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Hückelhoven
Von der Hückelhovener Kleiderfabrik zur Kunstakademie

Hückelhoven: Von der Hückelhovener Kleiderfabrik zur Kunstakademie
Will Schwarz in seinem Düsseldorfer Atelier, um 1921. Bis 1919 hatte er die renommierte Düsseldorfer Kunstakademie besucht. FOTO: KREISARCHIV
Hückelhoven. Der Fabrikbesitzer-Sohn Will Schwarz war ein bekannter Maler. Sein Geburtshaus stand am Lieberg. Nach einer Düsseldorfer Zeit zog er in den Odenwald, wo er mit 51 Jahren starb. Von Willi Spichartz

Mancher Unternehmenspatriarch hat sich für die Ahnengalerie von einem Kunstmaler per Pinsel und Farbe auf Leinwand verewigen lassen. Mancher Unternehmer sammelt Kunstwerke zum heimischen Vergnügen, mancher stiftet sie für Museen, die dann nach ihnen benannt werden - Ludwig etwa oder Burda. Manch einer hat einen Sohn, der selbst Kunst macht. Will Schwarz war ein Sohn von Jean Schwarz, Mitinhaber der Kleiderfabrik Wilhelm Schwarz in Hückelhoven, geboren 1894, gestorben 1946 in Amorbach im Odenwald als Kunstmaler.

Will Schwarz war ein direkter Nachkomme von Wilhelm Schwarz, dem Gründer des ersten Industriebetriebs in Hückelhoven (Bericht am 15. Juli: "Pionier der Industrialisierung") und war eigentlich für eine technische Laufbahn vorgesehen, eine schwere Asthma-Erkrankung vereitelte dies jedoch.

Will Schwarz wurde am 29. Dezember 1894 im Elternhaus am heutigen Lieberg in Hückelhoven geboren. 1896 zogen seine Eltern in das Familien-Anwesen von Wills Mutter nach Doveren. Deren Vater Theodor Strehrath, Kreistierarzt, war gestorben. Ab 1901 besuchte Will Schwarz die Doverener Schule, die er 1905 in Richtung Progymnasium Erkelenz verließ, das er mit der sechsten Klasse und der Mittleren Reife, damals auch "Einjähriges" genannt, beendete. Es schloss sich eine Ausbildung zum Ingenieur bei der Mönchengladbacher Maschinenbaufirma Schlafhorst an, die Will Schwarz 1913 wegen seiner schweren Asthmaerkrankung ohne Abschluss aufgeben musste. Zur etwa gleichen Zeit trat bei ihm das Interesse am Zeichnen und Malen in den Vordergrund, erste Werke verrieten starkes Talent für dieses Genre. Motive fand er in der zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch recht dörflichen Umgebung Hückelhovens, vor allem im Rurtal.

Neben der Familien-Textilfabrik, seit 1851 geführt, entwickelte sich die Steinkohlenzeche "Hückelhoven" zwar mit der Abteufung der ersten beiden Förderschächte, doch der Abbau steckte noch im absoluten Anfang, der 1. Weltkrieg verzögerte die Entwicklung der Grube zusätzlich.

1915 entschied sich Will Schwarz, das Kunstschaffen zum Beruf zu machen und besuchte bis 1919 die renommierte Düsseldorfer Kunstakademie. Er erhielt eine breite Ausbildung in Öl- und Aquarellmalerei, Feder- und Kohlezeichnung, fand auch seinen eigenen Stil, der aber erkennen ließ, dass er dem noch jungen Expressionismus sehr nahe stand. Kräftige Farben und schlanke Linienführungen waren kennzeichnend für diesen Stil, für den die Künstlergruppen "Die Brücke" in Dresden, der "Blaue Reiter" in München und der "Rheinische Expressionismus" Köln/Bonn stehen.

In Düsseldorf schloss er sich der Künstlervereinigung "Malkasten" an, die 1848 als künstlerisch-politische Gruppierung gegründet worden war und heute noch existiert. Der Einfluss dieser Vereinigung auf das Werk Will Schwarz' wurde deutlich, er erweiterte sein Motivspektrum um Blumenbilder und Porträts, die er ab 1919 im eigenen Haus mit Atelier und Dachgarten in Düsseldorf schuf.

Um 1920 malte er eine Ansicht Hückelhovens von Osten/Doveren aus, die im Vordergrund Getreidegarben für die Landschaft und in der hinteren Ebene die beiden Fördergerüste der Zeche Sophia-Jacoba und weitere Werksanlagen des Unternehmens zeigt.

1935 heiratete er mit 41 Jahren die Düsseldorferin Helene Leven, mit der er drei Söhne und eine Tochter hatte. Obwohl er durch sein Asthmaleiden oft längere Zeiträume an der künstlerischen Arbeit, zu der auch Dichtung gehörte, gehindert war, schuf er ein recht umfangreiches Werk. 1942 fiel sein Haus in Düsseldorf einem Bombenangriff zum Opfer, die ganze Familie siedelte zunächst nach Merbeck (Wegberg), 1944 dann nach Amorbach im Odenwald um. Am 13. Juli 1946 starb er dort im Alter von 51 an seinem Leiden.

1951 richtete die Volkshochschule des Kreises Erkelenz eine Ausstellung zu seinem Gedenken aus, 1989 folgte eine weitere Ausstellung im Haus Spies am Franziskanermarkt in Erkelenz mit 50 Werken. Die VHS hatte ihn als größten Maler der näheren Umgebung gefeiert.

Quelle: RP
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