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Hückelhoven
"Viel versunkene Heimatgeschichte" noch zu erahnen

Kaiser Karl V. erhob Johann von Blumenthal in den Adelsstand. Die Grabplatte von dessen Sohn Wilhelm ist in der Brachelener Kirche.

Ob die vielen Besucher des Heimatfestes am Sonntag sich wohl vorgestellt haben, dass - wie es in einer Chronik heißt - "hier einmal Ritter geschritten sind, vor Hunderten Jahren Speer und Schild geklungen haben"? Ob sie ahnten, "wie viel untergegangene Romantik, wie viel versunkene Heimatgeschichte hier ruht"? Von allen Burgen in Brachelen habe wohl die ehemalige Wasserburg Blumenthal die meisten Reste aus alter Zeit hinübergerettet in die Neuzeit.

Aus der Ritterburg überlebt haben drei Inschriften über den Kellereingängen: "SERE EST IN FUNDO PARSIMONIA" oder "LA VITA IL FINE: IL DI LODA LA SERA" (Den guten Tag: erst am Abend loben). Das Ehewappen derer von Gruithuisen krönt das Portal mit der Jahreszahl 1658. Ein geräumiger Flur führt zur Treppe des Saalbaus, eine stattliche Eichentür rechts in den Rittersaal. Ein Hirschgeweih wird einem im 17. Jahrhundert im Kappbusch erlegten Tier zugeschrieben.

In den Anfängen des Ritteranwesens, wie es sich heute darstellt, zählte Brachelen 173 Haushaltungen (1602). Die adligen Besitzer hielten Bauerngericht. Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft in Brachelen bestand schon anno 1580, den Schützen oblag die Aufgabe, Dorf und Kirche zu beschützen. Im Kappbusch, rund 2000 Morgen groß und noch von Bär und Wolf bewohnt, bestimmte das Waldgericht jährlich über die Holzzuteilung für die Berechtigten. 1583 nahmen an dem Geding 24 Personen teil, darunter finden sich die Namen Dietrich von Horrig und Wilhelm von Blumenthal. Blickt man in die Chroniken jener unruhigen Zeit, stellt man sich das Leben der Menschen im 16. und 17. Jahrhundert in düsterer Atmosphäre vor, geschunden durch Kriegsvolk- und Truppendurchzüge: in den Jahren von 1583 bis 1589 durch den truchsessischen Krieg, 1609 bis 1624 im Erbfolgestreit, 1618 bis '48 im 30-jährigen Krieg. Vagabundierende Finsterlinge raubten, brandschatzten, mordeten. Am 20. September 1678 setzten Franzosen 132 Häuser, 88 Scheunen und andere Gebäude in Brand.

Johann von Blumenthal kaufte um 1545 herum die Burg zu Brachelen von den Herren von Gonthelen. Johann und sein Bruder Hubert wurden 1543 von Kaiser Karl V. in den Adelsstand erhoben, ihnen wurden die Blumenthaler Wappen überreicht. Sie und ihre ehelichen Nachkommen durften nunmehr ritterliche Ämter bekleiden und Recht sprechen. Johann stand beim Herzog Wilhelm von Jülich in hohem Ansehen. Er ernannte ihn zum Amtmann von Sülsdorf und Wassenberg, als herzoglicher Rat war er zum Reichstag nach Worms entsandt. Er starb auf dem Hof Pempelfort bei Düsseldorf und fand dort sein Grab in der Kirche der Kreuzbrüder. Wilhelm von Blumenthal, Johanns 1547 geborener ältester Sohn, erbte die Burg. Durch Heirat seiner Tochter Elisabeth mit Arndt (Arnold) von den Gruithuisen zu Anfang des 17. Jahrhunderts kam das Haus Blumenthal an die Herren von den Gruithuisen aus den Niederlanden. Wilhelm starb 1605, seine Grabplatte hängt in der Kirche zu Brachelen. Drei Jahrhunderte später sind die Adelsgeschlechter wohl ausgestorben.

Quellen: "Brachelen, ein uralter Ort"; www.pkbrachelen.de/brachelen-geschichte/historische-berichte-brachelen; Heinz-Peter Schiffer: Chronik von 2002.

(gala)
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