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Hückelhoven
Völkerverständigung auf zwei Rädern

Hückelhoven: Völkerverständigung auf zwei Rädern
Dr. Harald Kindermann (v.l., ehemaliger deutscher Botschafter in Saudi-Arabien, Bulgarien, Schweden und Israel), Wolfgang Krymalowski, Max Freiherr Spies von Büllesheim und Hauptorganisator Dr. Wolfgang Wegner an einem Lagonda, Baujahr 1932, vor Haus Hall; Kindermann steuert dieses Fahrzeug. FOTO: J. Laaser
Hückelhoven. Wenn eine Idee wenige Anhänger findet, die spontan bereit sind, sich zu engagieren, kann daraus Großes werden. Diese Idee war, über alle Religionen hinweg Menschen zu einem Miteinander zu bewegen. Geworden ist eine Motorrad-Sternfahrt durch Europa, mit dem Ziel, am 6. Juli zur Eröffnungsfeier der Makkabiade in Jerusalem dabei zu sein.  Von Thomas Mauer

Als Makkabiade wird das jüdische Sportfest bezeichnet, das vergleichbar den Olympischen Spielen alle vier Jahre stets in Israel ausgetragen wird. Die erste Makkabiade fand 1932 in Tel Aviv statt, in diesem Sommer werden 10.000 Athleten aus 80 Nationen erwartet.

In den Anfängen dieser Bewegung fuhren Motorradfahrer als Werbeträger durch Deutschland. Den Gedanken griff man zur deutschen Makkabiade 2015 in Berlin wieder auf. Und so konnten zwei Harley-Davidson-Gruppen zur diesjährigen Veranstaltung starten, die einen von Berlin, die anderen von London aus. Vereint wurden beide Gruppen ausgerechnet in Ratheim auf Haus Hall. Und das mit gutem Grund. "Mein Großvater war einer der Ersten, der 1914 eine Harley-Davidson nach Deutschland brachte", erzählt Max Freiherr Spies von Büllesheim. Zudem vertrete er auch das politische Erbe seines Vaters, der sich stets für die Beziehungen zum Staate Israel eingesetzt habe. Und letztlich sei die Verbindung durch den Kölner Automobil-Club in Person von Dr. Wolfgang Wegner ausschlaggebend gewesen, den Bikern die Gastfreundschaft anzubieten.

Und so rollten - unüberhörbar - mit sonorem Brummen fast 80 Maschinen auf den Kies von Haus Hall. Denn hier stießen für eine kurze Begleitstrecke auch zahlreiche Fahrer aus dem Harley-Chapter in Köln zu der Gruppe. Auch Christian Köhler aus Hürth war gekommen, er allerdings mit einer Ducati 1299. Der Soldat hatte keine Verbindung zur jüdischen Gemeinde in Köln, wollte aber auch die Idee unterstützen.

"In unseren jüdischen Vereinen treiben wir überkonfessionell Sport", stellte Wolfgang Krymalowski klar. Und es funktioniert auch gut. Einer, der es praktisch erlebt hatte, war Wolfgang Muders, mit seiner Electra Glide angereist. Der ehemalige Zehnkämpfer und Deutsche Mannschaftsmeister 1977 mit dem TSV Bayer Leverkusen war in den 1970er und 1980er Jahren zweimal bei der Makkabiade dabei und schwärmte immer noch. Für ihn und seine Frau mit ihrer Heritage Softail war es Ehrensache, diese Sternfahrt ein Stück weit zu begleiten. Und auch zwei Mitglieder des Bundestages waren dabei. Michaela Engelmeier und Michael Thews durften mit ihrer BMW mitfahren. "Ich kann leider nur ein kurzes Stück dabei sein", gestand Engelmeier, "aber bei der Eröffnung in Jerusalem werde ich da sein." Einer, der von Anfang bis Ende mitfährt, ist Gery Burd aus den USA. "Die Idee ist klasse, die muss ich unterstützen", sagte der Senior und verriet im Nebensatz, er sei Protestant. Kein Problem, bei der Idee ist jeder willkommen. Sechs Wochen Urlaub mussten er und seine Frau Caroline nehmen, das Motorrad wurde nach London geflogen und reist später per Schiff zurück in die Staaten.

Die Stern-Fahrt führt noch über München, Budapest bis nach Griechenland. Dort rollen die Bikes am 28. Juni auf ein Schiff und landen rechtzeitig in Haifa, wenn am 6. Juli das Sportfest beginnt.

Quelle: RP
 
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