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Hückelhoven
Wenn die Weidenschälmaschine losrattert

Hückelhoven. Viele Besucher kamen zum Weidenschälfest in das Hilfarther Korbmachermuseum. Sie erlebten, wie mit Hilfe der Schälmaschine Weidenäste von der Rinde befreit wurden. Im Innenhof des Museums roch es nach frischen Weiden. Von Willi Spichartz

Korbweiden lieben das Wasser, Korbmacher halten sich mit Sympathien für das nasse Element in Form von Regen etwas zurück, zumindest, wenn das Weidenschälfest in Hilfarth ansteht. Aber die Wettervorhersage für Sonntag schreckte die Interessenten am Besuch des Museums der Rurtalkorbmacher nicht ab, Vereinsvorsitzender Heinz Knur zeigte sich schon kurz nach Mittag, die himmlische Nässe hielt sich noch zurück, schon zufrieden mit dem Besuch.

Und Nässe von oben kann auch keine besondere negative Rolle spielen für einen Besuch, denn das Museumsgelände im rundum baulich geschlossenen Wirtschaftshof des ehemaligen Franziskanerinnen-Klosters bietet im ehemaligen Haupthaus, den Stallungen und Scheune genügend Aufnahmekapazitäten für trockenen Aufenthalt, zum Weidenschälfest bedecken Zelte und Großschirme weitere Großflächen des Innenhofs. Die zahlreichen kulinarischen Angebote wurden also im Schatten oder Regenschutz genossen.

"Es riecht nach frischen Weiden" machte Vorsitzender Heinz Knur die nasale Komponente des Festvergnügens in seiner Begrüßung deutlich. Gleich nebenan ratterte in verschärftem Ton die Weidenschälmaschine los, in die von kräftigen Männerhänden übermannshohe Weidenstöcke gehalten wurden, um sie von Blättern und Rinden zu befreien - und da entsteht der feucht-frische Duft mit leicht medizinischen Touch. Und der ist echt, wie Marianne Breda vom Vereinsvorstand beim Flechten ihren "Lehrlingen" erläuterte - die Rinde enthält Salicylsäure, dem Wirkstoff von Aspirin, das heute allerdings mit synthetischem Salicyl massenhaft als ASS (AcetylSalicylSäure) produziert wird.

Kinder und Erwachsene im gleichen Maß fanden sich am Arbeitsplatz von Marianne Breda ein, um einen "Schlenger", Hilfarther Platt, zu flechten, einen Kranz in beliebigem Durchmesser aus Weidenrinde, die wiederum auf Platt den Arbeitstitel "Lenk" trägt. Ein geflochtener Zopf macht den Schlenger zur Schleuderwaffe - in armen Zeiten das selbstgefertigte Spielzeug der Korbmacher-Kinder. Die bösen Buben darunter flochten einen Metall-Draht hinein und schleuderten den Schlenger auf Elektroleitungen - alle Endgeräte standen danach still, Weidenschälmaschinen eingeschlossen.

Mehr als 20 Sorten selbstgebackenen Kuchens und "Ledderkesfla", Obstfladen ("Fla") mit gekreuzten Teigstreifen obendrauf, die wie ein "Leiterchen" wirken, tragen zur familiären Atmosphäre der Museumsanlage und des Weidenschälfestes auch für neue Besucher jedes Jahr im Mai bei. Und Weidenschälfest geht eigentlich auch nur in Hilfarth, denn geschälte Weiden, "weiße Ware", war im Dorf am Rurbogen typisch, während beispielsweise "braune Ware", also ungeschälte Weidenprodukte, im besonders geliebten Nachbardorf Brachelen üblich waren. Am Sonntag bewunderte gleich neben der Kuchentheke eine Besucherin einen Riesenkorb in brauner Ware...

Quelle: RP
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