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Hückeswagen
Auf gemeinsamer Spurensuche in Assisi

Hückeswagen: Auf gemeinsamer Spurensuche in Assisi
Die Teilnehmer der Besinnungswoche - Ehepaare und Leiter - im Innenhof der Assisi-Hauptkirche San Francesco, der Grabkirche des Heiligen Franziskus. FOTO: weitzdörfer
Hückeswagen. Wie Parallelen zum eigenen Paar-Erleben gefunden werden können, erfuhren jetzt acht Paare aus dem Bistum Köln in Assisi. Von Wolfgang Weitzdörfer

In dem Klassiker der Rolling Stones "You can't always get what you want" ist die Sehnsucht nach jemandem oder nach etwas beschrieben. Und dass diese Sehnsucht manchmal eben nicht gestillt werden kann. An diesen Song habe ich in der vorigen ergangenen Woche ab und zu denken müssen in Assisi, jener mittelitalienischen Kleinstadt voller Touristen und Geschichte, Spiritualität und Kommerz, Altem und Modernem.

Mit meiner Frau bin ich dort auf einer Besinnungswoche für acht Paare gewesen, organisiert vom Ehepastoral im Bistum Köln. Es ist nicht übertrieben, diese Woche als gemeinsame Spurensuche zu bezeichnen, als Reise zu sich selbst. Und am Ende der Woche kommt mir der Ausspruch von Pfarrer Norbert Fink in den Sinn, der uns begleitet und bei der Vorbesprechung gesagt hat: "Die Reise wird Euch berühren, Ihr werdet verändert zurückkommen." Nun werde ich sicher nicht mit Heiligenschein und vergeistigtem Blick durchs Leben gehen. Dennoch hat Fink recht gehabt: Assisi, wenn man sich darauf einlässt, kann einen verändern. Genau das ist das Schlüsselwort: sich darauf einlassen.

Der vorletzte Tag der Besinnungswoche ist fast vorbei. Ich sitze in der Einsiedelei "Carceri", hoch über Assisi. Dorthin, in die Natur, hat sich auch der Heilige Franziskus seinerzeit gerne zurückgezogen. Es ist ein mühseliger Aufstieg, aber im Mittelalter ist Fortbewegung ja meistens mühselig gewesen. Wir haben den Kreuzweg gebetet, jedes Paar hat sich zu einer der 14 Stationen seine Gedanken gemacht, einen Text gelesen und eine Fürbitte formuliert. Oben feiern wir gleich die tägliche Messe - in der Natur, unter freiem Himmel. Auch das ist: sich darauf einlassen.

Ein Satz von Klaus, einem der anderen Teilnehmer, ist hängengeblieben: "Hätte mir jemand vorige Woche gesagt, dass ich jeden Tag eine Messe besuchen würde und mich mehr und mehr darauf freue, das hätte ich nicht geglaubt." Sich darauf einlassen. Auch wenn es so ganz anders ist, als man den hektischen Alltag daheim erlebt.

Assisi wird immer als spiritueller Ort beschrieben. Das ist er in der Tat, nur für jeden anders. Neben der gemeinsamen Paarerfahrung gibt es ausreichend Gelegenheit, in die Geschichte von Franziskus und der Heiligen Klara einzutauchen. Etwa in der Grabeskirche San Francesco, während der Führung mit dem durchaus rustikalen Bruder Thomas, einer Mischung aus Bruder John aus Robin Hood und Sean Connery als Bruder William von Baskerville in "Der Name der Rose". Oder bei der Begegnung mit Schwester Maria Doreen, die uns die Geschichte der Klara erzählte. Oder beim Spaziergang durch die malerische - wenngleich sehr steil angelegte - Innenstadt von Assisi.

Es ist aber auch die Gemeinschaft, die besonders ist. Ganz normale Gruppendynamik, die mal gut funktioniert, dann wieder weniger gut, mag es der Skeptiker nennen. Ich hätte ihm zugestimmt. Vorher. Jetzt denke ich: Durch das sich Einlassen entsteht etwas. Eine Nähe zu mir völlig unbekannten Menschen, die ich so nicht erwartet habe. Ihren eigenen Teil dazu beigetragen haben aber auch die drei Gruppenleiter: Georg Kalkum, Maria Moormann und Norbert Fink.

Für Kalkum, der die Reisen seit neun Jahren für das Ehepastoral im Rheinisch-Bergischen und im Oberbergischen Kreis organisiert, ist es vor allem die einzigartige Atmosphäre in Assisi, die eine Paar-Besinnung möglich macht: "Es gibt so viele Orte, an denen ich die Präsenz von Franziskus und Klara spüren kann", sagt der frühere Gemeindereferent für den Seelsorgebereich Radevormwald-Hückeswagen, der inzwischen in gleicher Funktion in Wipperfürth arbeitet. "Man könnte ihre Geschichte auch an einem anderen Ort erzählen - wirklich erlebbar wird sie erst in dieser Stadt."

Für den Radevormwalder zählt aber auch die Bereitschaft der Paare, das Angebot anzunehmen: "Das, und die Offenheit der Paare, wecken in mir immer eine tiefe Demut." Maria Moormann, die für das Referat Ehepastoral im Rhein-Kreis Neuss zuständig ist, ergänzt: "An den Gestalten Franziskus und Klara finde ich viele Bezugspunkte zum Leben, die uns einen wunderbaren Blick auf unser eigenes Leben erlauben." Margot, die Frau von Klaus, sieht das auch so: "Zuerst der Blick auf Klara und Franziskus, und dann der Transfer auf unser eigenes Beziehungsleben - diese Kombination ist einzigartig."

Was die Stones angeht: Ich wollte von Assisi nichts. Vielleicht habe ich genau aus diesem Grund so viel bekommen.

Quelle: RP
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