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Hückelhoven
Vierkanthöfe hielten Räuberbanden nicht ab

Hückelhoven: Vierkanthöfe hielten Räuberbanden nicht ab
Die evangelische Kirche von 1688 blieb vom Brand verschont, da sie etwas abseits lag und aus Stein gebaut war. FOTO: Archiv
Hückelhoven. Vermeintlich sichere Bauten der neuen Haagstraße wurden von der berüchtigten Meerssener Bande überfallen.

Die fränkische Vierkant-Bauweise sollte auch Räuber von den Höfen fernhalten. Zumindest im Fall der Haagstraße gelang das aber nicht ganz, denn in der Nacht vom 29. zum 30. August 1796 kam die zu der Zeit berüchtigt-berühmte "Meerssener Räuberbande" zum Anwesen Blancke - von vorn. Mit 40 Mann, teils beritten, stürmte die Bande, benannt nach einem Örtchen bei Maastricht, ins Dorf, schüchterte die Nachtwächter ein, verstopfte die Türschlösser zum Kirchturm, um das Sturmläuten zu verhindern, und fand sich lärmend mit einem rund vier Meter langen Rammbalken vor Blancke ein.

Die Tür wurde eingerammt, Johann Peter Blancke griff im Obergeschoss seine Pistolen, rief die Knechte und stürzte zur Treppe, wo ihn schon Kugeln von unten erwarteten, die aber nicht trafen. Blancke selbst verwundete mit dem zweiten Schuss den Banditen Joseph Kernmilch schwer, die Knechte feuerten ebenfalls - die Bande ergriff völlig konsterniert über diesen Empfang die Flucht in Richtung Doveren, verfolgt von den inzwischen aufgewachten Dörflern.

Auch der Graf von Hompesch aus Rurich, der Gast bei Blancke war und dort schlief, beteiligte sich an der Schießerei und der Verfolgung. Am nächsten Tag wurde Joseph Kernmilch tot in einem Haferfeld zwischen Hückelhoven und Doveren gefunden. Die auch in der Literatur sehr bekannten Damian Hessel und Adolf Weyers waren die Hauptleute der Meerssener in Hückelhoven - die Berichte von Johann Peter Blancke und des Grafen von Hompesch sind mehrfach veröffentlicht. Sie waren übrigens "erfolgreicher" als der viel bekanntere Schinderhannes.

Das Bandenwesen war um die Jahrhundertwende deshalb erfolgreich, da auf der linken Rheinseite nach deren Eroberung durch die französischen Revolutionstruppen ein Freiraum in der öffentlichen Ordnung entstand, da die neuen Organisationsstrukturen auch durch die von Napoleon ständig geführten Kriege noch nicht griffen. Darüber hinaus waren Banden wie die Meerssener, die Krefeld-Neusser oder Neuwieder äußerst mobil, überwanden große Entfernungen sehr schnell, wechselten die Stand- und Rückzugsorte. 1797 wurden Teile der Meerssener mit Damian Hessel und Adolf Weyers in der Erkelenzer Gaststätte Zum Lämmchen festgenommen - und entkamen aus dem Stadtverlies.

(isp)
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