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Hückeswagen
Afghane vor Abschiebung statt Ausbildung

Hückeswagen: Afghane vor Abschiebung statt Ausbildung
Der Chef ist das Versuchsobjekt: An Frisörmeister Kevin Gedert probiert Zobair Ibrahimi aus, den Nacken zu rasieren. Der 18-jährige Afghane würde gerne eine Ausbildung zum Frisör absolvieren, muss nun aber zunächst darum kämpfen, nicht abgeschoben zu werden. FOTO: Stephan Büllesbach
Hückeswagen. Zobair Ibrahimi hat zwei Ziele: in Deutschland bleiben und hier einen Beruf erlernen. Doch obwohl bereits gut integriert, soll der 18-Jährige jetzt abgeschoben werden. Sein Schicksal ist kein Einzelfall in Hückeswagen. Von Stephan Büllesbach

An sein Heimatland kann sich Zobair Ibrahimi, den alle Kian nennen, nicht mehr erinnern. Zwei Jahre alt war er erst, als er zusammen mit seinem Bruder und den Eltern aus der Provinz Parwan im Osten Afghanistans in den benachbarten Iran floh. Dort lebte er die vergangenen Jahre nur noch mit seinem Bruder - seine Eltern sind tot.

Afghanische Flüchtlinge sind im Iran nicht beliebt, daher durfte Zobair Ibrahimi etwa nicht zur Schule gehen. Als er dort vor zwei Jahren vor die Wahl gestellt wurde, entweder in den Krieg nach Syrien oder in sein Heimatland zu gehen, entschloss er sich zur Flucht in den Westen. "Ich kenne dort niemanden und auch nicht die Kultur", sagt der 18-Jährige.

Am 1. Oktober 2015 kam er nach Deutschland. In Hückeswagen kümmert sich seither das Jugend- und Sozialwerk Gotteshütte um den unbegleiteten jungen Flüchtling. Wie auch um weitere. Eigentlich wäre alles gut: Ibrahimi kann sich bereits relativ gut auf Deutsch verständigen, er lebt in einer Unterkunft der Gotteshütte am Tulpenweg, besucht eine Integrationsklasse am Berufskolleg in Wipperfürth (vorher in Gummersbach) und absolviert seit gut vier Monaten ein Praktikum bei Frisörmeister Kevin Gedert in dessen Salon an der Islandstraße. Dreimal in der Woche besucht der junge Afghane die Schule, zwei- bis dreimal arbeitet er bei Gedert. "Er könnte jetzt bei mir auch eine Ausbildung beginnen", versichert der Frisörmeister.

Doch nun beginnen die Probleme. Denn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat Ibrahimis Antrag auf Asylanerkennung am 7. April abgelehnt und zudem erlassen, dass er die Bundesrepublik innerhalb von 30 Tagen zu verlassen hat. Ansonsten wird er nach Afghanistan abgeschoben.

Doch Zobair Ibrahimi hat Unterstützer gefunden, die nun für seinen Verbleib kämpfen. Neben der Gotteshütte, die eine Wipperfürther Rechtsanwältin eingeschaltet hat (s. unten stehenden Bericht), ist das zum Beispiel Marko Röhrig. Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Remscheid-Solingen kennt Kevin Gedert seit einem Musikprojekt im September 2014, seitdem sind die beiden befreundet. Er sagt: "Ich schätze den jungen Mann. Das ist jemand, der sich integriert." Nun habe der 18-Jährige Angst, abgeschoben zu werde. Röhrig versichert: "Das ist garantiert kein Gefährder."

Und auch der Hückeswagener Frisörmeister setzt derzeit alle Hebel in Bewegung, damit Zobair Ibrahimi eine Zukunft in Deutschland haben kann. Dass er nun abgeschoben werden soll, kann Gedert überhaupt nicht nachvollziehen: "Da ist ein junger Mann, der Deutsch lernt, fleißig ist, sich integriert, einen Freundeskreis - auch mit deutschen Freunden - aufgebaut und eine Aussicht auf eine Lehrstelle hat", argumentiert er. "Wenn Kian es nicht schaffen sollte, integriert zu werden und eine Chance zu bekommen, wer dann?"

Der 18-Jährige hofft derweil, dass seine Unterstützer ihm helfen können. Sein großer Wunsch: "Ich möchte hier bleiben und einen Beruf lernen." Menschen, die ihn darin unterstützen und ihn nun auf dem Klageweg begleiten, hat Ibrahimi genug. Nun müsste nur noch das BAMF mitspielen. Oder das Gericht, das zu seinen Gunsten entscheidet.

Quelle: RP
 
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