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Hückelhoven
Woher die Haagstraße ihren Namen hat

Hückelhoven. Die Vorstellung vom offenen Fließgewässer am Markt mit Freizeitgestaltung wurde beim Erzählabend des Heimatarbeitskreises Hückelhoven im Heimatverein der Erkelenzer Lande erörtert.

Das war eine schöne Vorstellung: Den verrohrten Bach im Hückelhovener Markt wieder freizulegen und in Schleifen mäandrieren zu lassen. Und in der Straßengastronomie bei Live-Musik zu sitzen, plaudernd bei gepflegten Speisen und Getränken. So ähnlich war es bis vor 80 Jahren möglich, dann verschwand mit der Umgestaltung des Marktes der Bach in der Versenkung. Arbeitskreisleiter Willi Spichartz referierte in der Gaststätte Jägerhof-Franzen als ehemaliger Stadtverordneter Überlegungen der SPD-Fraktion von vor 15 Jahren, als sich abzeichnete, dass die Umgehungsstraße der L 364 zwischen Hückelhoven und Doveren gebaut und der Markt täglich um rund 8000 Kraftfahrzeuge entlastet würde.

Mehr als 30 Interessenten, auch aus Erkelenz und Wegberg, waren der Einladung des Heimat-AK in den Jägerhof gefolgt, an der der Bach bis vor 80 Jahren ebenfalls offen vorbeifloss. Alt-Hückelhovens Stadtführerin und "Nachtwächterin" Gerda Boisten berichtete über die Hückelhovener Geschichte mit der Entstehung über den Bau der Burg durch Reinhard von Hückelhoven mit Ersterwähnung von 1231. Der Legende nach sollen die Bauarbeiter der Burg im "Höffken", gut 500 Meter über dem Markt nördlich Richtung Golkrath, ebenfalls am Bach, gewohnt haben. Bis vor wenigen Jahren hat es am Höffken noch Baureste gegeben, die auf die Burg-Entstehung zurückgehen sollten, dann wurde das neuere Wohnhaus dort erweitert, 750 Jahre alte Relikte verschwanden. Gerda Boisten ließ weder die Darstellung der Bauern- und Kleinhandwerkergeschichte aus noch die Geschichte der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden, wobei letztere für die geringe Größe Hückelhovens erstaunlich kurz nach Luthers Reformation 1517 gegründet wurde und über Jahrhunderte ein Drittel der Bevölkerung stellte.

Aus dem Publikum wurden bis dato nicht gehörte Fakten ins Feld geführt - die evangelischen Bauern siedelten an Haagstraße und Markt und hatten die größeren Höfe. Erstaunlich auch die Tatsache, dass der Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr immer ein Protestant war und ist. Im Vorfeld des Abends "Geschichten aus der Geschichte von Hückelhoven" war nach Fotos von einem bis 1968 an der Gladbacher Straße stehenden Kreuz gefragt worden, das jetzt am Lieberg steht. Ein Teilnehmer konnte vielversprechende Informationen geben.

Interessant die Tatsache, dass die katholische 1888/89 und die evangelische Kirche 1890/91 neu gebaut worden sind, beide im neugotischen Stil, der im 19. Jahrhundert am Niederrhein sehr weit verbreitet war. Die evangelische Vorgängerkirche von 1688 war beim Großbrand in der Haagstraße Ostern 1790 verschont geblieben, während neun vorwiegend Bauernhäuser völlig niederbrannten, darunter das Pastorat. Da eben die meisten evangelischen Bauern in der Haagstraße, auch als Händler, wohlhabend waren, wurden die vorherigen Fachwerkhäuser mit Strohdächern, so Willi Spichartz, noch im gleichen Jahr in Backstein wieder aufgebaut. Für die ev. Gemeinde bat Pfarrer Vielhauer in Noord- und Südholland bei reichen calvinistischen Gemeinden und Glaubensbrüdern um Beiträge für den Wiederaufbau des Pastorats - die ließen sich nicht lumpen. Zum Dank wurde die Straße an der evangelischen Kirche nach dem niederländischen Regierungssitz Den Haag benannt.

Quelle: RP
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