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Hückelhoven
Wie Schule bei Mobbing gegensteuert

Hückelhoven. Das Hückelhovener Fachforum des Caritasverbandes und der Stadt Hückelhoven beschäftigte sich mit "Schüler-Mobbing" - Intervention und Prävention für eine gewaltfreie Schule. Handeln ist geboten - das wurde praxisnah erklärt. Von Gabi Laue

Sind tägliche Reibereien unter Kindern normal - wo beginnt das Mobbing? Mit Beispielen aus dem Alltag informierte Mustafa Jannan, Autor des "Anti-Mobbing-Buchs", rund 80 Schulleiter, Lehrer, sozialpädagogische Fach- und Ergänzungskräfte der Ganztagsschulen beim Hückelhovener Fachforum "Schüler-Mobbing - Was Lehr- und Fachkräfte tun können". "Dies war ein praxisnaher Vortrag", fasste Karl-Ernst Dahmen, Leiter der Abteilung Jugend und Familie des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, am Ende zusammen. Caritasverband und die Stadt Hückelhoven hatten in den Pfarrsaal St. Barbara eingeladen.

Harmloser Streit oder systematisches Mobben? Dies zu unterscheiden sei schwer, räumte Helmut Holländer ein, der Erste Beigeordnete der Stadt. Die Differenzierung überließ er Mustafa Jannan, der aus persönlichen Erfahrungen zu berichten wusste, wurde doch sein Sohn in Klasse fünf gemobbt. "Man ist hoffnungslos verloren an der Schule, wenn das Kind gemobbt wird und keine Schulleitung mit Kompetenzen da ist", betonte er. Schüler-Mobbing habe es schon immer gegeben und werde es immer geben. Dagegen würden nur passgenaue Konsequenzen helfen durch Intervention oder Prävention. Jannans Ausführungen zufolge ist verbale Gewalt die häufigste Form des Mobbens. Mobbing nehme mit zunehmenden Alter der Schüler ab. Jungen seien häufiger Täter als Mädchen. Mobbing sei mit Abstand die häufigste Gewaltform an deutschen Schulen, ein Prozess, an dem eine Gruppe von Personen beteiligt ist - häufig zwischen Gleichaltrigen.

Der Referent nannte Merkmale, die vollständig und gleichzeitig vorliegen müssen, um von Mobbing zu reden: Kräfte-Ungleichgewicht, (Opfer ist alleine), Häufigkeit (mindestens ein Mal pro Woche), Dauer (Übergriffe über Wochen und Monate), und die Tatsache, dass der Konflikt aus eigener Kraft nicht lösbar ist. Neben Opfer und Mobber gibt es Mitläufer, die aktiv die Mobber unterstützen, sowie die restliche Lerngruppe, die sich nicht einmischt, weil es für sie unterhaltsam ist oder sie es nicht mitbekommt.

In die Intervention muss die ganze Lerngruppe einbezogen werden, machte der Referent deutlich. Schließlich unterschied er das passive Opfer vom provozierenden Opfer. Jannans Forderung: Mobbing muss im System und durch das System Schule gelöst werden. Ausgewählte Lehr- und Fachkräfte sollten geschult werden in einem Interventionskonzept. Vor- und Nachmittag müssten im Ganztag vernetzt sein. Die Prävention sollte im Schulprogramm verbindlich verankert sein. Alle müssten bei der möglichst zeitnahen Intervention beteiligt werden. Um erfolgreich intervenieren zu können, müsse die Anonymität der Täter-Opfer-Beziehung aufgehoben werden. Es gelte, das Opfer effektiv zu schützen: Zwei Personen oder Schüler helfen als Schutzengel dem Opfer, zwei weitere - keine Mitläufer - helfen dem Mobber, sein Verhalten zu ändern. Die Eltern sollten über die Interventionsmethoden informiert, aber nicht beteiligt werden. An erster Stelle steht ein anonymes Erstgespräch mit dem Opfer, es folgt das Erstgespräch mit dem Mobber. Praxisnah gab der Referent den Zuhörern Stichpunkte mit auf den Weg, wie diese Gespräche geführt werden sollten.

Quelle: RP
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