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Schiffslogbuch Jan Günther
103 Filter sorgen jetzt für sauberes Wasser in Toamasina

Hückeswagen. MADAGASKAR/hückeswagen (BM) Der 22-jährige Jan Günther war 2014 nach dem Abitur am Berufskolleg Hückeswagen für ein halbes Jahr an Bord des Schiffes "Logos Hope" und hatte dort Hilfseinsätze unterstützt. Jetzt kehrte er zurück und bleibt zwei Jahre. Darüber berichtet er im "Logbuch" der BM.

"Nach meinem ersten ,Lineup' (Vorbereitungseinsatz) in Hongkong ging es für mich ins exotische Toamasina (Madagaskar). Statt klimatisierten Wolkenkratzern und Großstadtleben erwarteten mich dort Holzhütten und viel Armut. Die Mehrzahl der 20 Millionen Einwohner lebt von einem US Dollar pro Tag - und das konnte ich täglich sehen. Insbesonders beim Einkaufen wurde ich als Weißer regelmäßig von bettelnden Kindern und Frauen angesprochen. Sich einzugestehen, dass man nicht jedem helfen kann, war dabei nicht leicht. Armut zu bekämpfen und vorzubeugen, war trotzdem einer der Sachen, auf die wir uns während des vierwöchigen Aufenthalts der Logos Hope fokussiert haben.

Während unserer zweimonatigen Vorbereitungszeit haben ich und ein vierköpfiges Team uns dazu Gedanken gemacht und geplant, wie wir den Menschen in Toamasina am besten helfen können. Ein Hauptproblem in Madagaskar ist verschmutztes Trinkwasser. Für die Großzahl der Bevölkerung dienen Flüsse als Trinkwasserquelle, werden aber auch für Abwasser und zum Waschen der Wäsche benutzt. Wurmerkrankungen und Durchfall sind häufig die Folge. Deshalb haben wir mithilfe lokaler Hilfsorganisationen und Kirchen 103 Wasserfilter ausgegeben, die jeweils bis zu 600 Liter schmutziges in sauberes Wasser am Tag filtern können. Außerdem war es uns sehr wichtig, nicht nur mit materiellen Spenden zu helfen, sondern die Malagasies (Einwohner von Madagaskar) zu ermutigen, selber tätig zu werden. Leider ist uns häufig aufgefallen, dass die Menschen vor Ort durch wenig Schulbildung ein sehr geringes Selbstbewusstsein haben und oft darauf warten, das Ausländer kommen, um ihnen zu helfen. Beispielsweise wurde ich von vielen Pastoren angesprochen und gefragt, ob wir ihnen während unseres vierwöchigen Aufenthalts eine neue Kirche bauen können. Deshalb war es uns wichtig, den Menschen zu zeigen, dass sie auch selber in der Lage sind, Verbesserungen in ihrem Land herbeizuführen.

In einem zweiwöchigen Umbauprojekt in der Stadtbibliothek Toamasinas, in dem wir die Bücherei renoviert und ein neues Büchereisystem etabliert haben, haben wir bewusst lokale Helfer miteinbezogen, um ihnen zu zeigen, dass sie selber in der Lage sind, etwas anzupacken und zu verbessern. Zum Ende der Umbauphase haben wir 500 Bücher von unserem Schiff gespendet, in der Hoffnung, dass sie den Malagasies Bildung bringen und sie ermutigen, selber tätig zu werden."

Quelle: RP
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