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Hückeswagen
Apotheker fürchten und warten nach Gerichtsurteil

Hückeswagen. Lange Schlangen an der Kasse, Einkaufen ohne Beratung und schnelle Abfertigung der Kunden - Medikamente kaufen wie im Supermarkt. Das ist Rainer Gorskis schlimmste Vorstellung von der Zukunft. Das, so glaubt der Apotheker aus Hückeswagen, könnte durch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) Realität werden.

Durch das Urteil können deutsche Kunden nun auch verschreibungspflichtige Medikamente günstig per Mausklick aus dem Ausland ordern. Für die Apotheken vor Ort gilt weiterhin die Preisbindung. "Das ist eine Katastrophe - ein Schlag ins Gesicht der deutschen Apothekerschaft", kritisiert Gorski, Angestellter der Oberbergischen Apotheke. Die Preisbindung schränke den freien Warenverkehr ein, urteilten die Luxemburger Richter am Mittwoch. Für Gorski jedoch eine widersprüchliche Entscheidung: "Bisher hat der Gerichtshof argumentiert, dass Arzneimittel ein Produkt besonderen Gutes seien."

Er sieht das Urteil gar als gesundheitsgefährdend. "Es kursieren viele gefälschte Medikamente", sagt er. "Die Festpreisregelung ist auch ein Schutz des Verbrauchers." Die Entscheidung würde zudem das Apothekensterben beschleunigen. "Die Zahl der Apotheken hat sich in den vergangenen Jahren von 22.000 auf 20.000 verringert." Eine der Apotheken, die bereits im August schließen mussten, ist die Hirsch-Apotheke an der Friedrichstraße (die BM berichtete). Gorski könnte sich vorstellen, dass in Zukunft nur noch eine Apotheke die Hückeswagener mit Medikamenten versorgt - mit Bedingungen wie im Supermarkt. "Gerade in ländlichen Gegenden wird sich die Versorgung der Menschen verschlechtern", befürchtet der Apotheker.

Julia Backmann von der Falken-Apotheke in Wiehagen sieht die Entscheidung gelassener. "Es ist nicht absehbar, wie sich das Urteil auf uns auswirkt", sagt sie. "Ich glaube nicht, dass sich für die Menschen vor Ort etwas ändert." Es könne aber durchaus finanzielle Einbußen geben - "auf Kosten von uns Apothekern". Für chronisch Kranke allerdings, meint Rainer Gorski, würde sich der Einkauf bei den Online-Anbietern durchaus lohnen. Und auch dass die Kunden Kopfschmerztabletten, Grippemittelchen und andere rezeptfreie Medikamente im Internet kaufen, ließe sich nicht verhindern.

(veke)
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