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Hückeswagen
Abschied von Hertie

Hückeswagen: Abschied von Hertie
Stück für Stück verschwindet der Anbau des Hertie-Kaufhauses an der Kölner Straße in Lennep. Das alte Gebäude wird kernsaniert und soll bis Ende 2017 in neuem Glanz erstrahlen. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Am ehemaligen Hertie-Gebäude räumen die Bagger derzeit die Mauern ab. Bis Ende 2017 soll der alte Anbau einem flacheren Neubau weichen. Das alte Baudenkmal selbst wird entkernt und in enger Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde saniert. Rund zwölf Millionen Euro investiert die Ten-Brinke-Gruppe in das Projekt, in dem Edeka und Aldi Ankermieter werden. Von Bernd Bussang

Nun heißt es also Abschied nehmen von Hertie. Und dieser Abschied dürfte umso leichter fallen, als dass das alte Gebäude erhalten bleibt und bald in neuem Glanz erstrahlt. Zudem ist das Etikett Hertie, das so lange die Fassade schmückte, längst ein Etikettenschwindel, denn der Kaufhausbetreiber hat Lennep schon vor acht Jahren verlassen.

Der Wandel bestimmte also das Geschehen an der Ecke Kölner Straße/Wupperstraße. Der Heimathistoriker Dr. Wilhelm R. Schmidt beschreibt diesen Wandel auf seiner Internetseite (lennep.eu) so: Als dem Grundstückseigentümer Albert Dörrenberg sein Kaufhaus an der Wetterauer Straße zu klein geworden war, ließ er 1912/13 an der Kölner Straße ein neues Kaufhaus errichten, groß und prächtig. Es ist das Werk der Düsseldorfer Architekten Klose und Schäfer, die sich damals der Darmstädter Jugendstilbewegung verbunden fühlten. Gleich daneben ließ sich Dörrenberg ein Wohnhaus bauen, vom Lenneper Architekten Paul Dürholt.

Das Kaufhaus, das wir heute als im positiven Sinn antiquiert, nostalgisch nach wie vor gefällig empfinden, kam bei vielen Zeitgenossen nicht so gut an. Von einem "modernen Klotz" soll damals die Rede gewesen sein, berichtet Schmidt in seinen Chroniken. Das Kaufhaus, das eigentlich ein großer Gewinn für Lennep war, sah mancher als verlustbringend. Denn just an der Stelle, wo das Kaufhaus entstand, musste die Gastwirtschaft Vollmer weichen. Und die war viel mehr als eine Kneipe, sondern Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Lennep. Die "Gesellschaft Union" hatte dort ihren Sitz mit Kegelbahn, Konzertsaal, Theaterbühne und einem beschaulichen Gärtchen.

1926 wurde das Kaufhaus der Bekleidungsfirma Dörrenberg von der Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft übernommen. In den 1930er Jahren wurde Karstadt in "Karzentra" umfirmiert, um später doch wieder "Karstadt" zu heißen. 2005 fassten die Eigentümer das Haus zusammen mit 73 kleinen Filialen zu "Karstadt Kompakt" zusammen, der finanziell angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzern verkaufte an britische Investoren. Der rote Schriftzug Hertie stand für das Kaufhaus bis zur Schließung 2008.

Quelle: RP
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