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Hückeswagen
Abseits vom Sport trommeln Judoka im Gleichklang

Hückeswagen: Abseits vom Sport trommeln Judoka im Gleichklang
Gemeinsam trommeln macht richtig viel Spaß: Das erfuhren die Teilnehmer beim Workshop mit Jörg Musaeus (m.) und Angela Plenz. FOTO: jürgen moll
Hückeswagen. Am Ende schlugen sie im gleichen Takt, hatten ihren eigenen Rhythmus zu einem gemeinsamen, harmonischen Einklang geformt. 15 Teilnehmer zwischen acht und 40 Jahren des Hückeswagener Judoclubs (JC) Mifune nahmen am Trommel-Workshop im "Kulturbeutel" in Wermelskirchen-Forthausen teil und schlugen im Gegensatz zum Kampfsport dabei einen deutlich sanfteren Weg ein. Von Stephan Singer

Das Projekt mit den Sportlern mit und ohne Behinderung ließ schnell deutliche Verbindungen zum Judo erkennen. "Wir betreiben im Verein inklusiven Sport und machen ein Mal im Jahr ein inklusives Projekt, das aus dem Rahmen des normalen Ablaufs fällt", sagte Jörg Musaeus, JC-Trainer und Betreiber des Bildungs- und Seminarhauses "Kulturbeutel". Das sei 2016 Bogenschießen gewesen. Die Idee zum Trommel-Workshop entstand eher zufällig. "Wir waren auf einem Judoturnier, und dort standen in der Halle einige Kongas. Darauf trommelten unsere Sportler in den Pausen fröhlich drauflos", erinnert sich Musaeus.

Unter Anleitung der freiberuflichen Musiklehrerin und Altenpflegerin Angela Plenz nutzten die Teilnehmer beim Seminar zwei afrikanische Basstrommeln, eine Djembé (ebenfalls aus Afrika) sowie zwölf Kongas und bildeten so ein lautstarkes Ensemble. "Das ist eine sehr intensive Zusammenarbeit, die ich mir anfänglich schwieriger vorgestellt hatte. Dieses Projekt verbindet die Teilnehmer, denn jeder kommt nur zurecht, wenn sich alle aufeinander einstellen", sagte Plenz.

Den Höhepunkt erreichte das Seminar, als die Leiterin zwei parallel in einem Takt gespielte Rhythmen spielen ließ - ein für Anfänger hoher Schwierigkeitsgrad, der sich in einem harmonischen Gleichklang verwob. "Das ist für mich eine ganz andere Welt, ich habe musikalisch keine Ahnung", sagte Eddy Tscheschlog und lachte. Der Mifune-Vorsitzende und Trainer entdeckte dabei jedoch auch die Verbindung zum Judo: "Es gilt, Hände, Füße und den Kopf konzentriert zu koordinieren - die rechte und linke Gehirnhälfte müssen übereinander gebracht werden." Diese Koordination müsse auch beim Sport erfolgen. "Judo ist ein Team- und Individualsport. Beim gemeinsamen Aufwärmen wird gemeinsam Energie für die Kämpfe aufgebaut. Leise Töne stehen für Verteidigung, laute für den Angriff", sagte Jörg Musaeus und beschrieb damit die Brücke zwischen gemeinschaftlichem Musizieren und dem Sport. Darüber stehe der Spaß am gemeinsamen Handeln und, dass durch neue Impulse die Inklusion zur gelebten Normalität werde.

Sein Sohn Ben, der als aktiver Judoka liebevoll "Bär" genannt wird, nahm ebenfalls am Seminar teil. Der 17-Jährige mit Down Syndrom fasste sich kurz: "Das Trommeln bringt einen ganz schön ins Schwitzen, aber ich fühle mich wohl."

Quelle: RP
 
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