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Hückeswagen
50 gemeinsame Ehejahre mit Hilfe "von oben"

Hückeswagen. Anna und Edmund Lietza vom Schmalbeinsweg feiern morgen, Freitag, ihre Goldhochzeit. Seinen Halt findet das Paar im Glauben. Von Heike Karsten

Das erste Mal hat Edmund Lietza seine Ehefrau Anna nur auf einem Foto gesehen, das sein Bruder ihm zeigte. "Oh, die gefällt mir", sagte er damals. Noch heute, 50 Jahre nach der Hochzeit, hält er seine Frau stolz im Arm und schaut sich das vergrößerte Hochzeitsbild an, das an der Wand hängt. "Diese Frau muss man doch einfach gerne haben. Ich würde sie auch heute wieder heiraten", sagt der 71-Jährige. Das Paar heiratete am 4. August 1967 und feiert morgen mit einem kleinen Empfang und am Samstag mit dem Freundes- und Familienkreis das Fest der Goldenen Hochzeit. Für die gemeinsamen Jahre sind sie Gott dankbar.

Anna Lietza, geborene Schuster, ist in Prien am Chiemsee geboren, wo ihr Vater bei der Bundesbahn arbeitete. Später baute er in Südtirol eine Pension mit Schwimmbad - das Alpenheim Kortsch. Mit drei Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung. Zahlreiche Operationen - davon allein zwölf an den Füßen -, zwei Jahre Krankenhausaufenthalt, mehrere Kuren und stabile Eisenschienen an den Beinen ermöglichten ihr wieder das Laufen zur Einschulung. "Kraxeln konnte ich nie. Ich kenne die Berge nur von unten", sagt die 74-Jährige, die gelernt hat, mit ihrer Behinderung zu leben.

Nach einer Ausbildung zur Schneiderin kam die junge Frau mit 21 Jahren nach Witzhelden, wo ihre Schwester mit ihrem Mann, dem Bruder von Edmund Lietza, lebte. "Er wusste, wann ich bei der Arbeit Schluss hatte und kam jeden Tag mit dem Fahrrad hinter dem Bus hergefahren", erzählt Anna Lietza lachend. Sie war damals 21 Jahre, er erst 18. Gefunkt hatte es erst, als Edmund Lietza einen Trick anwandte, um sie eifersüchtig zu machen: "Ich habe gesagt, dass ich mit einer Freundin ins Kino gehe. Das stimmte aber gar nicht", verrät er lachend.

Zweieinhalb Jahre später verlobte sich das Paar, nachdem der Schweißer die Wehrpflicht beim Bund absolviert hatte. "Ich war 18 Monate beim Panzerbataillon und habe zwei Winter durchgemacht. Das war schon hart", erinnert sich Lietza.

Geheiratet wurde in Remscheid. Ein Zahnarzt, dessen Haushalt Anna Lietza führte, besorgte dem Paar eine Wohnung und streckte den jungen Verliebten das Geld für die Feier vor. Sie bezahlten es schnellstmöglich zurück, bekamen es jedoch zu ihrer Silberhochzeit von dem Zahnarzt als Geschenk überreicht.

In seiner beruflichen Laufbahn arbeitete Edmund Lietza zwei Jahre für die Firma Runkel auf dem Bau, dann als Schweißer bei der Bergischen Stahl-Industrie (BSI) in Remscheid, die Reaktorschieber für Atomkraftwerke herstellte, außerdem in einer Spezialschweißerei in Wermelskirchen und der Firma Barmag in Lennep. Ab 1985 war er beim Bauhof der Stadt Hückeswagen als Schlosser und Schweißer beschäftigt, bevor er mit 63 Jahren aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging.

1969 wurde Sohn Markus geboren. Da Anna wie auch ihr Mann Edmund Lietza ihre eigenen Mütter früh verloren hatten, war es dem Paar wichtig, dass die Mutter zu Hause blieb und für den Sohn da war. Die Erinnerung an den einjährigen Aufenthalt im Kinderheim treibt Lietza noch heute die Tränen in die Augen. Mittlerweile haben die Jubilare zwei Enkel (26 und 22 Jahre) und eine Urenkelin (15 Monate).

Einen großen Halt im Leben fand das Goldhochzeitspaar im Glauben. Fast 27 Jahre übernahm es nebenberuflich den Hausmeisterdienst in der christlichen Gemeinde an der Heidenstraße. "Es war eine schöne Aufgabe", sagt Anna Lietza. Ihr Mann hatte als 13-Jähriger die Ausbildung begonnen und fast 50 Jahre gearbeitet. "Teilweise 17 Stunden am Tag", fügt Edmund Lietza hinzu. Seit 2003 wohnt das Ehepaar am Schmalbeinsweg, ist aber auch dort keineswegs untätig. Hier betreut der Rentner 64 Wohneinheiten der GBS, übernimmt kleinere Reparaturen oder hilft den Nachbarn beim Rasenmähen. Seine Familie und Freunde schätzen seine handwerklichen Fähigkeiten sehr: "Wenn Opa es nicht schafft, dann schafft es keiner", lautet ein oft genutzter Spruch.

"Zusammenhalten und verzeihen können" lautet das Rezept des Paars für eine beständige Ehe. "Die Kraft dazu kriegen wir ,von oben' und durch das tägliche Gebet", ist Anna Lietza überzeugt.

Quelle: RP
 
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