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Hückeswagen
Arbeiter glühen in der Sahara-Hitze

Hückeswagen: Arbeiter glühen in der Sahara-Hitze
Schweißgebadet und mit hochrotem Kopf: Dachdecker Fabian Lambrecht arbeitet auf dem Dach eines Hauses am Rotdornweg und hat mit der Hitze zu kämpfen. Die Nagelpistole hat er dennoch gut im Griff. Den ersten Sonnenbrand auf der Schulter bedeckt jetzt ein T-Shirt. FOTO: Moll
Hückeswagen. Hoch "Annelie" treibt in ganz Deutschland die Temperaturen in die Höhe. Auch in Hückeswagen hilft eigentlich nur noch: Schattenplätzchen suchen. Wo draußen gearbeitet wird, ist das allerdings nicht so einfach. Eine Rundfahrt. Von Jan Dobrick

Kurze Hose, Shirt, Kopfbedeckung - Mark Franken hat sich auf die Hitze vorbereitet. Der 44-jährige Polier arbeitet auf dem ehemaligen Raiffeisen-Gelände und sorgt dafür, dass es auf der großen Baustelle im Zentrum vorangeht. Vorhin hat er sich im Discounter nebenan extra ein Thermometer gekauft: "Eigentlich müssten wir die Decke der Tiefgarage betonieren. Aber bei Temperaturen von über 30 Grad verbrennt uns die Betonage, darum haben wir die Arbeiten einfach auf Montag verschoben."

Durchaus witzig: In NRW hatte der Deutsche Wetterdienst in diesen Tagen in seinem Newsletter, der an verschiedene Städte ging, vor Neuschnee gewarnt - eine technische Panne, die Franken schmunzeln lässt. Auch bei den extrem hohen Temperaturen verschwendet er keinen Gedanken daran, den Beruf zu wechseln: "Ein Job als Eisverkäufer wäre mir viel zu langweilig", sagt er grinsend. Während seine Kollegen mit nacktem Oberkörper an der Isolierung der Tiefgarage arbeiten, schwitzt Franken im Container: "Sollte es so heiß bleiben, schaffe ich mir definitiv noch einen Ventilator an."

- Drazen Janjic von der BEW kniet im Blaumann auf dem glühenden Asphalt und legt mit einem Hammer das Absperrventil frei. Der Mitarbeiter des Energieversorgers muss einen Wasseranschluss reparieren. Zum Glück spendet ihm sein großgewachsener Kollege Schatten: Jörg Winterhager ist kein Jahreszeit-Kritiker, würde aber doch lieber bei etwas kühleren Temperaturen arbeiten. "Gegenüber den Jungs auf der Baustelle haben wir allerdings einen Vorteil: Wir sind häufiger in kühlen Kellern zugange", sagt er - und grinst.

Zwischen Liegewiesen-Entspannern und Sonnenmilch-Eincremern sorgen Christian Kemsies und Holger Heimchen vom städtischen Bauhof für Sauberkeit und Ordnung. Zwei- bis dreimal in der Woche leeren sie die 18 Mülleimer an der Zornigen Ameise, suchen die Wiesen ab - und finden dabei unter anderem alte Schlauchboote, kaputte Luftmatratzen und zahlreiche Einweggrills.

"Wir schimpfen nicht auf die Sonne, sondern legen einfach eine Trinkpause mehr ein", sagt Heimchen. "Ich bin nicht neidisch, wenn ich die Badegäste in der Talsperre sehe", versichert der 49-Jährige, der sich mit seinem Kollegen auch noch um Mülleimer an Bushaltestellen und Wanderparkplätzen kümmern muss.

- Gerald Fischer zieht seine Arbeitsschuhe aus, krempelt die Hose hoch und sucht den Schatten einer Birke. "Mein Motto: Überleben!", sagt der Landschaftsgärtner von der Gärtnerei Schmauser, der eben von seinem Sitzmäher gestiegen ist. "Ich versuche, mit meinen beiden Mitarbeitern zügig voranzukommen. Die Pausen dürfen bei dem Wetter aber auch nicht zu kurz kommen." Um sich fit und munter zu halten, isst er viel wasserhaltiges Obst. Ab und zu spritzt er sich mit dem Schlauch ab. "Die Konzentration darf nicht nachlassen. Vor allem nicht, wenn ich schwere Geräte bediene", sagt Fischer. "Das könnte sonst fatal enden."

- Fabian Lambrecht balanciert auf einer Leiter und lötet Dachrinnen zusammen. Als Dachdecker kennt er die Sonnenseite des Lebens nur zu gut, könnte sich aber mittlerweile auch mit der Schattenseite anfreunden. Auf den Schultern hat der 18-jährige Geselle, der ein Vordach eindecken muss, bereits Sonnenbrand. "Ich gehe arbeiten, duschen, schlafen - mehr schaffe ich bei der Hitze leider nicht mehr", sagt der Mitarbeiter der Hückeswagener Firma Hunker, der vermutlich lieber Flipflops statt Stiefel tragen würde.

Angenehm sind die Tagesstunden bei den tropischen Temperaturen vor allen in schattigen Räumen mit heruntergelassenen Rollläden, aber Lambrecht will sich nicht beschweren: "Bei Hitze lässt sich als Dachdecker nun mal deutlich besser arbeiten, als bei Schnee, Wind und Regen."

(11 Uhr, 33 Grad)
 
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