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Taxi-Mord in Wipperfürth
Angeklagter zu elf Jahren und drei Monaten verurteilt

Angeklagter zu elf Jahren und drei Monaten verurteilt
Am Tag nach der Tat legten Menschen Blumen am Markt nieder. FOTO: Hertgen, Nico
Wipperfürth/Köln. Am Kölner Landgericht ist am Freitag ein Urteil im Taximord-Prozess gefallen. Der Angeklagte (23) wurde zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Von Sigrid Schulz

Das Kölner Landgericht hat im sogenannten Wipperfürther Taximord-Prozess einen 23-Jährigen zu elf Jahren und drei Monaten Haft wegen Totschlags verurteilt. Eine Anordnung zur Unterbringung für die geschlossene Psychiatrie, wo der Angeklagte bisher untergebracht war, erfolgte nicht. Stattdessen erließ das Gericht einen Haftbefehl – bis das Urteil rechtskräftig ist, wird der 23-Jährige in Untersuchungshaft sitzen.

Anwältin der Angehörigen kritisiert Urteil scharf

Der Angeklagte habe eine "akzentuierte Persönlichkeit", aber keine Persönlichkeitsstörung, die es erlaube, den Maßregelvollzug zu verhängen, sagte der Vorsitzende Richter Peter Koerfers in der Urteilsbegründung. Er habe die Tat mit 2,2 Promille Blutalkohol im "hochgradigen Affekt" begangen. Objektiv seien zwar die Mordmerkmale Heimtücke und Verdeckungsabsicht gegeben, subjektiv sei aber der Angeklagte sich dessen nicht bewusst gewesen.

Als er das Taxi im August vergangenen Jahres bestellt habe, habe der Angeklagte das Küchenmesser mit der 20 Zentimeter langen Klinge mitgenommen, um den Taxifahrer zu überfallen und sein Geld zu rauben, davon aber wieder Abstand genommen. "Er hat sich ganz spontan dazu entschlossen, sein Opfer zu töten." Dieses habe er im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit getan.

Zuvor hatte Staatsanwalt Wolfgang Hess zwölf Jahre Haft wegen Mordes und die Unterbringung im Maßregelvollzug, in der geschlossenen Psychiatrie für Straftäter auf unbestimmte Zeit, gefordert. Denn, so der Staatsanwalt: "Es sind weitere erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten." Der 23-Jährige sei eine Gefahr für die Allgemeinheit.

"Mord muss Mord bleiben" 

Dagmar Schorn, die Nebenklägeranwältin der Witwe, der drei Kinder und der drei Geschwister des getöteten 63-jährigen Taxifahrers aus Much, zeigte im Gericht ein Foto des Opfers. "Ich habe so gerne gelebt, das würde er jetzt sagen", sagte Schorn. Sie kritisierte den rechtlichen Hinweis des Gerichts vor den Plädoyers, dass auch eine Verurteilung wegen Totschlags in Frage käme. "Mord muss Mord bleiben." Sie habe ihre Mandanten gewarnt: "Stellen Sie sich darauf ein, da wird Ihnen ein Bübchen präsentiert, das wird weinen, hatte eine schwere Kindheit, der Vater hat getrunken. Aber wie es Ihnen geht, das interessiert nicht."

Richter Koerfers wies diesen Vorwurf zurück, die Entscheidung der Kammer für Totschlag statt Mord sei nicht aus Mitleid gefallen. Selbst Verteidigerin Ute Steinbrenner, die auf Totschlag plädiert hatte, wollte ihren Mandanten in der Psychiatrie sehen: "Mein Mandant findet selber, dass er dort hingehört." An seiner Persönlichkeit könne er auch in der Justizvollzugsanstalt arbeiten, gab ihm der Vorsitzende Richter stattdessen mit auf den Weg.

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