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Hückelhoven
Vier versteckten sich vor Evakuierung

Hückelhoven: Vier versteckten sich vor Evakuierung
Kleine Aufstütz- und Pfeifenpause: Bergmänner 1942 beim Bunkerbau in der Sandböschung am Hückelhovener Wadenberg. Heute steht dort das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt.
Hückelhoven. RP-Serie: 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs (Teil 10): In den letzten Kriegsmonaten wurde die Hückelhovener Verwaltung nach Rath-Anhoven evakuiert. Am 15. März 1945 verlegte die Bürgermeister den Sitz nach Ratheim. Von Willi Spichartz

Im September 1939 lebten im Gemeindegebiet Hückelhoven 13 797 Einwohner. Am 25. Januar 1945 befanden sich nach der endgültigen Kriegs-Evakuierung durch das Naziregime noch 53 Zivilpersonen in der Gemeinde, darunter die elfköpfige Notbelegschaft der Zeche Sophia-Jacoba, die sich selbst "Himmelfahrtskommando" nannte und die Kraftwirtschaft des Unternehmens zum Abpumpen des untertägigen Grundwassers in Gang hielt. Am 26. Februar, als die Amerikaner Hückelhoven einnahmen, sollten auch die 53 die Gemeinde verlassen. Vier davon versteckten sich und harrten aus bis zur Ankunft der ersten Rückkehrer - und das war am 5. März 1945.

38 Personen registrierte die Gemeindeverwaltung für diesen Tag, wie der frühere Verwaltungsmitarbeiter Engelbert Kramer notierte. Darunter der katholische Ratheimer Pfarrverwalter Arnold Walbert, den die amerikanischen Besatzungsbehörden zum Bürgermeister der Großgemeinde ernannten.

Das Rathaus befand sich seit der Neugliederung zum 1. Oktober 1935 im Hückelhovener Bürgerhof, einem bis heute existierenden, dreieinhalbgeschossigen Ziegelbau am Kreisel Parkhof-/Martin-Luther-Straße, den die Zeche Sophia-Jacoba zur Verfügung gestellt hatte. Das Bergwerksunternehmen hatte kräftig daran mitgearbeitet, dass 1935 Hückelhoven und nicht das sich selbst berechtigter und chancenreicher sehende Ratheim Hauptort der Gemeinde wurde. Im Bürgerhof arbeiteten die 40 Beamten und Angestellten von Verwaltung und Polizei. In den letzten Kriegsmonaten wurde die Verwaltung nach Rath-Anhoven evakuiert, wobei die meisten Mitarbeiter inzwischen zum Kriegsdienst eingezogen worden waren. Der Saal Hermanns war das Ausweichquartier für den Hückelhovener Bürgermeister mit fünf Mitarbeitern, die Passierscheine für aus der Evakuierung eintreffende Hückelhovener auszustellen hatten, die Habseligkeiten holen und zurückfahren wollten. Weitere Aufgabe des letzten Verwaltungsaufgebots war die Umsteuerung der für Hückelhoven bestimmten Post zu den Einwohnern in ihren Evakuierungsorten. Die für die Verwaltung selbst eingehende Post, so schreibt Engelbert Kramer, beschränkte sich auf den Nachrichtenaustausch für Evakuierte und Militärangehörige. An der heutigen B 57 wies zwischen Rheindahlen und Rath-Anhoven ein großes Schild auf das Ausweichquartier der Hückelhovener Verwaltung hin. Neben Rath-Anhoven lagerten Akten der Hückelhovener Verwaltung auch in Zons am Rhein, in der Erkelenzer Landwirtschaftsschule und in der Feste Ehrenbreitstein in Koblenz.

Am 15. März 1945 verlegte Bürgermeister Arnold Walbert die Verwaltung von Hückelhoven nach Ratheim ins Alte Rathaus. Engelbert Kramer merkt an: "Das Hückelhovener Verwaltungsgebäude war teilweise zerstört, aber noch so weit in Ordnung, dass verhältnismäßig wenige Instandsetzungsarbeiten die Fortführung der Verwaltungsgeschäfte in Hückelhoven möglich gemacht hätten." Kramer deutete damit an, dass Walberts Verlege-Aktion der (erste) Versuch war, Ratheim doch noch zum Sitz der Verwaltung und zum Hauptort der Gemeinde zu machen. Allererste Sorge war allerdings die Nahrungsbeschaffung für die zurückströmenden Hückelhovener, von denen rund 1800 in der relativen Nähe der Bergbau-Großgemeinde geblieben waren.

Quelle: RP
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