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Hückeswagen
Als Australier zurück in der "guten Stube"

Hückeswagen: Als Australier zurück in der "guten Stube"
Übers Internet hatten Wolfgang und Renate Kohnertz vor zwei Jahren verfolgt, wie aus einer schäbigen, mausgrauen Bushaltestelle ein buntes "Wohnzimmer" wurde. Dort, an der Bahnhofstraße, musste das Paar nun bei seinem Hückeswagen-Besuch natürlich einmal Platz nehmen. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Vor 49 Jahren war Wolfgang Kohnertz nach Australien ausgewandert. Im gleichen Jahr heiratete der Hückeswagener dort seine Verlobte Renate. Momentan ist das Rentner-Ehepaar auf zweimonatiger Tour, die es auch in die alte Heimat führt. Von Stephan Büllesbach

Die australische Sonne hatten Renate und Wolfgang Kohnertz mit ins Bergische gebracht, als sie vor eineinhalb Wochen in Düsseldorf aus dem Flieger stiegen. Doch davon ist an diesem Montagmorgen nichts zu spüren. Stattdessen beherrscht typisch bergischer Nieselregen die Szenerie am bunten Wartehäuschen an der Bahnhofstraße, das sich das Ehepaar aus Sydney nun einmal näher betrachtet. Hatte es doch vor zwei Jahren seine Entstehungsgeschichte etwa 16.500 Kilometer entfernt in "Down Under" über das Internet verfolgt.

Seit 1971 sind der heute 71-Jährige und seine zwei Jahre jüngere Frau, die aus Halver stammt, australische Staatsbürger. Vier Jahre zuvor hatten sind in ihrer neuen Heimat Sydney geheiratet. Ihr Deutsch ist perfekt, auch wenn sich immer mal wieder einige englische Einsprengsel in die Sätze verirren. Dass sie dennoch "Aussies" durch und durch sind, zeigt sich an ihrem Gemüt. Während der Hückeswagener genervt die Augen verdreht, weil der Sommer immer noch nicht so richtig in Fahrt kommen will, sagt Wolfgang Kohnertz lächelnd: "Über diesen bergischen Regen würden wir uns in Australien freuen." Und mit Blick auf die Trockenheit auf dem fünften Kontinent fügt er an: "Dann müssten wir nicht so viel wässern."

Seit Pfingsten sind die Kohnertz' in Hückeswagen, wo sie eine Ferienwohnung bezogen haben. Viele Freunde haben sie bereits getroffen, Renate Kohnertz war auch schon bei ihrer Familie in Halver und bei einer Schulfreundin. An diesem Montag machen sie sich auf nach Mönchengladbach. Hintergrund: Als Wolfgang Kohnertz noch als Barmag-Monteur gearbeitet hatte, hatte er dort einen Gleichaltrigen kennengelernt. Mehr als 30 Jahre hatten sie sich aus den Augen verloren, ehe der Australier seinen ehemaligen Kollegen per Internet in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota ausfindig machte. Der war inzwischen dorthin ausgewandert, hat aber noch ein Haus in Mönchengladbach. Als der dann hörte, dass das Ehepaar nach Hückeswagen kommt, reiste er mit seiner Frau an den Niederrhein, holte die Kohnertz'am Düsseldorfer Flughafen ab und brachte sie ins Bergische. Nun steht der Gegenbesuch der Kohnertz' in Mönchengladbach an.

Am Wochenende geht's für die beiden erstmal mit einem Leihwagen nach Holland, anschließend führt sie die Tour über Hamburg, Kiel und Berlin in die neuen Bundesländer. "Als wir damals ausgewandert sind, gab's ja noch die Mauer. Wir kennen den Osten überhaupt nicht", sagt der 71-Jährige. Auf dem Besuchsprogramm stehen dort etwa Dresden und Leipzig.

Ehe sich die Auswanderer wieder in ihre Heimat aufmachen, kehren sie noch einmal für ein paar Tage in die Schloss-Stadt zurück. Freunde, die Kontakt mit ihnen aufnehmen wollen, können sie bis Mitte Juli unter Tel. 0178 3135564 erreichen. Handy und Telefonkarte hat mit Hans-Peter Butz ein Freund aus Hückeswagen besorgt.

Zurück in Bella Vista, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Sydney, hat das Paar vor einiger Zeit ein neues Haus gekauft. Das alte, mit dem großen Garten und der Nachbildung des Hückeswagener Stadtpark-Teichs, haben die Kohnertz verkauft. "Ich hatte vor zweieinhalb Jahren einen Herzinfarkt und habe einen Schrittmacher bekommen", erzählt der 71-Jährige. "Seitdem bin ich nicht mehr so fit." Um den Garten konnte er sich daher nicht mehr kümmern.

Stolz sind er und seine Frau auf ihr neues Domizil: "Das hat fünf Schlaf- und drei Badezimmer", erzählt Wolfgang Kohnertz. Seine Frau Renate fügt lächelnd hinzu: "Das Haus ist eigentlich viel zu groß für uns - aber es ist das kleinste in der Straße."

Quelle: RP
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