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Hückeswagen
Awo sieht noch Chancen für ihre Kitas

Hückeswagen: Awo sieht noch Chancen für ihre Kitas
Der Margarete-Starrmann-Kindergarten vom Dierl hat im September sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. In dieser Woche schien es so, als sollte die Awo die Einrichtung abgeben müssen. Doch das kann womöglich abgewendet werden. FOTO: Moll
Hückeswagen. Vorsichtig optimistisch zeigt sich die Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, Martina Gilles. Wenn die Mitarbeiter drei Jahre auf die beschlossene Gehaltserhöhung verzichten, könnte es klappen, dass die Awo Träger der Einrichtungen bleibt. Von Joachim Rüttgen und Stephan Büllesbach

Martina Gilles hat einen trockenen Hals. Die vergangenen Wochen waren nach ihren Angaben ein "Wahnsinnskraftakt". Die Geschäftsführerin der Awo Rhein-Oberberg wird Ende nächster Woche mit fast allen 579 Mitarbeitern in 60 Einrichtungen gesprochen haben, die womöglich davon betroffen sind, dass die Awo Kindertagesstätten und/oder Offene Ganztagsschulen abstoßen muss. Hintergrund sind die jüngsten Tarifabschlüsse im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst. Die von der Gewerkschaft erstrittenen Gehaltserhöhungen, die rückwirkend zum 1. Juli 2015 gelten, bedeuten eine Mehrausgabe von 870.000 Euro (die BM berichtete). Am Donnerstagabend hatte Gilles in einer Betriebsversammlung die Mitarbeiter über den aktuellen Stand informiert.

Vorsichtig optimistisch äußerte sich die Awo-Geschäftsführerin gestern im Gespräch mit unserer Redaktion, was die Situation in Hückeswagen angeht. Hier betreibt die Awo den Johanna-Heymann-Kindergarten auf Wiehagen und den Margarete-Starrmann-Kindergarten auf dem Dierl. Über Letzteren hieß es zunächst, er könnte eine von acht Kindertagesstätten sein, die die Awo schließen muss.

Der Vorschlag an die Mitarbeiter, drei Jahre auf die Tarifsteigerung zu verzichten, um dadurch mehr Einrichtungen in Awo-Trägerschaft halten zu können, sei in der Schloss-Stadt auf eine positive Grundstimmung gestoßen. "Es gab solidarischen Applaus", sagte Martina Gilles. Die Leiter der beiden Hückeswagener Awo-Kindergärten, Bernd Block und Birgit Humpert, hatten Anfang der Woche im Gespräch mit der Redaktion bestätigt, dass die Kollegen mit einem Verzicht auf die Tariferhöhung einverstanden wären. Für die beiden Hückeswagener Einrichtungen sieht die Geschäftsführerin daher gute Chancen.

Als weitere Möglichkeit steht zur Diskussion, dass die Mitarbeiter in einen Haustarif wechseln. "Diese Optionen werden wir jetzt genau prüfen und durchrechnen", sagte die G eschäftsführerin. "Wir brauchen aber eine schnelle Lösung. Deshalb glaube ich, dass zunächst der Gehaltsverzicht die einzige Möglichkeit ist, Einrichtungen doch noch zu halten." Dem Lohnverzicht müssten jedoch alle betroffenen Mitarbeiter zustimmen.

Gilles kündigte Sondierungsgespräche mit Verdi an, die aber aus Erfahrung ein Jahr dauern könnten. "Außerdem stellt sich uns auch die Frage, wie schnell die Maßnahmen wirtschaftlich greifen." Es sei den Mitarbeitern hoch anzurechnen, dass sie auf Gehalt verzichten wollen. "Viele Einrichtungen zeigen sich extrem solidarisch, für andere ist es schwieriger", berichtete Gilles. Wie das alles arbeitsrechtlich funktionieren kann, müssen die nächsten Wochen zeigen.

Für große Unruhe unter den Mitarbeitern hatte die Ankündigung von Verdi geführt, die Awo-Beschäftigten würden bei einem Gehaltsverzicht für drei Jahre dann auch bis zur Rente keine Tariferhöhung mehr bekommen. "Das stimmt nicht. Jeder Tarifabschluss wird von uns nach den jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnissen geprüft", stellte die Geschäftsführerin klar. Das bedeute nicht, dass die Awo sämtliche Abschlüsse verhindern wolle. "Das haben wir schriftlich vom Vorstand bestätigt bekommen."

Unterstützung findet Gilles bei Birgit Humpert: "Ich kann im Namen des Teams sagen, dass wir die Awo unterstützen und uns solidarisch mit unserem Arbeitgeber zeigen", sagte sie gestern. Alle wollten, dass es mit der pädagogischen Arbeit in Hückeswagen weitergehe.

Quelle: RP
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