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Hückelhoven
Wer hat's erfunden? Die Interroll-Tüftler in Baal

Hückelhoven: Wer hat's erfunden? Die Interroll-Tüftler in Baal
Geschäftsführer Dr. Hauke Tiedemann zeigt einen Trommelmotor. Solche Zylinder treiben Bänder an, was eine Anlage demonstriert. FOTO: RUTH KLAPPROTH
Hückelhoven. Die Schweizer Interroll Gruppe hat Ende April den weltweit stärksten Synchron-Trommelmotor für Bandfördersysteme auf den Markt gebracht. Erdacht, produziert und getestet im Industriegebiet Baal. Von Gabi Laue

Sie ziehen Bänder und mit ihnen Supermarkt-Einkäufe, Urlaubskoffer oder Pakete. In Baal hat eine neue Generation von Trommelmotoren buchstäblich das Laufen gelernt. Und von hier geht eine Innovation um den Globus: Interroll hat den weltweit stärksten Synchron-Trommelmotor für Bandfördersysteme mit einer nachgewiesenen Leistung von bis zu 1,1 Kilowatt auf den Markt gebracht. "Vor zwei Jahren haben wir uns mit dem Projekt auf die Reise gemacht", erklärte Geschäftsführer Dr. Hauke Tiedemann in der Ideen- und Produktschmiede an der Opelstraße. Hier hat die Idee Serienreife erlangt.

Am Standort Baal werden Produkte für den Weltmarkt entwickelt und erforscht. In der schnelllebigen Logistik-Branche laufen Antriebe überall da, wo Waren bewegt werden. "Auf Flughäfen das Kofferband, in der Lebensmittelindustrie Fisch oder Wurst - alles läuft automatisch über Fördertechnik-Anlagen", erklärte der promovierte Maschinenbauer Tiedemann. Diese Anlagen brauchen Motoren, die das System schnell bewegen, die Bänder stoppen und wieder starten, die große Lasten dynamisch und effizient befördern. So wurde ein Entwicklungsprojekt gestartet, um auf vorhandene Produkte einen innovativen Trommelmotor draufzusetzen, einen, der schneller antreibt und mehr Gewicht bewegen kann.

Eine Herausforderung war das, "tricky" für die Tüftler im Research Center gleich neben den Produktionshallen. Unspektakulär sieht der Edelstahl-Zylinder aus, der doppelt so schnell Bänder antreibt, doppelt so viel Leistung wie seine Vorgänger bringt und höchste Hygieneansprüche erfüllt. Das Innenleben macht's. Die Rolle wird in ein Transportsystem eingespannt, elektrisch angeschlossen, dreht sich und treibt ein darüber laufendes Band an. Wie dieser Vorgang immer wieder optimiert werden kann, ist eben die Herausforderung für die Entwickler. Hergestellt wird individuell nach Kundenwunsch. Das geht bis zu ganzen Bandstraßen aus Förderer-Modulen - mit Steigungen oder Querverkehr, in Kurven, über verschiedene Ebenen. Der neue Trommelmotor bewältigt bis zu 100 Start-Stopp-Vorgänge pro Minute ohne Brems- und Beschleunigungsweg.

"Hier in Baal wird nicht nur ein Stück Eisen zusammengesägt. Wir entwickeln hier High Tech", unterstrich Dr. Hauke Tiedemann. Daher bietet Interroll anspruchsvolle Arbeitsplätze für ausgebildetes Fachpersonal, bildet auch aus, beschäftigt Studenten (Kooperationen mit der RWTH Aachen und der Uni Dortmund) und gibt Quereinsteigern eine Chance. Nach dem Motto "Inspiriert von Effizienz" arbeitet die Unternehmensgruppe mit hoher Wertschöpfung. "Seit Jahren trimmen wir die Abläufe auf Effizienz und optimieren sie kontinuierlich", so Tiedemann. Jeder Arbeitsschritt sei standardisiert - Fehler ausgeschlossen. Da ist jeder einzelne der 210 Mitarbeiter angesprochen, an seinem Arbeitsplatz Vorschläge und Problemlösungen aufs "Ideenbrett" zu bringen - die "DNA des Erfolgs", so ein Slogan. Wird ein Produkt kopiert, will man "eine Nase lang schneller sein und Neues auf den Markt bringen". Die Unternehmensphilosophie erlaubt es, so der Geschäftsführer, "am Standort Deutschland kostengünstig zu produzieren". Wie das Erzeugnis funktioniert, sehen in Baal jede Woche zwei bis drei internationale Besuchergruppen. Servicepersonal wird in der Trainings-Akademie geschult. Vor drei Jahren zog zur Produktion in das erweiterte Unternehmen die Entwicklungsabteilung ein, erzählt Hauke Tiedemann. "Damit haben wir einen Standort geschaffen, der seinesgleichen sucht."

Quelle: RP
 
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