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Hückelhoven
Wunschkonzert am Pflegebett

Hückelhoven: Wunschkonzert am Pflegebett
Viktor Waßenhoven unterhält bettlägerige und demenziell beeinträchtigte Bewohner mit seinem Akkordeon. Iris Nitsche vom Sozialen Dienst des Altenzentrums begleitet die monatlichen Musik-Besuche. FOTO: Ev. Altenzentrum
Hückelhoven. Bei schwer kranken und demenziell eingeschränkten Pflegebedürftigen wirkt Musik manchmal kleine Wunder. Das Evangelische Altenzentrum Hückelhoven entwickelte deshalb ein Angebot. Ein Musiker spielt für Bewohner am Bett. Von Ute Ossa-Kühnel

Dienstag, 15 Uhr, im Evangelischen Altenzentrum Hückelhoven. Die Mittagszeit endet, und erste Bewohner gehen in Richtung Kaffeetisch. In die Stille hinein hört man leise Akkordeonklänge, die sich nähern und stetig lauter werden. Iris Nitsche vom Sozialen Dienst und der Musiker Viktor Waßenhoven besuchen die immobilen Bewohner mit dem Akkordeon.

Unterwegs werden sie von Bewohnern angesprochen, und wenn es zeitlich geht, spielt Viktor ein Wunschlied.

Heute sind sie auf dem Weg zu Herrn K. Der Physiotherapeut kommt regelmäßig zu ihm, doch die Beine wollen nicht mehr, und er kann das Bett nur noch selten verlassen. Er freut sich heute sehr über den Besuch. "Ich habe euch schon gehört", sagt Herr K. mit strahlenden Augen. Er mag rheinische Lieder und singt immer mit. Manchmal fließen auch Tränen. Das ist oft der Fall, wenn Herr K. sich "Drei weiße Birken" wünscht. Das Lied erinnert ihn an seine verstorbene Frau. Manchmal erzählt er dann von früher. Bevor der musikalische Besuch geht, singen alle drei ein fröhliches Abschlusslied. Dann zieht die Musik weiter zu einem anderen Bewohner. Die Bewohnerschaft eines Altenheims ändert sich zunehmend, auch vor dem Hintergrund der politischen Leitlinie "ambulant vor stationär".

Die Anzahl der immobilen und kranken Bewohner nimmt zu. Einige liegen im Wachkoma oder sind aufgrund ihrer Demenz nicht mehr ansprechbar, können aber dennoch an "guten Tagen" im Pflegerollstuhl das Bett verlassen. Andere sind geistig wach, aber wegen einer Erkrankung an das Bett gebunden.

Für Mitarbeiter in der Pflege und der Betreuung stellt sich die Frage nach passenden Angeboten. Wie erreicht man Bewohner, die nicht mehr aktiv an Veranstaltungen teilnehmen können und 80 Prozent der Zeit ans Bett gebunden sind? Viele Studien und wissenschaftliche Arbeiten haben bewiesen, dass Musik Menschen in allen Lebenslagen anspricht. Sie vermittelt Freude, wirkt gegen Isolation und weckt Erinnerungen. "Warum sollte man also die Musik nicht an das Bewohnerbett bringen?", fragte man sich im Mitarbeiterteam des Altenzentrums.

Alle vier Wochen begleitet die ausgebildete Erzieherin Iris Nitsche aus dem Sozialen Dienst den nebenberuflichen Musiker Viktor Waßenhoven in die Wohnbereiche. Gemeinsam besuchen sie immobile Bewohner mit dem Ziel, ihnen eine Freude zu bereiten und Momente des Wohlbefindens am Pflegebett zu ermöglichen.

Das ist oft nicht einfach. Denn woran erkennt man, ob ein Angebot ankommt, wenn sich der Bewohner nicht verbal äußern kann? Beim "Wunschkonzert" wird ein Prozess in Gang gesetzt, der von einem erfahrenen Mitarbeiter begleitet werden muss, der die Reaktionen der Bewohner deuten und verstehen lernt. Außerdem bedarf es einer positiven Grundhaltung, eines geschulten Auges, Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Geduld.

Aus dem Altenzentrums ist das Betreuungskonzept "Musikalisches Angebot am Bett des Bewohners" nicht mehr wegzudenken. Das Tandem Betreuung und Musiker zeigt sich als der entscheidende Baustein, von dem der Erfolg des Angebots abhängt. Musiker Viktor Waßenhoven sagt: "Nicht jeder Bewohner kann sich mehr artikulieren. Man muss auf die Signale achten, die gesendet werden. Diese suggerieren dann ,Zugabe' oder ,Lasst es bitte'." Eine Bewohnerin hatte schon lange Zeit kein Wort mehr geredet. Als sie im Advent die Melodie "Stille Nacht, heilige Nacht" hörte, öffnete sich ihr Mund und sang teilweise mit.

Iris Nitsche vom Sozialen Dienst des Hauses liegt das Wohlfühlangebot am Herzen. "Über die Musik erreichen wir Bewohner, die sich in sich zurückgezogen haben. Wir lachen, aber manchmal sind wir auch gemeinsam traurig. Wir lassen niemanden in dieser Stimmung alleine. Darum singen wir zum Abschluss immer ein Wunsch- oder Abendlied, das die Stimmung auflöst."

Quelle: RP
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