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Hückeswagen
Auf einer Gesprächsebene mit Schülern

Hückeswagen: Auf einer Gesprächsebene mit Schülern
Ihr Vorgänger Michael Kritzler war im Januar zum Jugendmigrationsdienst der Caritas gewechselt, bis März übernahm er die Schulsozialarbeit in Hückeswagen noch in Einzelfällen. Katja Hüttenschmidt hat diese Vakanz nun beendet. Dass ihre Stelle auf 17,6 Wochenstunden begrenzt ist, kommt ihr entgegen, versichert sie. FOTO: Hertgen
Hückeswagen. 17,6 Stunden in der Woche arbeitet die Diplom-Sozialpädagogin Katja Hüttenschmidt an vier Hückeswagener Schulen. Die Schulsozialarbeiterin hat zum 1. September die Aufgaben von Michael Kritzler übernommen. Von Stephan Büllesbach

Mit Speck fängt man Mäuse. Bei Katja Hüttenschmidt ist es eher Schokolade in einer Schale, die das Eis zwischen ihr und den Schülern brechen soll. Dazu zählt auch eine angenehme Atmosphäre in ihrem Büro, für die Bilder an der Wand, Blumen und eine Kaffeemaschine sorgen sollen. Doch das sind nur Äußerlichkeiten. Viel wichtiger ist der Schulsozialarbeiterin, sich auf Augenhöhe mit den Kindern und Jugendlichen zu begeben. Deshalb unterhält sie sich mit ihnen an einem Tisch in der Ecke, um so die Distanz zu nehmen. Würde sie an ihrem Schreibtisch sitzen bleiben, würde dadurch womöglich eine unsichtbare Barriere aufgebaut. Würde doch dadurch dokumentiert, dass die Erwachsene in der Hierarchie der Gesprächspartner höher steht. "Ich versuche, die Gespräche auf eine andere Ebene zu heben. Ich will die Schüler dort abholen, wo sie stehen und nicht dort, wo man sie gerne hätte", sagt die 45-Jährige. Beim Hausbau fange man ja auch nicht mit dem dritten Stock, sondern mit dem Keller an.

Die Diplom-Sozialpädagogin kommt vor allem dann ins Spiel, wenn es Schwierigkeiten zwischen Lehrern und Schülern gibt. So bittet sie mancher Pädagoge um Hilfe, wenn Kinder verhaltensauffällig sind oder den Unterricht stören. Wozu die Lehrer im normalen Schulalltag kaum Zeit haben, darum kümmert sich dann Katja Hüttenschmidt: Sie nimmt sich Zeit für ein Gespräch mit den Schülern und will ihnen das Gefühl vermitteln, "dass da jemand ist, der mich als Mensch sieht". Die Schulsozialarbeiterin aus Halver, selbst Mutter einer 13-jährigen Tochter, will herausfinden, was die Schüler bewegt und was in ihren Köpfen vorgeht. "Wenn das funktioniert, erzählen sie meistens von ganz alleine."

Wie etwa ein Mädchen. Katja Hüttenschmidt saß an ihrem ersten Arbeitstag gerade zehn Minuten im Büro, als es an der Tür klopfte. Die Schülerin schilderte der gebürtigen Hessin, dass sie nachts nicht mehr schlafen könne, weil ihr Freund von Zuhause abgehauen sei. Sie befürchtete, dass darunter ihre schulische Leistungen leiden könnten, weil sie mit ihren Gedanken ständig bei ihm sei. Inzwischen scheinen die Wogen geglättet, denn die Schulsozialarbeiterin hat Kontakt zu dem jungen Mann aufnehmen können. "Er geht jetzt wieder zur Schule", sagt sie.

Bei Gesprächen von Lehrern mit Kindern und Eltern ist sie mitunter auch dabei. "Es ist ganz gut, wenn jemand von außen einen neuen, neutralen Aspekt einwirft", sagt sie. Im Bedarfsfall besucht sie auch die Familien zu Hause auf. Die Diplom-Sozialarbeiterin weiß aber, dass sie nur dann wirklich Erfolg hat, wenn die Eltern diesen Besuch akzeptieren. "Sie müssen erkennen, dass meine Hilfe tatsächlich Hilfe ist und keine Sanktion."

Katja Hüttenschmidt hat lange in Frankfurt als Schulsozialarbeiterin gearbeitet. Zuletzt war sie acht Jahre in der OGS-Betreuung an einer Grundschule in Halver tätig, "daher kenne ich mich mit diesem Klientel aus". Ebenso mit dem Bildungs- und Teilhabepaket (s. Kasten).

Der 45-Jährigen ist die Freude anzusehen, dass sie in Hückeswagen mit offenen Armen empfangen worden ist. Die Zusammenarbeit mit der Stadt bezeichnet sie als "sehr gut", Lehrer, Schulleitungen und Hausmeister hätten alle ihre Fragen beantwortet. Der Bedarf für ihre Arbeit jedenfalls sei da. Selbst im Vergleich zu Großstädten beschaulichen Hückeswagen.

Quelle: RP
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