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Hückeswagen
Arbeit und Entspannung im Kinderdorf

Hückeswagen: Arbeit und Entspannung im Kinderdorf
Neue Werkstatt im Kinderdorf: Kunstpädagoge Reinhold Daubner-Winheller erklärt dem neunjährigen Leonard, wie ein Speckstein richtig bearbeitet wird. Jürgen Moll FOTO: Moll Jürgen
Hückeswagen. Die Ferienaktion hat gestern begonnen, mehr als 170 Kinder sind dabei. Ganz neu sind eine Speckstein-Werkstatt und ein Wellness-Bereich. Dort können sich die Mädchen und Jungen bei einer sanften Massage von der harten Arbeit erholen. Von Elena Erbrich

Eigentlich sind die Wahlen erst im September, in Hückeswagen stehen sie aber schon ab heute Mittag an. Denn dann wird ein Bürgermeister gewählt - und zwar der fürs Kinderdorf. Das künftige Dorfoberhaupt ist dann für 173 Kinder zuständig. So viele sind in diesem Jahr dabei, im vergangenen Jahr waren es "nur" 150. Zwei Wochen leben und arbeiten sie täglich von 10 bis 16 Uhr in ihrem Dorf. Auftakt der Ferienaktion war gestern bei schönstem Sommerwetter.

Die elfjährige Pia hat schon einen Nähmaschinenführerschein gemacht und arbeitet sich wieder ein. FOTO: eler

Sie haben noch nicht einmal eine halbe Stunde gearbeitet, wissen aber schon, was sie mit ihren hart verdienten Juze-Talern anstellen wollen. "Ich bezahle davon den Ausflug in den Klettergarten", sagt der neunjährige Louis, während er fleißig an seinem Speckstein schleift. "Ich auch", versichert der gleichaltrige Leon. Sein siebenjähriger Namensvetter, der gerade seinen Stein poliert, will etwas anderes mit seinem Geld machen. "Ich kaufe mir davon Pudding", sagt er. Die Neunjährigen lachen.

Kunstpädagoge Reinhold Daubner-Winheller zeigt den Kindern, wie sie einen Speckstein schmirgeln, schleifen und polieren. Die Speckstein-Werkstatt gibt es zum ersten Mal. Stadtjugendpflegerin Andrea Poranzke, die das Kinderdorf organisiert, hatte Daubner-Winheller in Wipperfürth bei einer Aktion für Kinder gesehen und gefragt, ob er auch beim Kinderdorf dabei sein will. Er wollte.

Auch im Wellness-Bereich, den es dieses Jahr zum ersten Mal gibt, sind die Kinder fleißig. Der sechsjährige Max stellt eine "Badebombe" in seiner Lieblingsfarbe Blau her. Dafür vermengt er unter anderem Natron, Speisestärke und Kokosöl mit blauer Lebensmittelfarbe, das Ganze kommt dann in eine Form. Was er mit seinem Gehalt macht, weiß Max auch schon. "Süßigkeiten kaufen", sagt er. "Es ist toll, dass ich mir die leisten kann. Zuhause muss ich immer fragen." Max ist zum ersten Mal beim Kinderdorf dabei und muss sich erst noch daran gewöhnen. "Es ist ein bisschen komisch", sagt er. "Ich habe noch nie so viele Kinder in einem Dorf gesehen."

In der Werkstatt können die Sechs- bis Zwölfjährigen nicht nur Wellness-Produkte wie Badesalz und Lippenpflege herstellen, sondern sich auch von der Arbeit erholen, zum Beispiel bei einer Massage, und sich die Nägel machen lassen. "Die Idee, einen Wellness-Bereich einzurichten, kam uns im vergangenen Jahr", sagt die 16-jährige Adriane Frei, die mit drei anderen Betreuerinnen dort arbeitet. "Einige Kinder wollten sich gerne in den Werkstätten von der Arbeit ausruhen. Dafür war aber kein Platz. Und so dachten wir, dass so ein Bereich ganz schön wäre."

Auch Kinder-Yoga gibt es im Wellness-Bereich. "Um uns darauf vorzubereiten, haben wir beim Kinder-Yoga im Kindergarten ,Rappelkiste' zugeguckt und Bücher gelesen", erzählt Joline Buss (16).

Insgesamt gibt es in diesem Jahr 24 Werkstätten. Ausflüge, die die Kinder im Reisebüro buchen und mit ihren Juze-Talern bezahlen können, gehen unter anderem zur Firma Pflitsch, dem größten Sponsor des Kinderdorfes, und zur DLRG- Wachstation. 80 Mitarbeiter kümmern sich um die Kinder. 60 von ihnen sind neu dabei. "Das ist am Anfang immer etwas wuselig", sagt Andrea Poranzke. "Das braucht dann ein paar Tage, bis sich alles eingespielt hat und jeder weiß, wo er was findet." Richtig kinderdorferfahren ist die elfjährige Pia. "Ich bin bei jedem Kinderdorf dabei gewesen", sagt sie. Und jedes Jahr ist sie mindestens einmal in der Schneiderei. "Ich habe schon Röcke genäht, Kissen und einen Schal", erklärt sie. Nun will sie eine Hose nähen, am liebsten mit einem blauen Stoff mit kleinen Ankern darauf.

Ihr gefällt das Konzept des Kinderdorfs. "Hier hat man die Chance, was auszuprobieren, was man sonst nicht machen kann", sagt Pia. Die Elfjährige kann sich vorstellen, später Schneiderin zu werden. Sie mag es aber auch, mit dem Roller durch das Dorf zu fahren und Post zu verteilen. "Ich finde es gut, dass wir hier Geld verdienen. So lernt man, damit umzugehen", sagt Pia. Eines fehlt ihr aber: ein Tierheim. "Das wäre super, wenn es das geben würde. Da könnte man beim Arbeiten den Tieren dann ganz nah sein."

Quelle: RP
 
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