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Hückeswagen
Anwohner wollen keine Neubauten auf dem Bolzplatz

Hückeswagen: Anwohner wollen keine Neubauten auf dem Bolzplatz
Der Bolzplatz zwischen Tulpenweg und Ewald-Gnau-Straße ist plötzlich begehrt. Die Stadt kann sich vorstellen, dass dort Mehrfamilienhäuser entstehen. FOTO: Schütz
Hückeswagen. Sechs Familien vom Tulpenweg und eine aus Waag kritisieren in einem Schreiben an den Bürgermeister den geplanten Bau von mehreren Mehrfamilienhäusern auf dem Bolzplatz in Wiehagen. Sie sehen genügend Alternativen dazu an andern Stellen im Stadtgebiet. Von Stephan Büllesbach

Der Vorschlag der FDP von April 2015, den Bolzplatz unterhalb des Tulpenwegs in ein Neubaugebiet umzuwandeln, hatte keine Chance. Doch vor wenigen Wochen überraschte die Stadtverwaltung, die nun dort sieben bis neun Mehrfamilienhäuser bauen lassen möchte. Noch ist keine Entscheidung gefallen (s. Infokasten), Anwohner hat diese Idee aber auf die Barrikaden gebracht. Sie fordern Bürgermeister Dietmar Persian in einem Schreiben unmissverständlich auf, die Finger vom Bolzplatz zu lassen, denn: "Es gibt (...) zu dem Bolzplatz keine Alternative, und er hat seine Funktion für die gute Wohnqualität und das entspannte Miteinander hier im Viertel."

Sie berichten, dass der gesamte Bereich gerade für Familien eine wichtige Freizeitfläche sei: Ihre Kinder bolzten auf dem Platz, nutzten ihn für ferngesteuerte Modellautos und führen seitlich mit allen erdenklichen Kinderfahrzeugen. "Auch die Mieter aus dem Hochhaus Tulpenweg 1-5 und die Flüchtlinge nutzen den Platz mehrmals wöchentlich für Sport", heißt es in dem Schreiben. Das nahe gelegene Kleinspielfeld an der Grundschule, Blumenstraße, werde häufig von der Schulleitung gesperrt, "da es leider immer wieder verwüstet wird".

Den Familien erscheint zudem fraglich, ob es in Hückeswagen wirklich einen großen Bedarf an günstigen Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen gibt. Sie verweisen auf ein Gutachten der Verwaltung von 2014, wonach auf absehbare Zeit kein zusätzlicher Bedarf an Wohnraum zu sehen ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte aber die Flüchtlingswelle noch nicht eingesetzt.

Als Alternative für Mehrfamilienhäuser in ihrer direkten Nachbarschaft nennen die sieben Familien andere Flächen in der Stadt. Sie verweisen auf die Grundschulen an der Kölner Straße, die in einigen Jahren nach dem Umzug der Löwen-Grundschule in das Realschulgebäude nicht mehr benötigt werden, sowie auf die Tennishalle Kölner Straße. Diese hatte die Stadt erworben, um dort bei Bedarf Platz für Flüchtlinge zu haben; langfristig könnte dort nach Plänen der Stadt ein Neubaugebiet entstehen.

Ein weiteres Argument gegen die Neubauten ist nach Ansicht der Anwohner die Parkplatzsituation. Die sei, vor allem am Tulpenweg, bereits so angespannt, "wie man das aus Großstädten kennt". Sie gehen von mindestens 75 Parkplätzen aus, die bei 54 Wohnungen geschaffen werden müssten. Ihr Fazit: "Da Tiefgaragen wohl aus Kostengründen ausscheiden, würde die Realisierung eines der Konzepte wohl eine Verschärfung der vorhandenen Parkplatznot (...) als geplant bringen."

Die Familien hatten sich im vorigen Jahr mit Bürgermeister und Bauamtsleiter darauf geeinigt, in einer Zusammenarbeit mit dem Bauhof den Platz vom Unkraut zu befreien und ihn sauber zu halten. Das scheint bislang noch nicht funktioniert zu haben, da nach Aussage des Bauamtsleiters eine Maschine des Bauhofs defekt sein soll.

Quelle: RP
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