen haben. Das Kapbusch-Viertel kann sich beruhigen: "Uns liegen der soziale Frieden und Ihre Wohnqualität am Herzen", versicherte Kreutzer, mahnte aber: "Die Einstellung: Unterbringen müssen wir die Flüchtlinge, aber nicht bei uns - so geht es nicht."

Gottfried Küppers, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, erklärte auf Anfrage, die Außenwohngruppe an der Weimarer Straße brauche ein Haus mit besserem Zuschnitt. Das solle in Hilfarth entstehen. Geplant sei ein Umzug. "Es handelt sich um eine Gruppe mit neun Jugendlichen", erklärte er und unterstrich: "Das sind nicht die Einfachsten, aber auch keine Kriminellen."

Quelle: RP
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