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Hückelhoven
Virtuosität und Musikalität vereint

Hückelhoven. Zum 125. Kammerkonzert lud "Con brio" zwei erstklassige Musiker ein: Céline Moinet (Oboe) und Florian Uhlig (Klavier). Von Kaan Cevahir

Clara und Robert Schumann - technisch und kompositorisch auseinanderdriftend, doch in der Interpretation vereint. So etwa zeichneten Céline Moinet und Florian Uhlig die Beziehung zwischen einer einst renommierten Pianistin, die sich dann mühsam in der Komposition versuchte, und eines gescheiterten Pianisten, der in der Komposition Trost und Bestimmung fand.

Man dürfte das Konzert mit Sicherheit anders erlebt haben, wenn man sich zuvor biografisch mit den Schumanns befasst hatte. Und wenn auch der Lebenshintergrund eines Komponisten nicht zwingend Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen haben muss, so öffnen die Werke von Clara und Robert - insbesondere, wenn sie sich im Programm gegenüberstehen - eine biografische Perspektive auf ihre Musik.

Clara, als geborene Wieck bereits in weiten Kreisen musikalischer Kenner bekannt, machte sich sehr früh einen Namen als große Pianistin. Ihre Werke werden weitgehend durchbohrt von salonmusikalischer Virtuosität und der Kraft einer sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts emanzipierten Künstlerin.

In einer beeindruckenden Kongenialität errichtete Florian Uhlig eben dieses klangmassive Fundament, auf dem doch eher zärtliche, ja feminine Melodien von der Klangidiomatik der Oboe getragen wurden. Endlos und unerschöpflich schienen sich diese zu entfalten, als Moinet etwa bei Claras dritter Romanze in der Fassung für Klavier und Oboe d'amore weite Melodiebögen spannte, die in der Art, wie sie die langen Triller artikulierte, sehr schön strapaziert wurden. Und doch ließ mehr noch der leicht virtuose Saloncharakter der Klavierstimme von sich spüren, als dass die Romanze durch eine kompositorische Tiefgründigkeit und Seriosität überzeugte.

Dem standen Roberts "Kinderszenen" entgegen. Vor dem Hintergrund, dass er im Rahmen seiner musikalischen Karriere zunächst einen Weg als Pianist einschlug, währenddessen er den renommierten Klavierpädagogen und Vater von Clara, Friedrich Wieck, zu imponieren versuchte, doch letztendlich sein Scheitern als Pianist aufs Härteste erfahren musste, reflektiert das Werk weniger den Drang zur Virtuosität, mehr noch das Genie eines von Persönlichkeitskomplexen geplagten Komponisten.

Es waren die Mittelstimmen in "Von fremden Ländern und Menschen", die Uhlig sehr geschickt in das kompositorisch vernetzte Gewebe des Werkes einzuflechten wusste, ohne sie all zu grell aufleuchten zu lassen, geschweige denn sie aus der Beziehung der Stimmen zueinander herauszuzerren - treu den Prinzipien des Komponisten. In ihren Interpretationen wussten Moinet und Uhlig Virtuosität und Musikalität sinngemäß miteinander zu vereinbaren wie auch ihre Gedankengänge eher ineinander verliefen, als dass sie sich kreuzten.

So färbte das konfliktfreie Verhältnis beider Interpreten auf die musikalische Beziehung zwischen Clara und Robert Schumann ab - an diesem Abend schienen ihre Werke in der Interpretation zueinandergefunden zu haben.

Quelle: RP
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