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Eddy Tscheschlog
40 Jahre "sanfter Weg" in Hückeswagen

Eddy Tscheschlog: 40 Jahre "sanfter Weg" in Hückeswagen
FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Hückeswagen. Eddy Tscheschlog und der JC Mifune sind untrennbar miteinander verbunden. Im Interview mit unserer Redaktion blickt der Trainer und Vorsitzende auf vier Jahrzehnte des einzigen Hückeswagener Judoclubs zurück und wirbt für seine Sportart. Von Stephan Büllesbach

Herr Tscheschlog, was bedeutet eigentlich Mifune?

Tscheschlog Kyozo Mifune (1883-1965) war ein Schüler von Jigoro Kano (1860-1937), dem Begründer der japanischen Kampfsportart Judo. In den 1940er und 1950er Jahren hat er hier in Europa, zusammen mit zwei weiteren Schülern Kanos, den Judosport verbreitet. Judo heißt "der sanfte Weg" - er hat alle tödlichen Sachen aus dieser Kampfkunst entfernt.

Wie ist der Judo-Club entstanden?

Tscheschlog Günter Meier hat den JC Mifune vor 40 Jahren gegründet; bei ihm im Keller hat alles angefangen. Ich bin dann ein Jahr später hinzugekommen. Ich habe den Verein später als Vorsitzender übernommen, als mein Vorgänger aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden ist.

Was hat Sie bewogen, da mitzumachen?

Tscheschlog Ich habe ein Plakat in der Stadt gesehen und dann Kontakt mit Meier aufgenommen. Ich habe ihn gefragt, ob man mit 25 Jahren nicht zu alt ist, um noch mit dem Judo anzufangen.

Und, ist man zu alt?

Tscheschlog Nein, mit Judo kann man in jedem Alter beginnen.

Worauf legen Sie besonders Wert beim Training mit den Kindern und Jugendlichen? Auf die Selbstverteidigung oder doch den sportlichen Wettkampf?

Tscheschlog Beides. Ich mache gerne Selbstverteidigung, aber Judo ist ja auch Kampf- und Freizeitsport mit einem hohen Anteil an Gymnastik. Ich trainiere hauptsächlich Hand- und Fußtechniken, Bodenkampf sowie spezielle Kampftechniken mit Messer und Schwert.

Kämpft der JC Mifune eigentlich in einer Liga?

Tscheschlog Nein, dafür sind wir zu klein. Wir haben viele Kinder und Jugendliche von fünf bis 15 Jahren, und unter den Erwachsenen sind keine Kämpfer dabei. Mit denen mache ich beim Training mehr Freizeitsport; die wollen bewegt werden und einfach nur Spaß am Judo und seinen Techniken haben.

Aber die Kinder treten doch bei Wettkämpfen an.

Tscheschlog Ja, die sind meistens zwei-, dreimal im Jahr auf Turnieren in der Umgebung.

Brauchen Kinder solche Wettkämpfe?

Tscheschlog Ich denke schon. Sie müssen das, was sie im Verein gelernt haben, auch mal unter Wettkampfbedingungen ausprobieren, Sie müssen mal auf einer fremden Matte kämpfen, um zu erfahren, wie stark bin ich eigentlich. Wir zwingen aber niemanden zu einem Wettkampf.

Müssen Kinder auch das Verlieren lernen?

Tscheschlog Ja, sie können dabei ihr Selbstbewusstsein aufbauen. Gerade wenn sie verloren haben, fallen sie in ein tiefes Loch. Sie weinen dann schonmal, und für sie bricht eine Welt zusammen. Wir richten sie dann aber wieder auf. Und die Kinder trösten sich auch untereinander - das trägt zum Erlernen sozialer Verantwortung bei.

Wie hat sich der Verein in all den Jahren entwickelt?

Tscheschlog Der Höchststand war bei etwa 75 Mitgliedern. Die vergangenen Jahre haben aber aufgrund des Ganztagsunterrichts bei den Kindern für einen Mitgliederrückgang gesorgt. Wir haben jetzt, mit den Behinderten, noch etwa 60 Mitglieder, wovon etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche sind. Es ist auch schwer, zu handeln, wenn man keinen Trainer hat.

Sind Sie der einzige Trainer?

Tscheschlog Wir bauen gerade zwei, drei neue auf. Das ist auch wichtig, weil man 30 Leute, die auf der Matte stehen, kaum alleine trainieren kann.

Was lockt Kinder und Jugendliche zum Judotraining?

Tscheschlog Es ist wichtig, dass sie sich einmal so richtig austoben können. Das Raufen und Kämpfen macht ihnen viel Spaß. Später kommen dann die judospezifischen Sachen wie Fallschule, Würfe und Bodenkampf.

Macht sich die Konkurrenz durch andere Sportarten bemerkbar?

Tscheschlog Eher nicht. Manche fahren zweigleisig und spielen zum Beispiel auch Fußball. Das ist ganz gut, denn durch das Fußballtraining stärken sie ihre Ausdauer.

Haben Sie Nachwuchsprobleme?

Tscheschlog Im Moment nicht.

Sie sind jetzt seit 40 Jahren dabei - was war das schönste Erlebnis als Mifune-Trainer?

Tscheschlog Es macht mir Spaß, mit den Kindern zu arbeiten. Wir sind viele Jahre nach Etaples gefahren. Den Kontakt haben wir bestimmt zehn Jahre gehabt, bis dort der Trainer aufgehört hat.

Wird es noch eine Feier anlässlich des 50-jährigen Bestehens geben?

Tscheschlog Ich weiß nicht, was passiert, wenn meine Frau und ich das nicht mehr machen. Ich wäre dann 75 Jahre alt. Ich hoffe, dass jemand von den anderen drei Trainern das mal fortführen wird.

Sie haben jetzt die Möglichkeit, für den Judo-Sport zu werben. Warum sollte man ausgerechnet dieser Kampfkunst frönen?

Tscheschlog Durch Judo wird Selbstvertrauen aufgebaut, man lernt soziales Verhalten und kooperativen Umgang mit seinem Gegner. Und man muss immer miteinander trainieren, es geht nie alleine. Ich kann diese Sportart nur empfehlen. Judo kann sogar auch ältere Menschen bewegen, denn sie ist auch gesundheitsfördernd.

Quelle: RP
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