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Hückeswagen
50 bis 60 Katholiken treten pro Jahr aus

Hückeswagen: 50 bis 60 Katholiken treten pro Jahr aus
Immer mehr Menschen verlassen die Katholische Kirche. Pfarrer Marc D. Klein glaubt, dass das viele aus den falschen Gründen tun. FOTO: matzerath
Hückeswagen. Allgemeiner Trend, demografischer Wandel - es gibt viele Gründe, warum Christen der katholischen Kirchengemeinde den Rücken zuwenden. Pfarrer Marc D. Klein ist überzeugt, dass 75 Prozent nur wegen Missverständnissen austreten. Von Joachim Rüttgen

Die Zahl der Kirchenaustritte ist auch im katholischen Seelsorgebereich Radevormwald-Hückeswagen erheblich. "Gleichmäßig gleichbleibend", sagt Pfarrer Marc D. Klein und spricht für 2015 bis September von jeweils 18 Austritten in Radevormwald und in Hückeswagen. Pro Stadt pro Jahr gebe es im Schnitt 25 bis 30 Christen, die dem Seelsorgebereich den Rücken zuwendeten.

"Wir reagieren immer mit großem Bedauern, aber über die Gründe für den Austritt erhalten wir meist keine Kenntnis", sagt Klein. Er glaubt, dass drei Viertel wegen Missverständnissen, Unkenntnis und Gerüchten aus der Katholischen Kirche austreten. Da gebe es Defizite im Bewusstsein, die sich seiner Ansicht nach aber im Vorfeld leicht ausräumen ließen. Natürlich spielten auch finanzielle Gründe eine Rolle, wenn sich Menschen von der katholischen Kirche abwendeten.

"Das Amtsgericht schickt uns Post, wenn sich jemand für den Austritt entschieden hat", berichtet Klein. Als Antwort verschicke der Seelsorgebereich dann einen vorgefertigten Brief der Deutschen Bischofskonferenz, in dem die Folgen des Austritts dargelegt werden - verbunden mit der Einladung zu einem Gespräch über die grundsätzlichen Möglichkeiten eines Wiedereintritts. "Aber dieses Angebot wird fast nie genutzt, höchstens ein bis drei Eintritte pro Jahr verzeichnen wir in Radevormwald und Hückeswagen."

Für viele sei der Austritt schwierig und nicht einfach nur ein Verwaltungsakt. Klein weiß, dass es meist keine speziellen Gründe für den Austritt gibt, die sich konkret auf den Seelsorgeverband beziehen. "Die Gründe finden sie nicht hier vor Ort, sondern in der allgemeinen Entwicklung und im Wesen der Katholischen Kirche", sagt er. Die Verunsicherung bei den Gläubigen über den Weg der Kirche sei auch für ihn fast greifbar.

"Glaube ist immer eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Ich kann das alles nur verstehen, wenn ich glaube, dass Christus die Gemeinden gegründet hat", sagt der Pfarrer. Die Gemeinschaft sei also gestiftet, geführt und geleitet vom Heiligen Geist. "Wenn ich Kirche da nicht als Familie oder Mutter sehe, habe ich ein Problem." Man müsse vor Ort vermitteln, was Kirche ist.

Keine leichte Aufgabe, wenn von 9500 Gemeindemitgliedern in beiden Städten nur acht Prozent der Katholiken in Rade die Gottesdienste besuchen und neun Prozent in Hückeswagen. Deshalb hält Klein die vielen kleinen und niederschwelligen Angebote wie Konzerte, Ausstellungen, Andachten, Rosenkranzgebete und Taizé-Gebete für ungemein wichtig. Klein: "Wir müssen die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen ansprechen, ohne uns allerdings anzubiedern."

Er möchte den Menschen gerne vermitteln, dass Kirche vor Ort etwas zu sagen hat, dass es wertvoll ist, sie zu hören. Dabei will Klein die Kirche nicht belehrend oder moralisierend erleben, sondern einladend. "Kirche, die sich verbiegt, schafft Orientierungslosigkeit", meint er. Es gebe eine Tendenz, dass vor allem Senioren die Katholische Kirche verlassen wegen Äußerungen zu Homo-Ehe, Abtreibung und Wiederverheiratung. "Wir sind ein kleiner Teil der Weltkirche und können uns diesen Fragen nicht entziehen. Aber es ist natürlich nicht leicht, die richtigen Antworten zu finden", sagt Klein. Kirche müsse den Anspruch haben, Gesellschaft zu gestalten. Habe sie den nicht mehr, sei dies eine Bankrotterklärung, auf Fragen der Zeit nicht zu reagieren.

"Ich mache mir Sorgen, weil viele Menschen meiner Meinung nach aus den falschen Gründen austreten", sagt der Pfarrer. Trete jemand aus Glaubensgründen aus, hoffe er auf die richtigen Beweggründe. "Man muss den Glauben auch wollen. Wer ihn nicht will, findet immer Gründe, nicht glauben zu müssen und zu können." Er findet es wichtig, dass Glaube durchaus auch eine Bereicherung sein kann - und eben keine Last. "Glaube ist Perspektive, Zukunft und Hoffnung für jeden Menschen ganz persönlich", sagt er.

Quelle: RP
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